Ich bin Zweifach-Mama und möchte trotzdem Frau bleiben

Als meine Tochter zur Welt kam, bestand meine Welt lange Zeit ausschließlich aus Windeln wechseln, Stillen und Einschlafbegleitung. Und ganz ehrlich: Ich habe es genossen. Sehr sogar. Trotzdem wollte ich irgendwann wieder mehr sein als „Mama“. Ich wollte wieder mehr „Frau“ sein – und wieder mehr „Ich“. Es hat etwas gedauert, aber dann hat es ganz gut geklappt. Natürlich muss man mit Kind dafür auch Kompromisse eingehen. Aber das ist es auf jeden Fall wert.

Das Mama-Leben ist ein ziemlicher Gegensatz zu meinem Leben „davor“

Bevor ich Mama wurde, war ich relativ viel unterwegs. Dabei war ich nie der typische Partygänger, aber ich habe mich viel mit Freunden getroffen, war auf Konzerten, bei meiner Familie oder auch beim Fußball. Ich mochte mein Leben wirklich sehr. Trotzdem kam der Zeitpunkt, an dem ich mir ein Baby gewünscht habe. Mir war klar, dass es einiges verändern würde. Dass es allerdings erst einmal alles grundlegend anders werden würde, hätte ich mir damals nicht vorstellen können.

Meine Hebamme hat es einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht: „Du bist ja ständig in Bewegung. Da wird das Wochenbett eine ganz schöne Umstellung für dich sein.“ Und damit hatte sie vollkommen Recht.

Das erste Jahr gehörte fast komplett meiner Tochter

Als meine Kleine da war, habe ich sehr schnell gemerkt, dass jetzt erst einmal nichts mehr so sein wird wie vorher. Sie wollte regelmäßig fast alle 1,5 Stunden gestillt werden, ließ sich nicht ablegen, ohne zu weinen, und ist fast immer nur auf meinem (oder manchmal auch Papas) Bauch eingeschlafen. Nach einigen Wochen haben wir versucht, ihr abgepumpte Milch aus der Flasche zu geben – keine Chance.

Monatelang habe ich mich abends mit ihr hingelegt und bin entweder direkt mit eingeschlafen oder konnte nicht wieder aufstehen, weil die Kleine in meinem Bett lag – und aufwachte, sobald Mama sich bewegt hat. Mein Leben hatte sich von jetzt auf sofort komplett geändert. Und es war vollkommen okay für mich. Ich habe die Nähe zu meiner Tochter sehr genossen und hätte um nichts in der Welt wieder tauschen wollen.

Die Monate vergingen. Und irgendwann wollte ich einfach wieder mehr.

So sehr mich das Mutter-Sein in den ersten Monaten ausgefüllt hat: Irgendwann habe ich es vermisst, nicht ausschließlich „Mama“ zu sein. Ich habe mich danach gesehnt, mal wieder allein loszugehen, und wenn es auch nur kurz war. Mich mit Freundinnen treffen, zu einem Konzert gehen und vor allem auch wieder Zeit mit meinem Mann zu zweit verbringen. Ich habe mir gewünscht, wieder mehr „Frau“ zu sein und auch wieder mehr „Ich“. Und das hatte rein gar nichts mit der Beziehung zu meiner Tochter zu tun. Ich brauchte einfach wieder etwas Zeit für mich. Kleine Auszeiten, in denen ich Kraft tanken konnte. Denn schließlich ist man auch als Mama noch ein eigenständiger Mensch und gibt diese Rolle nicht automatisch bei der Geburt ab.

Da meine Tochter eine ganze Zeit lang ein echtes Mama-Kind war, gestaltete sich die Umsetzung meines Wunsches zunächst schwierig. Sie wollte ja nicht aus der Flasche trinken, und auch das Einschlafen bei Papa war nicht unbedingt angesagt. Aber irgendwann bin ich dann während ihres Mittagsschlafes zum ersten Mal in die Stadt gefahren. Allein, zum Shoppen. Und es war herrlich! Irgendwann ließ die Kleine sich abends in ihr Bettchen legen, wenn sie eingeschlafen war. Ich konnte mich rausschleichen und mit meinem Mann endlich wieder gemeinsame Abende verbringen. Denn sind wir mal ehrlich: In der ersten Zeit als Eltern kommt die Beziehung einfach zu kurz. Das ist auch in Ordnung, aber irgendwann braucht man dringend wieder etwas Zweisamkeit.

