„Meine Ehe macht mich kaputt, aber ich habe Angst, mich zu trennen“

Andrea* wird von ihrem Mann oft angeschrien, kontrolliert und klein gemacht. Obwohl sie es eigentlich nicht mehr aushält, fehlt ihr der Mut, sich zu trennen. Jetzt hofft sie auf Tipps – was würdest du ihr raten?

„Ich bin Mitte 30 und habe drei Kinder im Alter von 5 ½, 4 und 2 Jahren. Und ich stecke in einer Beziehung, die mich seit Jahren kaputt macht. Mein Mann schreit mich oft an, kontrolliert vieles und dreht Gespräche so, dass ich am Ende denke, ich wäre schuld. Ich versuche immer, ruhig zu bleiben – auch wegen der Kinder – aber innerlich zerreißt es mich.

Ich habe meinen Mann vor 17 Jahren kennengelernt.

Zu diesem Zeitpunkt war ich 17 Jahre alt, er war 16. Inzwischen sind wir seit 7,5 Jahren verheiratet.

Am Anfang war er nicht so wie jetzt, zumindest nicht so deutlich. Es gab schon damals kontrollierende Tendenzen und starke Eifersucht. Aber vieles habe ich entweder übersehen, klein geredet oder als ‚normal‘ in stressigen Phasen betrachtet.

Wirklich schlimmer wurde es in den letzten Jahren, vor allem im Familienalltag.

Er ist eifersüchtig auf meinen Vater, weil die Kinder gern Zeit mit Opa verbringen.

Wenn ich versuche, darüber zu reden, heißt es, ich würde ihn nicht ernst nehmen oder gegen ihn arbeiten. Dabei wünsche ich mir einfach nur Frieden und Stabilität für uns alle. Wenn ich ihm sage, dass sein Verhalten mich verletzt, reagiert er oft mit Abwehr, macht sich lustig, verdreht Dinge oder beschuldigt mich, empfindlich, respektlos oder unfair zu sein.

Manchmal tut er auch so, als würde er es verstehen – aber oft bleibt es nur bei Worten, ohne wirkliche Veränderung.

Manchmal frage ich mich, ob ich übertreibe – aber dann kommt wieder so ein Morgen, an dem ich nur angeschrien werde. Ich merke, wie sehr ich nur noch auf Eierschalen laufe.

Ich habe mir Unterstützung bei einer Familienberatungsstelle geholt.

Dort wurde mir geraten, gut auf meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse zu achten und mir Zeit zu nehmen, um für mich klarer zu werden, was ich eigentlich will und was mir guttut. Außerdem wurde mir gesagt, dass ich mir Unterstützung holen darf, und nicht alles allein tragen muss.

Mein Mann war grundsätzlich auch zu einer Eheberatung bereit. Allerdings bin ich nicht sicher, ob dieser Schritt von ihm aus echter Einsicht kommt, oder ob es ihm eher darum geht, zu zeigen, dass er ‚ja etwas macht‘.

Den ersten Termin dort habe ich deshalb auch allein, weil es mir wichtig ist, dass ich meine Gedanken und Gefühle in Ruhe sortieren kann, bevor wir ggf. zusammen hingehen. Ob und in welcher Form wir dann wirklich gemeinsam weitermachen, weiß ich im Moment noch nicht. Denn bisher habe ich nicht das Gefühl, dass er wirklich versteht, worum es geht. Er sieht die Probleme oft nur in Haushalt, Stress, Organisation – aber nicht in seinem Ton, seiner Kontrolle, seinem Verhalten mir gegenüber.

Ich habe immer noch das Gefühl, um ihn herumschleichen zu müssen. Es gibt Momente, die ruhig und fast ‚normal‘ sind. Aber dann kommt es wieder zu Situationen, in denen er mich anschreit oder mir die Schuld für etwas zuschiebt. Und das hinterlässt Spuren.

