„Mit der Trennung habe ich meinen Kindern die Oma genommen“

„Hallo, ich bin Antonia und ich habe mich vor einem Jahr von meinem Mann getrennt. Seitdem leide ich unter Schuldgefühlen gegenüber meinen Kindern. Nicht nur, weil ich mich von ihrem Vater getrennt habe, sondern auch, weil ich ihnen damit zeitgleich die Oma genommen habe.

Mein Mann und ich waren insgesamt vier Jahre verheiratet, direkt nach der Hochzeit wurde ich schwanger. Damals waren wir überglücklich, dass es so schnell geklappt hat. Es kam mir so vor, als würden all meine Wünsche endlich in Erfüllung gehen. Meine Eltern waren zu dem Zeitpunkt leider schon beide verstorben, aber die Mutter meines Mannes unterstützte uns so gut, wie sie konnte. Sie ist katholisch und hat einen sehr tiefen Glauben. Ihr zuliebe heirateten wir in einer katholischen Kirche.

Mein Mann und ich fanden uns gut in die Eltern-Rolle ein

Die Babyzeit war anstrengend, aber auch wunderschön. Ich hatte das Gefühl, dass mein Mann und ich uns gut in unsere neue Rolle als Eltern einfanden. Um unsere Familienplanung abzuschließen, wurde ich anderthalb Jahre später wieder schwanger, alles klappte wie am Schnürchen. Die Oma half immer aus, wenn wir nicht wussten, wohin mit den Kindern und meine beiden Söhne waren verrückt nach ihr. Auch ich hatte ein gutes Verhältnis zu ihr und konnte mich auf meine Schwiegermutter verlassen. Aber dann, kurz nach dem ersten Geburtstag unseres Jüngsten, begann unser schönes Leben Risse zu bekommen.

Das Gefühl kam schleichend, aber unaufhaltsam: Ich fühlte plötzlich keine Liebe mehr für meinen Partner.

Zuerst war ich so mit unseren kleinen Kindern beschäftigt und schob es darauf. Aber auch, als ich wieder ein bisschen mehr Zeit für mich hatte, kamen meine Gefühle nicht zurück. Ich konnte mir überhaupt nicht mehr vorstellen mit meinem Mann intim zu werden und schon der Gedanke an einen Kuss war mir irgendwie zuwider. Ich schämte mich sehr dafür und betete, dass es sich nur um eine Phase handeln würde, aber irgendwann konnte ich das Problem nicht mehr verdrängen. Dabei sah ich jeden Tag, was für ein liebevoller und aufmerksamer Vater mein Partner war und ich hasste mich selbst dafür, dass ich es nicht mehr schaffte ihn zu lieben oder begehrenswert zu finden.

Ich wusste einfach keinen Ausweg mehr

Irgendwann wurde das Gefühl so schlimm, dass ich keinen Ausweg mehr wusste. Ich bekam dauerhaft Migräne und fühlte mich nur noch schlecht. Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sprach meinen Mann darauf an. Mir kommen bis heute die Tränen, wenn ich an diesen Moment zurückdenke, weil ich weiß, dass ich ihn damals unglaublich verletzt habe. Trotzdem fühlte ich mich sofort besser, als die Wahrheit raus war. An ihm war natürlich nicht vorbeigegangen, dass sich zwischen uns etwas verändert hatte. Wir sprachen sehr lange miteinander und ich bot ihm an, dass wir weiterhin zusammen leben könnten, um uns gemeinsam um die Kinder zu kümmern. Aber das wollte er auf keinen Fall.

Nach etwas Bedenkzeit teilte er mir dann seinen Entschluss mit: Er wünschte sich räumlichen Abstand zu mir, weil ihn meine ständige Anwesenheit einfach zu sehr verletze. Außerdem wollte er frei sein für einen Neustart mit jemandem, der ihn auch als Partner lieben könnte. Aus diesen Gründen sprach er sich für eine Scheidung aus. Trotzdem wollte er weiterhin für seine Kinder da sein und uns finanziell unterstützen.

Es tat weh, diese Worte aus seinem Mund zu hören, aber ich willigte ein, alles andere wäre mir einfach egoistisch vorgekommen.

Meine Schwiegermutter wollte nichts mehr mit mir zu tun haben

Ein paar Tage später rief mich seine Mutter an. Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl und war darauf vorbereitet, dass sie enttäuscht wäre. Aber ich rechnete nicht mit dem, was dann kann. Mit eisiger Stimme erklärte mir meine Schwiegermutter, dass ihr Sohn sie über unsere Scheidung und die Umstände, die zu dieser geführt hätten, in Kenntnis gesetzt hatte. Sie sei zutiefst enttäuscht von mir und in ihren Augen gäbe es keine Entschuldigung für mich. Die Ehe sei für sie etwas Heiliges, dass der Mensch nicht wieder auflösen dürfe. Ihre harten Worte fühlten sich an, wie ein Schlag in die Magengrube, ich wusste in dem Moment einfach nichts zu entgegen. Doch es kam sogar noch schlimmer: Meine Schwiegermutter und die Oma meiner Kinder sagte sich gänzlich von mir und von ihren Enkeln los. Für sie seien wir mit der ‚von mir verschuldeten‘ Scheidung kein Teil ihres Lebens mehr.

Nach diesem Telefonat weinte ich stundenlang, die ganze Situation überforderte mich. Irgendwann konnte ich mich mit dem Gedanken beruhigen, dass sich die Oma meiner Kinder irgendwann mit der Situation arrangieren würde… dass ich ihr nur Zeit geben müsste. Das ist nun über ein Jahr her, mein Mann und ich befinden uns offiziell im Trennungsjahr, verstehen uns aber immer noch ganz gut. Doch seine Mutter verzeiht mir nicht. Sie hat sich kein einziges Mal mehr bei mir gemeldet und wollte auch unsere Jungs nicht mehr sehen. Meine Söhne fragen natürlich immer wieder nach ihrer Oma und ich weiß einfach nicht, wie ich ihnen erklären soll, dass diese sie nicht mehr sehen möchte.

Ich hoffe, dass sie mir irgendwann verzeihen kann

Eine Scheidung ist für alle Beteiligten schrecklich, egal, wie sehr man sich Mühe gibt, niemanden zu verletzen. Auch unsere Kinder haben in der ersten Zeit viel geweint, als ihr Vater ausgezogen ist. Inzwischen scheinen sie sich daran gewöhnt zu haben, weil sie merken, dass ihr Papa immer noch für sie da ist. Aber dass sie nun nicht nur eine Scheidung erleben müssen, sondern auch noch ihre Oma und damit eine geliebte Bezugsperson verlieren, bricht mir das Herz.

Ich hoffe einfach nur, dass meine Ex-Schwiegermutter mir irgendwann verzeihen kann, wenn auch nur der Kinder zuliebe.“

Liebe Antonia, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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