„Nein, meine Tochter friert nicht. Neihein, wirklich nicht!“

„Kind, mir ist kalt, ziehst du bitte eine Jacke an!?“

Kennt ihr diesen ollen Witz? Was hab ich möchtegern-wissend-eigentlich-nichts-wissend darüber gegrinst, ach, über all die überbesorgten Mamas in meiner Umgebung – bis ich selbst Mama wurde.

Als meine Tochter noch ein Baby war, fand ich es eine echte Herausforderung, sie immer der Temperatur entsprechend anzuziehen.

Sie sollte doch nicht frieren! Aber erst recht nicht überhitzen! HILFE!

Und war selbst mittendrin im „Anzieh-Thema“, so viel zu den überbesorgten Mamas. Aber irgendwie habe ich es anscheinend ja immer ganz gut hinbekommen, sie lebt zumindest noch.

Jetzt ist meine Tochter schon fünf Jahre alt. Und ein echter Heizlüfter! Sie schläft im Winter in den luftigsten Pyjamas bei offenen Fenster. Das stört sie nicht, im Gegenteil. In warmen Schlafklamotten wird sie verschwitzt wach.

Und so sieht es auch aus, wenn wir rausgehen.

Schon immer hat sie dicke Jacken, Handschuhe, Mützen gehasst.

Lange war mir das egal, ich hab es als „Aus-Prinzip-Getue“ abgetan und ihr die warmen Klamotten aufgenötigt. Die sie dann innerhalb kürzester Zeit irgendwie unauffällig wieder ausgezogen hat.

Irgendwann hatte ich die Nase voll von diesen überflüssigen Kämpfchen. Und hab sie machen lassen. Die warmen Sachen habe ich dabei – und siehe da, wenn ihr wirklich kalt ist, dann fragt sie auch danach und zieht sie an.

Natürlich lasse ich sie im Spätherbst keine Sandalen anziehen, mit nackten Füßen.

Oder im Shirt im Schnee zu spielen. Aber diese „Pullischicht“, die für mich selbst als Frostbeule jetzt im November schon zwingend zwischen T-Shirt und Jacke gehört, die nötige ich ihr nicht auf. Wenn sie sich partout weigert, ihre Jacke überzuziehen, dann lasse ich sie.

Sie ist wirklich superselten krank (toitoitoi), deswegen sehe ich gar keinen Grund mehr, uns beide aufzuregen, nur, ja, nur weil MIR kalt ist.

Ich hab also meinen Frieden gemacht mit dem Thema. Aber: Die anderen nicht.

Sie schauen auf meine Tochter, die (als einziges Kind) im Langarmshirt aufs Klettergerüst kraxelt oder die mit offener Winterjacke auf dem Rad herumdüst und sehen äußerst sorgenvoll aus. Ein kleiner Blick zu mir, kurz mal gucken, was das für ne nachlässige Mutter ist… (Klar, das ich dann gerade auf dem Handy herumdaddel, oder?) Mama-Freundinnen fassen besorgt die Hände meiner Kleinen an und fragen sie (eigentlich aber natürlich mich), ob sie denn keine Handschuhe hätte? Opa kauft ihr demonstrativ eine Mütze (die einen Tag später mit den drei anderen im Schrank liegt) und ja, natürlich darf bei vielen auch das „Du lässt ihr auch alles durchgehen, ne?“ nicht fehlen.

Ach, Leute. Es gibt doch so viele Kinder, die wirklich Hilfe brauchen!

Und genug Mäuse, die Mützen und Kuschelpullis sehr gut gebrauchen könnten. Bitte rettet doch diese Kinder!

Aber nein, meiner Tochter ist nicht kalt, danke der Nachfrage!

Und falls ihr doch kalt ist und sie aus Prinzip lieber friert – dann ist das eben so. Soll sie doch. Irgendwann wird auch sie es lieben, sich muckelig warm einzupacken.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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