„Mein Kind würde so etwas nie tun!“ Ach – wirklich nicht!?

Ich weiß gar nicht sicher, ob man sowas sagen darf. Aber auch unter Kindern, diesen süßen, kleinen Geschöpfen, gibt es welche, die mir unsympathisch sind. Die mich nerven. Es sind wenige, aber es gibt sie.

Meistens sind das solche, die immer laut sind, „frech“, hartnäckig in ihren Forderungen und dickköpfig. Ach ja, und natürlich die, die fies zu meiner Tochter sind. Die sie in der Kita ärgern oder sie auf dem Spielplatz links liegen lassen.

Zum Glück ist meine Tochter nicht so und wäre nie gemein zu anderen!

Ihr dürft an dieser Stelle herzlich lachen, denn genau das habe ich lange gedacht.

Ja, auch meine Tochter ist oft genug laut, frech und starsinnig. Das kann zwar nerven, ist doch aber auch irgendwie süß. Sie ist eben ein Kind!

Seht ihr es? Bei meiner Tochter finde ich das alles nicht so wild. Ist ja auch klar, schließlich liebe ich sie mehr als mein Leben! Und ich weiß, wie umwerfend toll sie zu 90 Prozent des Tages ist. Wie im Übrigen sicher alle Kinder, auch die, von denen ich eben immer genau die „drolligen fünf Minuten“ mitbekomme.

Eltern sind in der Regel ganz lange davon überzeugt, dass ihre Kleinen Engel sind.

Und das ist auch gut so! Nur zu laut sagen sollte man dieses: „Mein Kind würde so etwas niemals tun!“ besser nicht. Denn irgendwann kommt der Tag, an dem man eines Besseren belehrt wird.

Ich kam das erste Mal ins Grübeln, als mein Freund zu der Krippen-Erzieherin meinte: „Unsere Tochter ist ja immer total mitfühlend!“ Es ging darum, dass die Kinder sich (natürlich!) ab und zu ärgern, gerne auch alle gegen einen. Erstaunt erzählte er mir abends, dass sie ihn schräg angrinste, anstatt ihm beizupflichten. Naja…

In der großen Kita dann erzählte mir meine süße Kleine selbst ab und zu, wie sie „heute alle über Fiete gelacht haben, weil er noch eine Windel trägt!“ Ich war irgendwie stellvertretend für Fiete gekränkt und sagte meiner Tochter, dass sie ja nun auch gerade mal drei Wochen windelfrei war und dass das doch völlig wurscht sei!

Und natürlich kommt sowas immer mal wieder, dass ich denke: „Oh mann, das ist aber fieser, als ich es von ihr erwartet hätte…“

Tja, und ich bin mir sicher, dass das erst der Anfang ist.

Mir graust es vor der Grundschule und vor der Pubertät erst! Ich bin mir zwar sicher (seht ihr, da ist es schon wieder!), dass meine Tochter keine echte Mobberin wird – aber auf jede Menge dumme Ideen wird sie sicher kommen. Auch, wenn ich jetzt denke; So etwas würde mein Kind nie tun!

Und ich glaube, diese Erkenntnis haben irgendwann alle Eltern.

Merkwürdige Taten unserer Kinder, die uns kurzfristig echt an ihnen zweifeln lassen, gehören irgendwie dazu, finde ich. Und heißen nicht, dass etwas bei ihnen falsch läuft oder wir sie „schlecht erzogen“ haben.

Die Werte, die wir unseren Kindern vermitteln und vorleben, bilden ihren sicheren Sockel, sind die Grundsteine ihres Lebens. Im besten Fall werden sie sich immer wieder darauf besinnen, ein Leben lang. Aber sie schützen sie nicht vor Einflüssen von außen, vor dummen Ideen und davor, sich ausprobieren zu wollen.

Außerdem sind es eben Kinder, und zwar noch ganz schön lange.

Und da nicht mal wir „Großen“ es immer schaffen, vernünftige Entscheidungen zu treffen – schaffen sie es erst recht nicht.

Auch die bravsten, unauffälligsten und wohlerzogensten Kinder machen mal großen Mist und Dinge, die wir ihnen nicht zugetraut hätten.

Gut so! Denn die Niederlagen und Konsequenzen, die dumme Ideen meist nach sich ziehen, sind die perfekte Schule fürs Leben.

Und genau deswegen sollten wir uns frei machen von diesem „Mein Kind würde so etwas nie tun!“ Und wenn wir einer Mama gegenübersitzen, die uns gerade kummervoll von einer wirklich blöden Sache, die ihr Kind gemacht, erzählt, sagen wir doch lieber: „Ich verstehe dich. Denn mein Schatz hat manchmal auch so viele Flausen im Kopf, dass ich es kaum wieder erkenne.“

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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