„Mein Kind ist ein Mobber – damit hätte ich niemals gerechnet!“

Mobbing ist ein unglaublich großes – und schreckliches – Thema. Es ist eine riesige Angst von Eltern, dass es ihr Kind treffen könnte.

Doch wie fühlen Eltern sich, deren Kinder genau auf der anderen Seite stehen?

Das hat uns Mama Katharina (echter Name ist uns bekannt) erzählt – auch, wenn es ihr nach eigenen Angaben sehr schwer gefallen ist… Wir sind ihr daher wirklich dankbar, das sie ihre Erfahrungen mit uns teilt:

„Ich hatte immer eine große Angst, seit mein Sohn aus der Kita in die Schule gekommen ist. Ich hatte eine Heidenangst davor, dass er gemobbt werden könnte. Er ist eher klein, still und zurückhaltend und kam mir wie das perfekte Opfer vor. Ich betete, dass es an seiner Schule nur ,vernünftige`Kinder geben würde, die so etwas nicht machen würden.

Denn das ,vernünftige´Kinder aus ,normalen`Familien so etwas nicht tun würden, da war ich mir ganz sicher.

Nun, nach einigen Wochen nach Start der Schule legte sich meine Angst etwas. Mein Sohn kam mir vor wie immer, er erzählte nichts Blödes und ging gerne zur Schule. Es war anscheinend alles okay. Hurra!

Bis mein Sohn vor einigen Wochen in die dritte Klasse kam, war das Thema für mich abgehakt. Dann sprach mich eines Tages eine Mutter an, nachdem wir unsere Kinder zur Schule gebracht hatten.

Sie erzählte mir, dass ihr Sohn gemobbt werden würde – in der Klasse meines Sohnes.

Er hatte schlimme Spitznamen bekommen, ihm würden Dinge geklaut werden und neuerdings wurde er auch körperlich angegangen – ihm wurden Beine gestellt, Dinge ins Haar geschmiert, im Sportunterricht bekam er regelmäßig besonders harte Würfe ab und er wurde im Spiel oft zu Boden gestoßen.

Ich war ganz schockiert, das hatte ich nicht geahnt. Schlimmer wurde es nur, als die Mama mir erzählte, dass mein Sohn ganz vorne mit dabei bei den Mobbern wäre.

Ich fiel aus allen Wolken und dachte erst noch, dass sie sich irrte. Mein stiller Sohn?

Aber nein, es war eindeutig. Damit hätte ich niemals, niemals gerechnet. Ich hätte für ihn die Hand ins Feuer gelegt.

Ich war den ganzen Tag fix und fertig. Am Nachmittag beobachtete ich argwöhnisch meinen fröhlichen ,kleinen Schatz`, der munter und unbedarft im Wohnzimmer spielte.

Irgendwann stellte ich ihn zur Rede.

Er leugnete erst alles, dann wurde er kiebig und schließlich gab er klein bei. Er sagte, dass er lieber mitmachen würde, als selber ins Kreuzfeuer der anderen zu geraten. Irgendwie war das außer aber wohl außer Kontrolle geraten, denn inzwischen würde es ihm ,manchmal richtig Spaß machen`, seinen Schulfrust bei den ,unbeliebten Honks` abzubauen – und neue Freunde hätte er in den anderen Mobbern auch gefunden!

Ich wusste nicht, ob ich weinen, schreien oder ihn schütteln sollte.

Ich war so enttäuscht und traurig. Ob er nun eher ein Mitläufer ist oder der Kopf der Bande – so hatten wir ihn ganz sicher nicht erzogen.

Am nächsten Tag sprach mein Mann mit ihm. Er kann einfach sachlicher sein. Er erklärte unserem Sohn noch einmal, was es für die Gemobbten bedeutete, wenn so mit ihnen umgegangen wird. Mein Sohn zeigte sich einsichtig, aber er sagte auch, er wisse nicht, wie er aufhören solle, ohne selber angegangen zu werden.

Nächste Woche haben wir einen Termin mit der Lehrerin und dem Schulleiter.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ich bin nämlich gerade gelinde gesagt überfragt, was ich tun soll.

Aber ich schäme mich. Dafür, dass ich immer gedacht habe, dass nur Kinder aus ,schwierigen Verhältnissen` zu Mobbern werden – und gerade ehrlich gesagt auch für meinen Sohn, den ich natürlich trotz allem über alles liebe. Aber dieses Verhalten kann ich nicht dulden. Und das werde ich auch nicht.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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