„Nichts macht mich wütender, als Fremde, die mein Kind erziehen wollen.”

„Ich war schon immer ein impulsiver Mensch und bin nicht stolz auf meine Ungeduld, die besonders mein Partner zu spüren bekommt. Als ich schwanger wurde, nahm ich mir aber ganz fest vor, an meiner ungeduldigen Art zu arbeiten, denn ich wollte so auf keinen Fall mit unserem Kind umgehen.

Mein Freund machte sich zunächst darüber lustig, er hat nicht gedacht, dass ich das hinkriege.

Doch unsere Tochter hat mich verändert. Früher hätte ich mir niemals vorstellen können, so ruhig zu bleiben, wenn wir jemand Nudeln an den Kopf wirft oder sich heulend auf den Boden wirft, weil er lieber den Becher mit dem Regenbogen als den mit den kleinen Hunden drauf hätte. Ich sage nur Trotzphase. Aber irgendwie schaffe ich es, in solchen Momenten die Nerven zu behalten. Meine Tochter ist dafür ganz die Mama, sie hat meine Impulsivität geerbt.

Natürlich gibt es immer noch Dinge, die mich fürchterlich aufregen. Ganz oben auf der Liste stehen fremde Menschen, die versuchen mein Kind zu erziehen. Ich habe mir in der Schwangerschaft so viele Gedanken darüber gemacht, was für eine Mama ich sein will. Ich habe Ratgeber gelesen und mich mit anderen Müttern ausgetauscht. Trotzdem behandeln mich wildfremde Menschen so, als wäre ich als Mutter eine Vollkatastrophe.

Neulich zum Beispiel waren mein Freund und ich gerade mit unserer Tochter spazieren, als wir seinen Chef und dessen Frau trafen.

Die beiden sind deutlich älter als wir, ihre Kinder sind längst aus dem Haus. Den Smalltalk überstanden wir noch ganz gut, aber irgendwann wurde es unserer Kleinen einfach zu langweilig. Zunächst quakte sie ständig dazwischen, dann zog und zerrte sie an mir und fing an zu quengeln.

Ich habe ihr jedes Mal ruhig, aber bestimmt gesagt, dass ich verstehe, dass sie Langeweile hat, aber ich mich noch unterhalten möchte und sie sich noch etwas gedulden muss. Leider war an dem Tag der Wurm drin, so richtig geholfen hat es nicht. Die Frau von dem Arbeitskollegen meines Freundes beobachtete mich und meine Tochter und war sichtlich genervt, dass die Kleine jammerte und unser Gespräch störte.

Sie schaute mich zuerst ganz pikiert und kopfschüttelnd an.

Doch dabei blieb es leider nicht. Plötzlich packte sie meine Tochter am Arm und sagte in einem strengen Ton zu ihr: ‚Fräulein, du hörst jetzt sofort auf damit, sonst setzt es was!‘ Unsere Tochter war total erschrocken und versteckte sich hinter meinen Beinen. Für mich kam das aus dem Nichts, ich war überrumpelt vom Eingreifen dieser fremden Frau.

Wie kam sie denn dazu mein Kind so herrisch anzufassen? Am liebsten hätte ich sie angefahren, dass sie die Finger von meiner Tochter lassen soll, aber ich wollte auch keinen Streit provozieren, wenn der Chef meines Mannes direkt daneben steht.

Also bekam ich nur einen hoch roten Kopf und versuchte, bestimmt zu erklären, dass ich nicht möchte, dass sie meiner Tochter Angst macht.

Das wiederum kam bei meinem Gegenüber gar nicht gut an: ‚Das nennt man Erziehung. Diese Kinder von heute haben einfach keinen Respekt mehr vor anderen Menschen.‘ Ich wusste gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich finde es unmöglich, was diese Person sich rausgenommen hat und gleichzeitig wollte ich nicht, dass eine hitzige Diskussion entbrennt.

Also nahm ich meine Tochter auf den Arm und bedeutete meinem Freund, dass ich schon mal vorgehen würde. Er hat das alles gar nicht mitbekommen und war ganz erstaunt, dass ich so plötzlich davon marschierte. Bis heute weiß ich nicht, ob ich mich ärgern soll, dass ich nichts weiter gesagt habe oder nicht. Ich verstehe nicht, wie fremde Menschen so dreist sein können und ihre fragwürdigen Erziehungsmethoden an meinem Kind ausprobieren.

Wie kommt man denn dazu, sich mit so einer Selbstverständlichkeit einzumischen?

Gleichzeitig finde ich, dass ich mich nicht dafür rechtfertigen muss, wie ich mit meinem Kind umgehe. Das Schlimme ist, dass mir sowas schon ein paar Mal passiert ist, als ich mit unserer Tochter unterwegs war. Danach bin ich immer total aufgewühlt: Einerseits wütend und andererseits beschämt, dass andere Menschen offenbar finden, dass ich meinen Job als Mutter so schlecht mache.

Was mich etwas beruhigt hat, ist mit anderen befreundeten Mamas darüber zu sprechen. Manche haben schon Ähnliches erleben müssen, ich bin also nicht die einzige Mutter, die sich über solche Kommentare aufregt. Vielleicht hilft ja auch meine Geschichte einer Mama, die sich gerade über fremde Menschen ärgert, die ihr Kind erziehen wollen.”


Liebe Maren, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

Echte Geschichten protokollieren die geschilderten persönlichen Erfahrungen von Müttern aus unserer Community.

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, spannend oder ermutigend – ich freue mich auf Deine Nachricht an [email protected]

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

Alle Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
19 Comments
Beliebteste
Neueste Älteste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
19
0
Tausch dich dazu mit anderen Mamas aus!x
()
x