Overtouched: „Irgendwann hat mein Partner sich die Nähe woanders gesucht.”

Viele Mamas kennen es, aber noch mehr scheuen sich, es offen zu besprechen. Sie lieben ihre Kinder, aber manchmal wünschten sie sich, ihren Körper einfach mal wieder kurz für sich zu haben. Man ist so angespannt vom Tag, so gereizt von den Kindern, vom Partner, vom Job – das Kuscheln plötzlich gar nicht mehr schön, sondern nur schwer zu ertragen ist. Touched out wird dieses Phänomen genannt, das zwar extrem weit verbreitet ist – einem aber trotzdem ein gehörig schlechtes Gewissen macht.

Die Partnerschaft kann das vor große Herausforderungen stellen.

Wenn auch noch mein Mann kuscheln will, denke ich nur ‚Och nö…‘”, schrieb uns eine Mama in ihrer Echten Geschichte. Und sie ist damit nicht alleine, denn auch, wenn sich viele Mütter leider immer noch schuldig fühlen, trauen sich doch immer mehr, darüber zu sprechen. Wir haben in unserer Facebookgruppe „Wir sind Echte Mamas” nach euren Erfahrungen gefragt und drei Mamas gefunden, die davon erzählen, wie sie das Gefühl „overtouched” zu sein, wahrgenommen haben, und wie es ihre Beziehungen zu ihrer Familie beeinflusst hat.

„Alle Eltern wissen ja, dass die Zeit irgendwann auch vorbei ist.”

„Mein Kind war von Tag eins an sehr nähebedürftig. Typisch: nicht ablegen können, sehr viel stillen natürlich auch. Ich war total overtouched, jeden Tag. Aber das Bedürfnis, dem Kind alles zu geben, war am größten, denn ich wusste, dass das Kind es dringend braucht und es für Bindung und Selbstregulation super wichtig ist. Irgendwann hat mein Partner sich die Nähe lieber woanders gesucht, statt es mit mir durchzustehen. Es ist nunmal ein hoher Preis, jedoch war dieser für mich viel höher, und vor allem zog ich mich zusätzlich zurück, als auch noch andere Dinge zu seinem Problem wurden, wie zB mein Körper/Gewicht, Verhaltensweisen… oder, dass ich generell angeblich nicht genug dafür tat, wieder so zu werden wie früher (seiner Meinung nach war ich in der ‚Bringpflicht‘). Mein Kind ist nun über vier und kuschelt immer noch sehr gerne, was mich freut, denn alle Eltern wissen ja, dass die Zeit irgendwann auch vorbei ist. Mir war es tatsächlich Wert, den Preis zu zahlen, denn wenn man sowieso nicht zusammenhält, habe ich nichts zu verlieren, aber mein Kind bleibt immer mein Kind und deshalb gebe ich hier mein Bestes.”

„Ich hatte häufig keine Lust und auch keine Zeit für meinen Partner.”

„Meinen Kindern würde ich nie sagen, dass sie mich nicht kuscheln dürfen wenn sie es wollen. Das muss man genießen, irgendwann ist die Zeit vorbei und dann vermisst man es. Gerade in der Anfangszeit, wenn Kinder noch extrem viel Nähe brauchen und eventuell auch viel schreien, hatte ich häufig keine Lust und auch keine Zeit auf die Zweisamkeit mit meinem Partner. Das war aber auch für uns in Ordnung und er hat mir da auch keinen Stress gemacht. Wir haben uns dennoch immer super verstanden und den „Feierabend“ zusammen verbracht.”

„Ich gebe öfter mehr Körperkontakt als ich selbst mag.”

„Also ich muss sagen, dass ich das bei meiner Großen nie hatte, die Kleine jedoch (auch wenn ich es zu 90/95% genieße) ist ein total körpernahes Kind. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre nie overtouched, ich kann gefühlt die Uhr danach stellen, wann das ist – meist sonntags oder montags. Ich schaue schon, dass es uns dreien gut geht, dennoch gebe ich öfter mehr Körperkontakt als ich mag, einfach, weil sie es brauchen. Und wenn sie dann so zufrieden sind, umgibt mich ein warmes Gefühl und ich weiß, es ist richtig so. Außerdem habe ich keinen Mann, dem ich Nähe geben muss/soll/kann. Ich glaube, noch einer weiteren Person könnte ich das zurzeit auch gar nicht geben.”

Vielen Dank an die drei Mütter, die ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben.

Hast du auch das Gefühl, dass du gerade „touched out” oder „overtouched” bist? Dann empfehle ich dir zusätzlich unseren Artikel „Touched out: Ist es okay, wenn Mamas sich „überberührt” fühlen?” Spoiler: Selbstverständlich ist das okay! Im Text findest du praktische Tipps, die dir in der Situation helfen können.

Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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Mama
Mama
22 Tage zuvor

Mein Exmann sowie mein Exfreund haben sich die Nähe bei anderen Frauen gesucht. Mein Exmann ist sogar seit zwei Jahren mit dieser Person verheiratet (sie ist 16 Jahre jünger als er). Mein Exfreund hat sich sogar eine ältere Frau gesucht. Ich bin demnach alleine mit drei Kindern und die jüngste habe ich sogar 365 Tage 24/7 um mich rum.