„Meine Mama hat mich gerettet, als ich sterben wollte.”

TRIGGERWARNUNG
Dieser Text thematisiert Suizidgedanken. Er behandelt also Inhalte, die einige Menschen beunruhigend oder verstörend finden könnten.


„Ich habe hier den Text einer Mutter gelesen, deren Kind Selbstmordgedanken hatte. Beim Lesen habe ich meine eigenen Gedanken als Kind wiedererkannt. Deswegen möchte ich euch meine Geschichte erzählen.

Bei mir hat es damals mir 14 angefangen. Seit der 5. Klasse wurde ich immer wieder von meinen angeblich ‚besten Freunden‘ gemobbt. Sie haben mich oft bewusst ausgeschlossen und ich stand alleine da. Irgendwann ging es mir deswegen von Tag zu Tag schlechter. Ich habe immer wieder geweint. Auf dem Schulweg, auf dem Nachhauseweg. Abends in meinem Zimmer oder wenn ich alleine war, weil meine Eltern einkaufen waren.

Schließlich wurden auch meine Noten immer schlechter.

Meine Eltern dachten zuerst, dass es an der Pubertät liegt und ließen mich in Ruhe. Ich hätte mit meinen Eltern reden können und wünsche mir noch heute, dass ich das getan hätte, aber ich hatte keine Kraft mehr. Ich selbst konnte meine Gefühle nicht erklären und habe nur gemerkt, dass ich mir immer wieder wünschte, dass ich nicht mehr leben würde.

Irgendwann fing ich an mich selbst zu verletzen. Auch das konnte ich noch lange verstecken, da ich lange Oberteile getragen habe. Bis eines Tages meine Mama ins Bad kam und durch Zufall meine Arme sah. Sie war geschockt.

Meine Mutter suchte sofort das Gespräch mit mir.

Plötzlich wurde ihr klar, was eigentlich wirklich mit mir los war. Am nächsten Tag rief sie bei meinem Kinderarzt an und er empfahl ihr einen Kinderpsychologen. Zu dem Zeitpunkt war es schon so schlimm, dass ich immer wieder aggressiv wurde, weil ich einfach nicht wusste, wohin mit meinen Gefühlen. Ich war eine Gefahr für mich selbst und für meine Mitmenschen.

Doch auch, wenn ich diese aggressiven Ausbrüche nicht verhindern konnte, war mir meine Lage bewusst. Ich war deswegen so erleichtert, dass meine Mutter endlich wusste, dass es mir schlecht geht. Ich war froh, dass sie an dem Tag ins Badezimmer gekommen ist und mir Hilfe holte.

Nach einigen Monaten in Behandlung ging es mir besser.

Endlich hatte ich wieder Spaß an den kleinen Dingen des Lebens. Trotzdem blieb ich noch in Therapie, bis ich 21 Jahre alt war. Heute würde ich meinem 14-jährigen Ich gerne sagen: ‚REDE MIT DEINER MUTTER! Sie kann dir helfen.‘ Seit damals glaube ich wirklich, dass Mütter einen Instinkt haben. Nicht ohne Grund kam meine Mama genau in dem kurzen Moment ins Badezimmer, als man meine Arme sehen konnte.

Mittlerweile bin ich 25 Jahre alt und selbst Mutter einer fünfjährigen Tochter. Meine Tochter ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Mit ihrem Vater bin ich seit sechs Jahren zusammen. Wir beide sind jung Eltern geworden und waren noch in der Ausbildung, aber wir haben das zusammen geschafft.

Eine meiner größten Ängste ist, dass meine Tochter irgendwann etwas Ähnliches fühlt wie ich damals.

Neulich hatten wir deswegen schon ein vorsichtiges Gespräch darüber. Ich hoffe einfach, dass meine Tochter sich mir anvertraut, falls es irgendwann der Fall sein sollte.”


Vielen Dank, liebe Mama (echter Name ist der Redaktion bekannt), dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, spannend oder ermutigend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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