Meinung: „Kein automatisches Sorgerecht für nicht-eheliche Väter!“

„Habt ihr es mitbekommen? In den Medien hat Justizministerin Christine Lambrecht ganz schön für Wirbel gesorgt, weil sie sich klar gegen ein automatisches Sorgerecht für nicht-eheliche Väter ab der Geburt ausgesprochen hat. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie so eine Gleichberechtigung der Eltern verhindere. Aber ganz ehrlich, ich bin auch total dagegen, dass Väter mit der Geburt ihres Kindes ein Sorgerecht bekommen.

Aber mal von Anfang an: Einstimmig hatte sich eine vom Bundesjustizministerium eingesetzte Expertengruppe dafür ausgesprochen, dass Kinder künftig von Geburt an automatisch zwei sorgeberechtigte Eltern haben sollten. Für Eheleute war das schon immer so, für Unverheiratete jedoch nicht. Hier hat die Mutter zunächst das alleinige Sorgerecht. Das gemeinsame Sorgerecht bedarf ihres Einverständnisses, etwa durch eine gemeinsame Erklärung. Diese Regelung sollte nun aufgebrochen werden – hätte Christine Lambrecht nicht dazwischen gegrätscht.

Die Mutter hätte weiterhin die Entscheidungsmacht

Sie brachte nun einen Entwurf ins Rollen, der von diesem Programmsatz einigen Abstand nimmt. Zwar spricht sie davon, die gemeinsame Sorge „erleichtern“ zu wollen, indem sie bereits mit Anerkennung der Vaterschaft eintritt. Diese setzt jedoch ebenfalls eine Zustimmung der Mutter voraus. Die Mutter hat also weiterhin das Sagen.

Da denkt ihr euch vielleicht: Eine Reform ist gut! Eine faire Aufteilung des Sorgerechts und damit auch des Erziehungsauftrags ist doch zeitgemäß. Warum sollte jemand etwas dagegen haben, dass Vater und Mutter ab der Geburt ihres Kindes ein gleichberechtigtes Sorgerecht bekommen? Ich erkläre es euch gerne!

Laut Zahlen des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. betrifft die Reform lediglich einen kleinen Teil aller Männer. Genau gesagt geht es um 8,6 Prozent der Väter, die nicht mit ihrer Partnerin verheiratet sind und die kein Sorgerecht erhalten haben. Dazu gehören natürlich diejenigen Väter, die kein Interesse an ihrem Kind haben und die Väter, die gar nichts von ihrem Glück wissen. Und dann gibt es da noch den Teil, der sich offenbar mit seiner Partnerin in einer konfliktbeladenden Beziehung befindet und deswegen kein Sorgerecht von ihr zugesprochen bekommt.

Warum ich diesen Vätern kein selbstverständliches Sorgerecht gönne?

Das habe ich für euch aufgeschlüsselt: Am besten wird es wohl mit einem drastischen Beispiel deutlich. Gewalt gegen Frauen ist leider auch in Deutschland ein Problem. Eine konsequente Umsetzung der Reform würde bedeuten, dass auch ein Vergewaltiger ein Recht auf regelmäßigen Kontakt mit seinem Kind hätte. Denn in Deutschland steht noch immer das Umgangsrecht über dem Gewaltschutz. Würde der Gewaltschutz über dem Umgangsrecht stehen, fände ich diesen Reformversuch auch weniger problematisch.

Nach aktuellem deutschen Recht kann selbst ein verurteilter Gewalttäter aus dem Gefängnis heraus Umgang mit seinen Kindern fordern. Wäre er jetzt auch noch automatisch ab der Geburt sorgeberechtigt, wären der Mutter noch mehr die Hände gebunden, um ihre Kinder und auch sich selber vor ihm zu schützen. Zwar kann eine Feststellung einer Kindeswohlgefährdung den Kontakt unterbinden, diese gestaltet sich in der Realität aber schwierig und kann vor Gericht verneint werden.

Mit dem Reformvorschlag wäre eine Einigung zwingend

Also selbst mit einem psychisch kranken, drogenabhängigen oder gewalttätigen Vater wäre die Mutter in der Pflicht, aktiv eine Einigung bezüglich der Kinder zu erreichen. Wenn das nicht klappt, würde sie ein Verfahren einleiten müssen, um das alleinige Sorgerecht zu erhalten. Kein schönes Verfahren also, in dem die Mutter komplett in der Bringpflicht ist und sich vor dem Kindsvater vor Gericht behaupten muss, um ihre Kinder vor ihm zu schützen.

Dabei ist es für den Vater nach geltendem Recht sehr wohl schon möglich, Sorgerecht zu erhalten, auch, wenn die Mutter das ablehnt. In einem solchen Fall muss er vor dem Gericht vortragen, warum aus seiner Sicht ein gemeinsames Sorgerecht mit der Mutter, trotz ihrer ablehnenden Haltung, dem Kindeswohl zuträglich ist. Dabei handelt es sich also um ein positiveres Verfahren, dass sich auch auf das Kindeswohl weniger negativ auswirken sollte.

Deswegen bin ich gegen das automatische Sorgerecht für nicht-eheliche Väter

Aus diesen Gründen kann ich die Welle der Ablehnung, die der Justizministerin Lambrecht entgegengeschlagen ist, nicht nachvollziehen – und befürworte ihre Meinung. Natürlich ist es schön, wenn Männer für ihre Kinder da sein wollen und auch vom Gesetzgeber gleichberechtigt für diese verantwortlich sind. Aber die geplante Reform würde meiner Meinung nach nur wenige positive Effekte erzielen. Demgegenüber stehen die möglichen verheerenden Folgen für das Wohl von Mutter und Kind.“

Diesen Text hat uns unsere Echte Mama Sophia geschickt. Vielen Dank, dass du deine Meinung mit uns geteilt hast, liebe Sophia!

Was denkt ihr denn über diese Gesetztesfrage?

Lena Krause

Als Wahlhamburgerin könnte ich mir keine schönere Stadt vorstellen, um dort zu leben. Gemeinsam mit meinem kleinen Hund Lasse bin ich gerne im Grünen unterwegs und erkunde die vielen, tollen Ecken Hamburgs. Das Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht und deswegen war für mich schnell klar, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen möchte.

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Kommentare

  1. Wie witzig, wie haben heute unseren termin beim Jugendamt das ich demVater meines jetzt schon 8 Mpnatigen Kindes das Sogerecht ausprechen kann.

    Ich sehe es aber genau wie Sophia, genau wegen dieser Konfliktreichen Beziehungen zwischen manchen Paaren wäre das gemeinsame Sorgerecht mit viel stress für die Mutter verbunden, auch weil viele Behörden die Unterschrift von den Sorgeberechtigten verlangen. Die unterschrift von demVater dann noch einzuholen ist meist ein größerer Aufwand als der Behördengang eh schon ist.
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