„Mein Mann hat mich verlassen, und der Grund heißt Lisa“

Wenn eine Beziehung zerbricht, weil der Mann sich trennt, hat der Grund dafür nicht selten einen Namen. Im Fall von Anna aus unserer Community hieß der Grund Lisa und war rund 20 Jahre jünger als sie. Für die zweifache Mutter ein riesiger Schock. Nie im Leben hätte sie gedacht, dass ihr Ben „zu dieser Sorte Mann“ gehört. Die ganze Geschichte hat Anna uns erzählt.

Nach 13 gemeinsamen Jahren kam aus dem Nichts der Schock

Anna ist 42 Jahre alt und war 13 Jahre mit ihrem Mann Ben zusammen. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder, Finn ist heute 7 Jahre alt, seine kleine Schwester Lotta ist 5. Den Abend, an dem Ben Anna eröffnet hat, dass es vorbei ist, wird die zweifache Mama nie vergessen. Besonders der Grund für die plötzliche Trennung hat Anna sehr getroffen. Denn ihr Mann hatte sich neu verliebt – in eine deutlich jüngere Frau. Wie Anna davon erfahren und was sie durchgemacht hat, könnt ihr hier nachlesen:

„Es war der 18. August 2018, eigentlich ein ganz normaler Abend – dachte ich zumindest. Nachdem die Kinder endlich im Bett waren, ging ich zu meinem Mann ins Wohnzimmer. Ben saß nicht wie sonst auf der Couch, sondern stand am Fenster und starrte nach draußen. Als er sich zu mir umdrehte, und ich seinen Gesichtsausdruck sah, rutschte mir das Herz in die Hose. Sofort hatte ich verschiedene Horrorszenarien im Kopf.

Auf das, was dann eintreffen sollte, war ich allerdings in keinster Weise vorbereitet.

‚Was ist los?‘, fragte ich besorgt, aber Ben schaute mich nur an. Irgendwann sagte er dann die fünf Worte, die alles ändern sollten. ‚Es geht einfach nicht mehr.‘ Ich wusste erst gar nicht, was er meint. Er stammelte irgendwas von ‚auseinandergelebt‘, ‚schon lange nicht mehr glücklich‘ und ‚Ich will das nicht mehr‘. Als ich begriff, dass mein Mann gerade dabei war, unsere Beziehung zu beenden, war ich wie erstarrt. Wie konnte das sein? Vor ein paar Minuten war doch noch alles wie immer gewesen. Und jetzt, während unsere Kinder nebenan friedlich schliefen, sollte ein paar Meter weiter unsere Familie zerbrechen? Das durfte nicht sein!

Nach dem ersten Schock versuchte ich, mit Ben zu sprechen. Ihm klarzumachen, dass er doch unmöglich alles aufgeben könne, was wir uns in 13 Jahren zusammen aufgebaut hatten. Ich appellierte an sein Gewissen, sagte ihm, er solle an die Kinder denken. Schließlich flehte ich ihn an, uns doch bitte noch eine Chance zu geben. Wir könnten schließlich über alles reden. Aber er blieb hart.

Plötzlich schoss mir dieser Gedanke durch den Kopf – aber konnte das wirklich sein?

‚Wie heißt sie?‘, fragte ich Ben auf gut Glück.

Als ich seinen ertappten Gesichtsausdruck sah, wusste ich, dass ich Recht hatte – und deshalb auch nicht den Hauch einer Chance. Mein Mann würde mich tatsächlich für eine andere verlassen. Mir wurde übel. In meinem Kopf überschlugen sich gefühlte 1.000 Fragen. Wie lange lief das schon mit den beiden? Woher kannte er sie? Wie alt war sie? Und wie zur Hölle konnte er unsere Familie für sie aufgeben?

Die Antworten bekam ich kurze Zeit später- und im Nachhinein hätte ich sie mir lieber erspart. Ben hatte Lisa bei der Arbeit kennengelernt. Als sie vor einigen Wochen (!) neu bei ihm in der Firma anfing, hat es zwischen den beiden relativ schnell gefunkt. Und laut Aussage meines Mannes ist ihm dadurch erst richtig bewusst geworden, was ihm in unserer Ehe eigentlich fehlt. Na, vielen Dank auch! Aber das Beste:

Lisa war gerade mal Anfang 20 und damit knappe 20 Jahre jünger als ich.

Abgesehen davon, dass ich mich auf einmal so verdammt alt fühlte, machte es mich auch unglaublich wütend. Denn im Umkehrschluss bedeutete das: Mein Man hat mich verlassen und unsere Familie gesprengt – für eine Frau, die seine Tochter sein könnte. Klischeehafter ging es doch nun wirklich nicht mehr, oder?