Inzwischen kommen Oma und Opa regelmäßig vorbei und passen auf

Bevor unsere Tochter geboren wurde, waren wir abends relativ häufig im Kino oder spontan nett essen und alle zwei Wochen beim Fußball. Natürlich ist das mit Kind so spontan nicht mehr möglich. Man muss alles genauestens planen und sich um einen Babysitter kümmern. Richtig geklappt hat das bei uns erst viel später, da war unsere Tochter schon fast drei. Trotzdem haben wir uns vorher schon unsere kleinen Paar-Zeiten gegönnt. Und wenn es nur mal 1,5 Stunden waren, in denen unsere Tochter geschlafen hat. Aber selbst das hat unglaublich gutgetan – und war für uns beide wichtig.

Inzwischen kommen Oma und Opa regelmäßig vorbei und passen auf unsere beiden Zwerge auf. Und wir können auch mal wieder abends los, ins Kino oder zum Essen. Bis das geklappt hat, hat es eine Weile gedauert. Denn unsere Tochter ist zwar jetzt schon fünf, der kleine Bruder aber erst zwei. Auch bei ihm war es so, dass ich in den ersten Monaten komplett zuhause war. Auch er wollte abends am liebsten beim Stillen auf Mamas Bauch einschlafen. Und auch er ließ sich eine ganze Weile nicht ablegen, ohne wieder aufzuwachen. Aber irgendwann ging es, und inzwischen lässt er sich auch von Oma oder Opa ins Bett bringen.

Unser Plan: Jeder bekommt einen freien Abend pro Woche

Aktuell bringen wir abwechselnd immer jeweils eins der Kinder ins Bett. Denn beide zusammen, das funktioniert nur in den seltensten Fällen. Meistens ist der Kleine dann so aufgedreht, dass er die Große ewig wachhält. Oder die Große kann nicht schlafen und bringt den kleinen Bruder um den Schlaf. Abgesehen davon, dass es das für einen einzigen Babysitter kompliziert machen würde (ein Hoch an dieser Stelle noch mal auf Oma und Opa!), gestaltet es sich auch für uns aktuell noch schwierig, uns gegenseitig Freiräume zu verschaffen.

Zwar gab es natürlich schon häufiger die Situation, dass eine/r von uns abends nicht da war. Und irgendwie hat es dann auch immer geklappt. „Irgendwie“ hieß manchmal allerdings auch, dass wir am Rande der Verzweiflung waren, und die Kinder erst viel später als sonst geschlafen haben. Trotzdem – unser Plan steht: Sobald es einigermaßen klappt, dass einer von uns beide Kinder ins Bett bringt, bekommt jeder einen „freien“ Abend pro Woche, den er nur für sich nutzen kann.

Und ehrlich gesagt freue ich mich darauf! Denn wir sind ja auch nicht „nur“ Mama und Papa bzw. Ehefrau und Ehemann – sondern auch noch eigenständige Personen. Dass das auch so bleibt, finde ich wirklich. Denn mal ehrlich, manchmal braucht man doch einfach eine Auszeit mit einer Freundin, oder?

Für nichts in der Welt würde ich mein Leben eintauschen wollen

Ich genieße die Zeit mit meinen Kindern, auch wenn sie mich manchmal in den Wahnsinn treiben. Aber genauso genieße ich auch die Zeit nur mit meinem Mann und die freien Momente, die ich nur für mich habe. Mein Leben hat sich sehr verändert, natürlich hat es das. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mehr Frau oder nicht mehr Ich sein darf. Ganz im Gegenteil: Diese kleinen Auszeiten geben mir immer wieder neue Kraft für mein Leben als Zweifach-Mama.

Also lasst euch bitte nicht einreden, dass ihr als Mama kein Recht mehr auf Zeit für euch selbst hat. Das Leben mit Kindern ist anstrengend, und es wird immer wieder Phasen geben, in denen die Auszeiten gerade nicht möglich sind. Trotzdem solltet ihr zwischendurch auch mal an euch denken. Niemand muss alle anderen Rollen aufgeben, sobald er (bzw. sie) Mutter wird. Vieles verändert sich, vieles wird komplizierter oder erfordert mehr Organisation. Und trotzdem: Es ist möglich! Und letztendlich profitieren auch unsere Kinder von den Auszeiten. Denn Mama ist dadurch deutlich ausgeglichener und entspannter.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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