Nerven euch die Geburtstags-Mitgebsel eigentlich auch so?

Gibt es eigentlich auch so etwas wie einen Kindergeburtstags-Grinch? Falls ja, bin ich das womöglich – jedenfalls, wenn es um die Goodie Bags geht, die am Ende jeder Feier verteilt werden. Finde nur ich diesen Brauch so nervig?

Kurzer Spaß, reichlich Müll

Wenn mein Sohn als Gast bei einer Geburtstagsfeier so eine Tüte bekommt, freut er sich wie Bolle… für exakt fünf Minuten. Undankbar? Vielleicht denkt er ja auch nur, dass er Plastik-Schnappbänder und -Tröten nicht unbedingt braucht. Er freut sich viel mehr über den Spaß, den er mit den anderen Kindern beim Sackhüpfen, Klettern, Spielen hatte. Ich hebe den Kram natürlich trotzdem schamhaft noch eine Weile auf. Schließlich sind es Geschenke, für die jemand bezahlt hat. Und für die Umwelt ist die Wegwerfmentalität ja auch nicht so toll. Aber am Ende landen die Mitgebsel so gut wie ungenutzt im Müll.

Unvergängliche Kindheitserinnerungen sind nun einmal nicht aus Plastik gemacht. Falls das früher auch so extrem war mit den Gastgeschenken, erinnere ich mich jedenfalls nicht daran. Ich erinnere mich an den Spaß, den wir miteinander hatten, an zu viel Kuchen und am besten noch Pommes mit Nuggets zum Abendessen. Herrlich! Zu Hause gab es so ungesundes Zeug schließlich viel zu selten. Heute finde ich es (jedenfalls ab und zu) super, ähnliche Partys für mein Kind zu schmeißen. Nur über die Mitgebsel zerbreche ich mir ewig den Kopf. Sie sollen nicht (zu) schrottig sein und am besten noch zum Motto passen. Viel kosten dürfen sie aber auch nicht, weil ich sonst fürchte, andere Eltern unter den gleichen Druck zu setzen, unter dem ich mich oft fühle. Am Ende tüte ich wieder einmal nutzlosen Plastikquatsch ein.

Es geht natürlich auch nachhaltiger, aber…

…mal ehrlich, wann soll ich denn noch ökologisch korrekte Samenbomben für zehn Kinder vorbereiten? Und ob ich damit die Augen der Kleinen wirklich zum Strahlen bringe? Wenn überhaupt, bastele ich so etwas lieber mal in Ruhe alleine mit meinem Kind und bringe es dann direkt unter die Erde – die Samenbombe, nicht das Kind. Nicht missverstehen: Falls jemand Freude damit hat, ganz viele tolle Gimmicks zu kaufen oder zu basteln: Go for it!  Aber was ist mit Eltern, denen es so geht wie mir?

Juchu, ich bin doch nicht alleine

Auf parents.de beschreibt auch Leah Campbell, wie sie lange Zeit fürchtete, die Einzige zu sein, die den Mitgebsel-Wahn doof findet. Dann startete sie in einer geschlossenen Facebook-Gruppe unter ca. 1000 Eltern eine Umfrage. Ergebnis: 90 Prozent der Befragten hatten auch keinen Bock darauf, solche Tüten zu füllen oder sie mit nach Hause zu nehmen.  Nur wollte niemand als Erste*r mit der Tradition brechen.

Mit diesem Wissen war Campbell so konsequent, die Goodie Bags für sich abzuschaffen. Weder das Geburtstagskind, ihre Tochter, noch deren Gäste vermissten etwas. Stattdessen bedankten sich sogar manche Eltern, weil sie nicht mit noch mehr Kram überschüttet wurden. Campbells Erfahrungen haben mich nachdenklich gestimmt. Sollte ich mich trauen, auch für uns den Brauch abzuschaffen? Oder stempeln mich die anderen Eltern dann als geizknochige, fiese Spaßbremse ab? Unser Sohn hat im Sommer Geburtstag. Es bleibt mir also noch ausreichend Zeit, Mut zu sammeln, um andere Eltern zu fragen, ob wir die Mitgebsel nicht einfach abschaffen wollen (und vielleicht auch gleich noch die Hüpfburgen, Zauberer-Auftritte und Musical-Darbietungen?).

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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