Mehrarbeit während Corona: Mütter stellen Gehalts-Rechnungen an den Staat

Es ist, wie es ist: Vor allem Eltern haben durch die Umstände der Corona-Krise einen Batzen an Mehrarbeit. Sie arbeiten (wenn sie das Glück haben, es zu können) im Homeoffice, schmeißen den Haushalt – und bespaßen und beschulen „nebenbei“ ihre Kinder. Eine Änderung der Lage? Nicht abzusehen.

Viele Umfragen haben gezeigt, dass in vielen Familien vor allem Frauen betroffen sind. Die aktuelle Mehrarbeit bleibt zum Großteil an ihnen hängen – zusätzlich zu all dem, was sie auch unter „normalen Umständen“ schon schaffen. Das schlaucht…

Und genau deswegen stellen jetzt drei Mütter ihre Arbeitskraft der Politik in Rechnung und starten unter dem Hashtag #CoronaElternRechnenAb eine Protestaktion in den sozialen Netzwerken.

Eine von ihnen ist Karin Hartmann. „Ich erwarte, dass die Schule stattfindet“, sagt sie gegenüber EditionF mit Verweis auf die Schulpflicht. Und genau diese werde aktuell ins Private delegiert – ohne Hilfe, ohne Wahlmöglichkeit für die Eltern. „Als ehemalige Unternehmerin weiß ich, dass ich Dienstleistungen zwar in in Anspruch nehmen kann, aber nicht auf Kulanz. Ich bekomme irgendwann eine Rechnung gestellt.“

Und genau deswegen schreibt sie ihrer Landesregierung eine Rechnung über all die Tätigkeiten, die sie seit Wochen übernimmt.

Ihre Rechnung sieht wie folgt aus:

Die Gehalts-Rechnung von Karin Hartmann.

Die Gehalts-Rechnung von Karin Hartmann. Screenshot: Edition F

Ganz wichtig ist ihr aber auch: Auf der Rechnung wird auch die Mehrwertsteuer ausgezeichnet.

„Durch Care-Arbeit entsteht im Sinne der Definition von Wirtschaft ein Mehrwert – nämlich Leben“, sagt Karin Hartmann. Denn als ein großes Ziel ihrer Rechnung beschreibt Karin Hartmann, Care-Arbeit endlich sichtbar zu machen.

Care sollte im Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt werden und damit auf die gleiche Stufe wie Erwerbsarbeit gestellt werden.

Lange überfällig, oder?

Karin Hartmann ist nicht alleine. Auch die Bloggerinnen Sonja Duwe von Phoenix Frauen und Sonja Lehnert von Mama Notes hat sie beschlossen, monatlich eine Rechnung für die geleisteten Entlastungsleistungen an den Staat zu stellen. Sonja Duwe schreibt dazu auf ihrem Blog: „Wir sehen das als sehr logische Form von Protest und Widerstand, den jede und jeder von uns vom sicheren, heimischen Küchentisch aus erledigen kann und für den niemand auf die Straße muss. Ich find’s nett, dass das Familienministerium sich blumig bei mir bedankt. Aber jetzt kommt meine Rechnung – wie sich das als ArbeitnehmerIn oder UnternehmerIn oder auch als Hausfrau oder Hausmann gehört. Waren und Dienstleistungen werden im anständigen Kapitalismus berechnet und bezahlt.“

Und fordert alle, die ihrer Meinung sind, zum gemeinsamen Protest auf:

„Wir rufen Euch auf, Euch unter dem Hashtag #CoronaElternRechnenAb an dieser Aktion zu beteiligen! Schreibt von heute an monatlich eine Rechnung an den/die Kultusminister*in (für Schulkinder) und/oder an den/die  Arbeitsminister*in (Kitakinder) Eures Bundeslands. Bringt Eure Situation und Euren Beitrag für die Bewältigung dieser Krise in Blog- und Social-Media-Beiträgen mit #CoronaElternRechnenAb zum Ausdruck! Zeigt Eure Leistungen und Rechnungen (Beträge können gern geschwärzt werden) schwarz auf weiß. Dokumentiert, wie Ihr die Rechnungen absendet! Lasst uns gemeinsam aktiv werden und echte Entlastung und Wertschätzung einfordern!“

Wer mehr wissen will, folgt dem Instagram-Account zur Aktion:

 

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Nicht nur durch die Blume, sondern sehr konkret fordern wir Mütter eine Entlohnung unserer zusätzlich geleisteten Arbeit. #CoronaEltern entlasten in der Coronakrise kostenlos den Staat in seinem Bildungs- & Erziehungsauftrag. Wir rechnen diesen Auftrag ab. @ziskawoman zeigt ihre Rechnung hübsch verpackt. #corona_eltern_rechnen_ab #Homeschooling #protestaktion #bildungsauftrag #mitspracherecht #dasprivateistpolitisch

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Auch Autorin Patricia Cammarata von „das nuf“ macht schon mit: Sie stellt auf ihrer Homepage ihre persönliche Rechnung über 22.296,00 Euro schreibt: „Macht mit und quantifiziert eure unsichtbare Arbeit.

Weil ein warmer Händedruck nicht reicht.“

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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