Ich weiß nicht, wie ich die folgende Nacht überstanden habe. Während Ben auf dem Sofa schlief, wälzte ich mich im Bett hin und her und heulte hemmungslos in mein Kissen. Am nächsten Tag meldete ich mich bei der Arbeit krank, brachte die Kinder in die Kita – und heulte weiter. Das alles durfte einfach nicht wahr sein. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich es schaffen sollte. War ich mit meinen 40 Jahren jetzt tatsächlich plötzlich Single und alleinerziehend? Ich funktionierte, weil ich es musste – für unsere Kinder. Finn war zu diesem Zeitpunkt gerade 5 Jahre alt, seine Schwester Lotta erst 3.

Sie waren auch der Grund dafür, dass Ben zunächst bei uns wohnen blieb. Bis es einfach nicht mehr ging. Ich hielt es nicht mehr aus. Dieses gespielte Glück, diese erzwungene Nähe, obwohl ich ihn wirklich dafür hasste, was er getan hatte. Und letztendlich auch die scheinheilige Fassade vor den Kindern und allen anderen, während er doch eigentlich nur darauf wartete, endlich zu seiner Freundin zu fahren, wenn die Kinder im Bett waren

Nach all der Zeit war mein (jetzt plötzlich Ex-)Mann also ‚endlich wieder glücklich‘

Wie er mir natürlich mehrfach unter die Nase reiben musste. Und ich? Ich war am Boden zerstört. Das Schlimmste daran war, dass ich ihn noch nicht einmal komplett aus meinem Leben streichen konnte. Schließlich haben wir zwei wundervolle Kinder, die ihren Papa lieben, auf jedes Treffen mit ihm hinfiebern und es genießen, Zeit mit ihm zu verbringen. Damit das hier nicht falsch rüberkommt: Ich freue mich wirklich, dass die Drei so ein gutes Verhältnis zueinander haben. Ich freue mich für meine Kinder.

Es war schwer genug, ihnen zu erklären, dass Papa plötzlich nicht mehr hier wohnt. Die Gründe dafür verstehen sie noch nicht richtig, und das müssen sie auch nicht. Sie wissen nur, dass Mama und Papa nicht mehr zusammenwohnen können, weil sie sich nicht mehr genug liebhaben. Und dass das Ganze rein gar nichts mit ihnen zu tun hat. Natürlich waren sie trotzdem traurig. Ich weiß nicht, wie oft der Große abends im Bett geweint hat, weil er Papa so vermisst. Wie oft seine kleine Schwester mich gefragt hat, wann Papa endlich wiederkommt, und warum er überhaupt so lange weg ist.

Inzwischen haben sie sich zum Glück an die neue Situation gewöhnt. Sie dürfen mit Papa telefonieren, wann immer sie wollen. Und er holt sie regelmäßig jeden Mittwoch ab und jedes zweite Wochenende. In dieser Hinsicht kann man Ben wirklich nichts vorwerfen, er ist ein toller Papa.

Er will ‚immer für die Kinder da sein‘.

Und obwohl ich natürlich weiß, dass das für unsere Beiden das Beste ist, kann ich den Gedanken nicht verdrängen, was das für mich bedeutet. Dass ich ihn nämlich auch „immer“ in meinem Leben habe werde – ob ich es nun will oder nicht. Dass mir ständig unter die Nase gerieben wird, wie glücklich er mit seiner neuen, jungen Freundin ist, für die er unsere Beziehung nach so langer Zeit beendet hat. Jedes Mal werde ich daran erinnert, dass es nie mehr so sein wird, wie es mal war. Dass unsere Familie so nicht mehr existiert. Und dass er stattdessen jetzt mit Lisa und unseren Kindern die Wochenenden verbringt.

Im Laufe der Jahre haben sich viele unserer Freunde getrennt.

Als meine beste Freundin von ihrem Mann verlassen wurde – natürlich für eine Jüngere – habe ich ihr beigestanden. Wir haben den „Mistkerl“ zusammen verflucht und uns gefragt, wie man sich so in jemandem täuschen kann. Ich habe sie darin bestärkt, dass er ein Vollidiot ist, der es nicht verdient hat, dass sie ihm hinterhertrauert. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass es mir einmal genauso gehen würde. Und jetzt? Jetzt war ich die mit dem „Mistkerl“. Und das Nicht-Hinterhertrauern war eine schöne Theorie – mehr aber leider auch nicht.

