Nach herber Kritik: Verlag zieht Winnetou-Buch zurück

Es ist eine große Entscheidung, die für den Verlag viele Kosten und auch interne Diskussionen bedeuten dürfte:

Ravensburger zieht seine Lizenzprodukte zum Kinofilm „Der junge Häuptling Winnetou“ zurück.

Grund seien laut Ravensburger „viele negative Rückmeldungen“ – und die gab es wirklich zuhauf. Unter dem Hashtag #winnetou wurde im Netz Unverständnis darüber gezeigt, wie der Verlag ein Buch mit solchen rassistischen Stereotypen veröffentlichen könne.

Der bekannte Verlag hatte den Braten bereits gerochen und vorab verkündet, dass „Der junge Häuptling Winnetou“ als „fiktive Geschichte und nicht als sachgerechte Darstellung des Lebens indigener Völker zu verstehen sei.“

Aber das hat die Kritiker wie zu erwarten nicht besänftigt.

Ravensburger zieht also die filmbegleitenden Bücher, ein Stickerbuch sowie ein Puzzle zurück. „Wir danken Euch für Eure Kritik. Euer Feedback hat uns deutlich gezeigt, dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben. Das war nie unsere Absicht und das ist auch nicht mit unseren Ravensburger Werten zu vereinbaren. Wir entschuldigen uns dafür ausdrücklich,“ schreibt der Verlag auf Instagram. „Unsere Redakteur*innen beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Diversität oder kultureller Aneignung. Die Kolleg*innen diskutieren die Folgen für das künftige Programm und überarbeiten Titel für Titel unser bestehendes Sortiment. Dabei ziehen sie auch externe Fachberater zu Rate oder setzen ,Sensitivity Reader` ein, die unsere Titel kritisch auf den richtigen Umgang mit sensiblen Themen prüfen. Leider ist uns all das bei den Winnetou-Titeln nicht gelungen. Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht und wir können euch versichern: Wir lernen daraus!“

Nun wird aber wiederum Kritik von ganz anderer Seite laut.

Wie u.a. ntv berichtet, sagt Karl-May-Experte Andreas Brenne über die Entscheidung: „Ich halte es für nicht richtig, ein solches Buch nur aufgrund eines Shitstorms aus dem Verkehr zu ziehen.“ Er warnt davor, den Vorwurf der falschen kulturellen Aneignung unreflektiert zu generalisieren. „Schon das Verkleiden als Indianer gilt dann als rassistischer Akt“.

Mit dieser Art der Kritik musste sich natürlich vorher auch schon der Film „zum Buch“ auseinandersetzen.

Eine Jury-Mitglieder der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW), die Filme auf ihre Qualität hin begutachtet, hielten es es heute für nicht mehr zulässig, einen Film „im Geist der mythisch aufgeladenen und sehr klischeehaft darstellenden Karl-May-Folklore zu realisieren.“ Andere wiederum machte darauf aufmerksam, dass Karl May seine Erzählungen aus seiner Fantasie geschrieben habe, auch die Verfilmungen in den 60er-Jahren seien Märchen, welche die Welt der indigenen Völker „im absolut klischeehaften Bild darstellten“. Diese Märchen hätten nichts mit der Realität zu tun und auch nicht mit ihrer Verzerrung – daher sei es völlig legitim, sie als Geschichten Kindern auch heute zu erzählen.

Der Film bekam letzten Endes dann sogar das Prädikat „besonders wertvoll“ – und kam in die Kinos.

Was meint ihr denn? Hat sich Ravensburger zu früh der Kritik „gebeugt“ oder war es genau richtig so und sehr reflektiert?

Oder hätte der Verlag die Lizenzprodukte zum Film gar nicht erst produzieren sollen?
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Winnetou – toller Klassiker oder heute ein absolutes No-Go?x

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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