„Mein Mann bereut zutiefst, dass er Vater geworden ist.“

„Hallo, mir macht es immer Mut, die Geschichten von anderen Mamas zu lesen, denen es ähnlich geht. Deswegen möchte ich heute auch meine eigene erzählen…

Ich bin 31 Jahre alt und Mama eines wunderschönen Jungen, den ich im Mai 2020 zur Welt gebracht habe. Ich glaube an Schicksal und dieser Glaube begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Er hilft mir, mit den Rückschlägen klarzukommen, die ich erfahren habe.

Aber jetzt zu meiner Geschichte.

Ich bin Scheidungskind: Mein Vater hat meine Mutter mit ihrer besten Freundin betrogen und uns für diese Frau und ihre Kinder verlassen, seitdem habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm. Kurz darauf wurde meine Mama schwer krank, zum Glück half uns eine andere, langjährige Freundin meiner Mutter. Als Dankeschön lud meine Mama sie und ihre Familie irgendwann zum Essen ein. Ich war damals 17 und lernte dabei ihren Sohn kennen, meinen späteren Mann – Schicksal!

Wir verliebten uns schnell, es war die erste große Liebe. Nach meiner Ausbildung zogen wir zusammen, heirateten nach einiger Zeit und bauten sogar ein paar Jahre später ein Haus. Es war also alles perfekt. Mir war schon immer klar, dass ich mal Mama werden möchte, aber mein Mann tat sich mit der Vorstellung schwer, deswegen ließ ich ihm seine Zeit und bedrängte ihn nicht.

Aber irgendwann konnte auch er sich vorstellen, dass wir Eltern werden.

Im Sommer 2019 beschlossen wir, es einfach zu versuchen. Freunde hatten uns vorher noch gewarnt, dass wir uns auf eine längere Wartezeit einstellen sollten bis es klappt, aber ich wurde schon beim ersten Versuch schwanger. Wir würden ein Mai-Baby bekommen, schon immer hatte ich mir diesen Monat als Geburtsmonat gewünscht – Schicksal!

Die Schwangerschaft verlief vollkommen komplikationslos und ich hätte nicht glücklicher sein können. Doch als ich im fünften Monat war, erkrankte meine Mama wieder schwer. Als es ihr dann wieder besser ging und ich endlich meinen restlichen Urlaub und den Mutterschutz genießen wollte, kam Corona dazwischen. Mein Mann und ich sagten den geplanten Babymoon also ab und ich musste mich damit abfinden, dass mein Geburtsvorbereitungskurs nur online stattfand.

Egal! Wir machten das Beste daraus.

Mein Mann hatte sich schon immer einen Hund gewünscht und kümmerte sich deswegen um Kontakt zu einem Züchter. Der Hund sollte unser Familienglück krönen. Ich war zunächst skeptisch: Ein Hund und ein Baby? Doch er beruhigte mich, dass wir das gemeinsam schon schaffen würden. Also stimmte ich zu, dass wir im August einen Welpen bei uns aufnehmen.

Dann kam die Geburt unseres Sohnes und sie war trotz der Corona-Beschränkungen wunderschön! Wir waren im siebten Himmel. Zunächst… Denn nach und nach bemerkte ich, dass sich bei meinem Mann immer mehr negative Gefühle gegenüber seinem Sohn einstellten. Ihm setzten die anstrengenden Nächte zu und irgendwann sagte er zum ersten Mal:

‚Ich bereue es, dass wir ein Kind bekommen habe, auch wenn ich es liebe!‘

Für mich war das wie ein Schlag ins Gesicht, aber ich hoffte, dass er das nur gesagt hatte, weil er so übermüdet war. Doch er wiederholte es immer wieder. Irgendwann ging er soweit, mir zu drohen, dass er mich verlassen würde, wenn ich noch mal schwanger werde und das Kind behalten will. Dann kam im August auch noch der Hundewelpe dazu.

Zunächst hatte ich deswegen große Hoffnungen: Vielleicht würde diese Aufgabe meinem Mann helfen? Wir vereinbarten, dass er sich um den Welpen und ich mich ums Baby kümmern sollte. Aber auch das überforderte meinen Mann: Genau wie unseren Sohn konnte er auch den Hund einfach nicht in sein Leben integrieren. Irgendwann schob er den Welpen an seine Eltern ab, nur zum Training in der Hundeschule holte er ihn noch.

Mein Mann entfernte sich immer weiter von mir, von uns.

Mein Sohn und ich waren andauernd alleine, ich hatte tief im Innern das Gefühl, dass mein Mann vor uns flüchtete. Ich spürte, das etwas nicht stimmte, aber ich wollte es nicht richtig wahrhaben. Bis ich am zweiten Weihnachtsfeiertag herausfinden musste, dass mein Mann eine andere Frau kennengelernt hat.

Es gab mehrere heimliche Treffen, die beiden hatten sich auch schon geküsst. Die andere sieht mir ziemlich ähnlich, ist verheiratet und hat bereits zwei Kinder mit ihrem Mann, den sie wohl schon einmal betrogen hat. Kennengelernt hat mein Mann sie ausgerechnet in der Hundeschule – Schicksal?

Mein Mann sagt, dass er sehr unglücklich in unserer Beziehung und deswegen offen für eine Andere war.

Seiner Meinung nach lebe ich nur noch für unseren Sohn und nicht mehr für ihn. Ich hätte ihn vernachlässigt und alleine gelassen und ihm würden essenzielle Dinge in unserer Partnerschaft fehlen. Ich wollte unsere Ehe unbedingt retten und machte ihm verschiedene Vorschläge: Offene Ehe, Paartherapie oder ein Babysitter für mehr Zweisamkeit, das alles konnte ihn nicht mehr umstimmen.

Egal, was ich vorgeschlagen habe und egal, wie sehr ich mich angestrengt habe, es half nichts mehr. Er wollte einfach nicht mehr mit mir zusammensein und trennte sich an Neujahr. Ich glaube, er steckt in einer handfesten Sinnkrise oder Midlife-Crisis. Neulich habe ich einen TV-Beitrag über Postnatale Depressionen bei Männern gesehen. Vielleicht ist er auch davon betroffen? Ich wünsche ihm jedenfalls, dass er seinen Frieden findet und wieder glücklich wird.

Mittlerweile denke ich auch, dass eine Trennung für uns das Beste ist.

Mein Sohn und ich ziehen aus und werden ein neues Leben ohne ihn beginnen. Ich hatte mir eigentlich gewünscht, dass mein Kind anders aufwächst als ich – nicht als Scheidungskind. Jetzt ist es doch genauso gekommen und wer weiß, wofür es gut ist.

Ich bin jetzt alleinerziehend mit einem acht Monate alten Baby… So ist das wohl manchmal mit dem Schicksal.“


Liebe Mama (echter Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast! Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe.

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, berührend, spannend oder mutmachend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de.

Lena Krause

Als Wahlhamburgerin könnte ich mir keine schönere Stadt vorstellen, um dort zu leben. Gemeinsam mit meinem kleinen Hund Lasse bin ich gerne im Grünen unterwegs und erkunde die vielen tollen Ecken Hamburgs. Das Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht und deswegen war für mich schnell klar, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen möchte.

Alle Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.