Natürlich waren Ben und ich nicht immer glücklich. Ich würde lügen, wenn ich etwas Anderes behaupten würde. Natürlich gab es auch Streit, mal mehr, mal weniger. Aber ich habe mir immer gesagt, dass das völlig normal nach der langen Zeit. Dass man in 13 Jahren nun einmal Krisen hat, die man zusammen überwindet. Dass der Alltag nach all dieser Zeit eben nicht mehr nur aus rosa Wölckchen und purer Leidenschaft besteht. Und dass man sich spätestens dann für ein gemeinsames Leben entscheidet, wenn man zusammen eine Familie gründet. Scheinbar habe ich mich da mehr als gründlich getäuscht.

Knapp 2 Jahre ist unsere Trennung jetzt her.

Ich habe wirklich lange gebraucht, um einigermaßen damit klarzukommen. Wie lange genau, kann ich nicht sagen. Tatsächlich ist es manchmal heute noch so, dass ich wütend werde, wenn ich darüber nachdenke. Weil ich einfach nie gedacht hätte, dass Ben zu dem Typ Mann gehört, den ich schon immer verachtet habe. Nie im Leben hätte ich mir vorstellen können, dass mein Mann mich wirklich für eine knapp 20-Jährige sitzenlässt. Das nehme ich ihm wirklich sehr übel, immer noch.

Ich weiß, dass ich es abhaken sollte, aber ich kann es nicht. Grund dafür ist auch eine Neuigkeit, die mich wieder völlig aus der Bahn geworfen hat. Denn obwohl Ben mir immer gesagt hat, dass er auf keinen Fall ein drittes Kind möchte, wird er jetzt noch einmal Papa. Während ich mich also schweren Herzens von meinem Kinderwunsch verabschiedet habe, darf er all das noch einmal erleben. Den ersten Ultraschall, die Herztöne auf dem CTG, das Babystrampeln im Bauch seiner Freundin, die Geburt, die erste Zeit mit dem kleinen Würmchen. Wenn ich darüber nachdenke, kommt der Hass in mir hoch. Und eine unglaubliche Wut – auch jetzt noch.

Von diesen Wut-Phasen abgesehen hat sich unser Verhältnis etwas entspannt

Beste Freunde werden wir in diesem Leben wohl trotzdem nicht mehr. Das müssen wir aber auch nicht. Ben ist glücklich mit Lisa und dem Bald-Baby, und die Kinder mögen sie inzwischen auch sehr. Was mir am Anfang einen Stich versetzt hat, lässt mich jetzt aber kalt. Stattdessen freue ich mich für meine Zwei, dass sie die Zeit bei Papa richtig genießen können.

Vielleicht hat einer der Gründe für meine neue Entspanntheit auch darin, dass ich vor kurzem Felix kennengelernt habe. Ich hätte nie gedacht, dass ich nach dieser Geschichte noch mal einem Mann vertrauen könnte. Bei Felix könnte ich es mir tatsächlich vorstellen. Er ist ein komplett anderer Typ als Ben. Eher ruhig, trotzdem sehr offen und warmherzig. Wir lassen alles sehr langsam angehen und schauen, wie es sich entwickelt. Aber zumindest habe ich zum ersten Mal seit der Geschichte mit Ben wieder ein gutes Gefühl. Und nur, falls es euch interessiert: Nein, Felix ist nicht 20 Jahre jünger als ich, sondern 2 Jahr älter.

Ich weiß, dass es vielen Frauen genauso geht wie mir.

Deshalb möchte ich euch an dieser Stelle sagen: Ihr seid nicht allein. Ich weiß, wie schlecht man sich fühlt. Wie gedemütigt und wie im falschen Film. Aber auch, wenn es sich in dem Moment nicht so anfühlt – es wird besser, glaubt mir. Ich habe lange gebraucht, um das einzusehen, aber im Endeffekt ist es doch besser so, wie es ist. Oder würdet ihr wirklich für den Rest eures Lebens mit einem Mann zusammen sein wollen, der sich insgeheim schon lange von euch getrennt hat? Der ernsthaft darüber nachgedacht hat, euch für eine Jüngere zu verlassen, um sein Ego aufzupolieren? Ich für mich kann dazu ganz klar sagen ‚Nein!‘.

Wie heißt es so schön: Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Wieder ein Klischee, ich weiß. Aber an diesem ist wirklich ganz viel Wahres dran!“

Vielen Dank, liebe Anna, für deine echte und ehrliche Geschichte.

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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