„Mein Kind ist ein Außenseiter, das bricht mir das Herz.”

„Ich bin alleinerziehende Mama einer achtjährigen Tochter. Sie ist ein sehr ruhiges, schüchternes Mädchen. Eigentlich lief mit ihr immer alles wie am Schnürchen, doch seit einem Jahr geht sie nur noch mit Bauchschmerzen zur Schule. Aber von Anfang an…

Als sie eingeschult wurde, hat sie sich richtig auf die Schultage gefreut. Sie und ihre Kindergartenfreundin kamen in die gleiche Klasse, sodass sie gleich jemanden hatte, neben dem sie sitzen und mit dem sie in den Pausen spielen konnte. Doch leider entwickelte sich die Freundschaft plötzlich auseinander, das andere Mädchen hatte neue Freundinnen und meine Tochter durfte nicht mehr mitspielen.

Seitdem war sie in den Pausen meistens allein.

Sie hat sich nicht getraut, andere zu fragen, ob sie mitspielen darf. Bei der nächsten Möglichkeit hat sich die ehemalige Freundin dann auch noch weggesetzt. Durch die ganze Situation hat sich meine Tochter noch mehr in sich zurückgezogen und auch am Unterricht hat sie sich nicht mehr beteiligt. Für mich ist es sowieso schon schwer, nach der Schule ein paar Worte aus ihr rauszukriegen, doch in dieser Zeit ist sie noch stiller geworden.

Schließlich erzählte sie mir weinend abends im Bett, dass ihre Mitschüler sie nun auch noch ärgern würden. Neulich hatte ihr jemand eine Papierkugel an den Kopf geworfen, alle anderen hätten gelacht. Dann wurde ihr Sportbeutel versteckt. Sie traute sich nicht, dem Sportlehrer zu sagen, dass ihre Mitschüler ihn weggenommen haben und bekam von ihm auch noch eine strenge Ermahnung, weil sie ihre Sachen nicht dabei hatte.

Mir brach fast das Herz, als sie mir davon erzählte.

Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, wie geschockt ich war. In dem Moment wurde mir bewusst, dass mein kleines Mädchen, das für mich das tollste Kind der Welt ist, in der Schule eine Außenseiterin ist. Bis dahin war es mir gar nicht aufgefallen, aber wie lange war es eigentlich her, dass sie auf einem Kindergeburtstag eingeladen oder sich zum Spielen verabredet hatte? Bestimmt schon Monate.

Ich habe dann das Gespräch mit der Klassenlehrerin gesucht. Sie bestätigte mir, dass meine Tochter in der Klasse sehr ruhig und schüchtern ist. Ihr war auch schon aufgefallen, dass sie viel alleine ist und keine festen Freundschaften in der Klasse hat. Manchmal reicht das vielleicht schon aus, um von den anderen Kindern immer wieder geärgert zu werden.

Für mich ist es trotzdem unbegreiflich.

Meine Tochter wollte auf keinen Fall, dass es ein Gespräch in der Klasse deswegen gibt und auch ihre Klassenlehrerin hat davon abgeraten. Sie hat dann sehr auf mein Kind geachtet und ist zweimal eingeschritten, als wieder geärgert wurde. So richtig geholfen, hat das leider nicht. Die letzten Monate hat sie morgens entweder über Kopf- oder über Bauchschmerzen geplagt, wenn sie in die Schule musste.

Manchmal habe ich sie dann krankgemeldet, aber eine Dauerlösung ist das natürlich nicht. Sie verpasst sonst viel zu viel vom Unterricht. Also habe ich lange nachgedacht und das Gespräch mit ihrem Papa gesucht. Wir haben uns nun gemeinsam mit unserer Tochter dazu entschieden, dass sie die Schule wechselt. In ein paar Wochen erlebt sie dann also einen Neustart. Die Entscheidung dafür haben wir uns nicht leicht gemacht.

Ich habe darauf gehofft, dass meine Kleine doch noch Anschluss findet.

Dass sie nun die Schule wechselt, fühlt sich für mich so an, als wären wir als Eltern gescheitert. Andererseits möchte ich sie nicht länger leiden lassen, wenn es die Hoffnung gibt, dass sie sich woanders wohler fühlt. Bitte drückt uns alle die Daumen, dass das neue Schuljahr meiner Tochter Glück bringen wird – und vielleicht sogar eine liebe Freundin.”


Liebe Marie, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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