Ich merke auch, dass die Kinder sehr sensibel auf die Stimmung reagieren.

Meine Älteste musste ich sogar einmal aus dem Kindergarten abholen, weil sie nicht aufgehört hat, zu weinen, und niemand wusste, woran es liegt.

Ich versuche, meine Kinder so gut wie möglich zu schützen, aber natürlich bekommen sie trotzdem einiges mit.

Das belastet mich sehr, weil ich mir so sehr wünsche, dass sie einfach unbeschwert Kinder sein können.

Ich habe definitiv schon über eine Trennung nachgedacht.

Allerdings schwanke ich sehr zwischen viel Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte, und dem Gefühl, dass ich mich eventuell doch irgendwann trennen muss. Vielleicht ist eine Trennung das Einzige, was mir hilft, innerlich wieder zur Ruhe zu kommen.

Mein Mann weiß, dass eine Trennung im Raum steht. Auch wenn ich es nicht ständig ausspreche. Ob er sich wirklich ändern kann, weiß ich aber ehrlich gesagt nicht mehr. Ich wünsche es mir – aber ich zweifle stark daran, ob er bereit ist, wirklich hinzusehen.

Meine größte Angst ist, dass ich so weiterlebe, mich immer mehr verliere und meine Kinder weiter in dieser Atmosphäre aufwachsen.

Gleichzeitig habe ich Angst vor dem Schritt ins Ungewisse.

Was mich momentan zurückhält, sind die Kinder, aber auch finanzielle Ängste, praktische Fragen und die große Angst vor dem Chaos, das auf eine Trennung folgen würde.

Ich weiß nicht, ob ich das alles allein überhaupt schaffe.

Für die Zukunft wünsche ich mir Ruhe, Respekt, Sicherheit.

Ich wünsche mir einfach, dass meine Kinder und ich wieder ruhig leben können. Und dass sie erleben dürfen, was ein liebevolles, gesundes Miteinander bedeutet.

Ob das noch in dieser Beziehung möglich ist, weiß ich nicht.

Wenn ich von außen auf das Geschehen blicken würde, würde ich mir sagen: Du bildest dir das nicht ein!

Wenn du innerlich ständig angespannt bist, dich klein fühlst, dich selbst nicht mehr erkennst – dann ist das ein Zeichen.

Hilfe zu suchen ist kein Versagen, sondern Stärke.

Hat jemand von euch Ähnliches erlebt oder war in einer ähnlichen Situation?

Wie habt ihr den Mut gefunden, euch Hilfe zu holen oder Schritte zu gehen? Ich würde mich wirklich sehr über eure Erfahrungen und Tipps freuen.“.


Liebe Andrea (*richtiger Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du deine Geschichte so offen und ehrlich teilst. Wir wünschen dir viel Kraft und alles Gute!

Was würdest du Andrea raten? Schreib deine Tipps, Erfahrungen oder Botschaft

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Nach meinem Bachelor in Medienkultur, einem Volontariat und einigen Jahren Erfahrung als (SEO-)Texterin bin ich passenderweise nach meiner zweiten Elternzeit bei Echte Mamas gelandet. Hier kann ich als SEO-Redakteurin meine Leidenschaft für Texte ausleben, und auch mein Herzensthema Social Media kommt nicht zu kurz. Dabei habe ich mich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Ernährung von der Schwangerschaft über die Stillzeit bis hin zum Babybrei beschäftigt. Und wenn ihr auf der Suche nach einem Vornamen für euer Baby seid, kann ich euch garantiert passende Vorschläge liefern. Außerdem nutze ich die Bastel-Erfahrungen mit meinen beiden Kindern für einfache DIY-Anleitungen. Wenn der ganz normale Alltags-Wahnsinn als 2-fach Mama mich gerade mal nicht im Griff hat, fotografiere ich gern, gehe meiner Leidenschaft für Konzerte nach oder bin im Volksparkstadion zu finden.

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