Mama-Frust: „Ich schmiss vor Wut mein Handy gegen die Wand“

„Eine Erzieherin in der Kita sagte mal zu mir, Eltern sollten authentisch, also echt sein. Alles andere schade den Kindern und deshalb sei es auch ok, mal die Nerven zu verlieren. Weise Worte. Wusste ich aber schon.

Nichts ist unangenehmer als Mütter, die scheinbar immer gut gelaunt um ihre Kinder tanzen und dann leise beim Kaffee erzählen, dass sie kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehen. Andererseits war auch ich der Meinung, dass zumindest einer in der Mama-Kinder-Konstellation die Nerven behalten sollte. Schlechte Laune ist erlaubt, aber bitte in Maßen.

So dachte ich, bis ich eines Tages mein zerstörtes Handy in der Hand hielt.

Heulend stand ich im Wohnzimmer und schaute fassungslos auf das Smartphone. Das Glas des Displays war in unzählige Teile gesplittert, das Telefon hielt gerade noch so zusammen. War ich tatsächlich gerade so wütend gewesen, dass ich mein Handy mit voller Wucht gegen die Wand geschmissen hatte? Ja. Das war ich. Wütend auf meine Kinder.

Das Schlimme daran – und auch deshalb liefen bei mir die Tränen – es war gar keine so dramatische Situation gewesen. Nur ein bisschen Gequengel von beiden Seiten, der eine zog der anderen an den Haaren, dreckige Stiefel im Wohnzimmer… Eigentlich mein normaler Chaos-Alltag, auf den ich nicht unbedingt immer Lust habe, den ich aber meistere. Mama-Alltag eben. Also Obst schnippeln, Streit schlichten, Dreck weg machen, Zähne zusammenbeißen.

Doch dieses Mal war es anders. Es war einmal zu viel Gequengel, einmal zu oft an den Haaren gezogen und einmal zu viel Dreck gewesen. Ich war ausgerastet. Hatte die Erzieherin das mit der Authentizität gemeint? Lieber ein kaputtes Handy als immer gute Miene zum wahnsinnig anstrengenden Alltag? Und war das jetzt wirklich so viel besser für meine beiden Zwerge, die ziemlich bedröbbelt auf ihre heulende Mutter guckten?

Na, ja. Ich weiß natürlich, es war nicht richtig, mit dem Handy zu werfen. Ich predige meinen Kindern dauernd, dass sie nicht mir Spielzeug werfen sollen, um niemanden zu verletzen. Ich weiß auch, dass es keine Reaktion eines vernünftigen erwachsenen Menschen war.

Es war eine Kurzschlussreaktion. Eine Reaktion, die auf Stress, Müdigkeit und Frust basierte. Ein hochexplosive Mischung, die mir da um die Ohren flog.

Ja, es musste wohl mal raus. Es wäre billiger gewesen, wenn ich das ausrangierte Festnetz-Telefon geworfen hätte. Es wäre vernünftiger gewesen, sich beim Sport abzureagieren als mit einem Wurfgeschoss.

Ich versuche es trotzdem positiv zu sehen. Niemand ist perfekt. Es hat meinen Kindern gezeigt, dass ich mich genau so verhalten kann wie sie. Voller ungebremster Emotionen. Dass auch Mama mal die Wut packt und sie heulen kann. Dass auch in Mamas Alltag nicht immer alles so klappt, wie sie sich das wünscht. Und dass ihre Mama nicht immer nur fröhlich sein kann.

Tatsächlich wäre alles andere eine ziemlich große Lüge gewesen. Und trotzdem wird nach dieser Erfahrung mein Handy nie mehr dran glauben müssen.“

Dieser Text stammt von unserer freien Autorin Julia Jung

Tamara Müller

Als süddeutsche Frohnatur liebe ich die Wärme, die Berge und Hamburg! Letzteres brachte mich vor fünf Jahren dazu, die Sonne im Herzen zu speichern und den Weg in Richtung kühleren Norden einzuschlagen. Ich liebe die kleinen Dinge im Leben und das Reisen. Und auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe, verbringe ich liebend gerne Zeit mit ihnen.

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