Depression als Mutter: Vollzeitmamas sind besonders oft betroffen

Ganz klar: Unsere Kinder sind unser größtes Glück und wir lieben sie über alles. Doch wer sich schon mal rund um die Uhr um ein Baby oder Kleinkind gekümmert hat, weiß auch: Mamasein ist ein echter Fulltime-Job – der manchmal ganz schön eintönig, einsam und unbefriedigend sein kann.

Immer im Einsatz – und doch nie gut genug:

Windeln wechseln, Babykotze wegwischen, Spielzeug hinterherräumen, (gesundes) Essen kochen, Wutanfälle begleiten, Tränen trocknen, aufgeschürfte Knie verarzten: Wir sind rund um die Uhr im Einsatz. Dazu kommt die fehlende Anerkennung für das, was wir machen. Es gibt immer noch Leute, die glauben, wir Mamas würden unsere Zeit mit Basteln und Latte-Macchiato-Trinken verbringen. Niemand sieht, was wir Mamas tagtäglich alles leisten. 

Kein Wunder, dass viele Mamas sich bei all dem Alltagsstress und der fehlenden Anerkennung gelegentlich niedergeschlagen und erschöpft fühlen. Und manchmal sogar in eine Depression schlittern. Dabei sind Mamas, die ihren Beruf zugunsten der Kinder aufgegeben haben, noch gefährdeter sind als solche, die neben den Kindern noch einer bezahlten Tätigkeit nachgehen! Darauf weisen Studien wie diese hier hin.

Mit diesen Problemen kämpfen Vollzeitmamas:

Wenn man mal darüber nachdenkt, ist das auch logisch. Die Sache ist: Wer neben den Kindern noch arbeiten geht, bekommt im Job Anerkennung und Bestätigung. Wir werden für gute Leistungen gelobt, die Arbeit wird bezahlt und teilweise winken sogar Goodies wie Prämien. Mamas, die „nur“ Hausfrau sind, haben all das nicht. 

Dazu kommt: Vollzeitmamas haben nach wie vor mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Die Entscheidung, ob – und wie lange – eine Mama nach der Geburt eines Kindes zuhause bleibt, ist eine sehr individuelle und sollte nicht be- oder verurteilt werden. Trotzdem werden Vollzeitmamas immer wieder kritisiert, sie seinen faul oder hätten keinen (beruflichen) Ehrgeiz.

Weitere Gründe, warum Vollzeitmamas in eine Mama-Depression rutschen:

In einigen Fällen kommen finanzielle Belastungen dazu, weil die ganze Familie von einem einzigen Einkommen lebt. Damit ein Elternteil sich voll und ganz auf die Kinder konzentrieren kann, schränken sich die Familien im Alltag stark ein. Die Sorge, dass der arbeitende Elternteil seinen Job verliert, ist größer, als wenn die Verantwortung dafür auf zwei Schultern verteilt ist.

Ein weiterer Faktor sind überhöhte Mütter-Ideale. Das gesellschaftliche Bild von Müttern macht es uns manchmal schwer, uns selbstbewusst in die Mutterrolle einzufinden. Wir sollen uns voller Hingabe um die Kinder kümmern, den Haushalt schmeißen, gesund kochen etc., gleichzeitig aber bitte bloß keine Glucke sein, Hobbys und Ehrgeiz haben. Vollzeitmamas sind stärker betroffen, da sie sich besonders über die Rolle als Mama definieren (bzw. von außen definiert werden!). 

Was kannst du tun, wenn du betroffen bist?

Du fühlst dich einsam, isoliert und traurig? Sprich mit anderen (Mamas) darüber – und hole dir ggf. professionelle Hilfe. Manchmal sind wir Mamas so stark auf unsere Zwerge konzentriert, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse aus den Augen verlieren. Tu dir selbst Gutes und gönn dir auch mal Auszeiten. Nur wenn wir Mamas uns gut um uns selbst kümmern, können wir uns auch gut um unsere Kinder kümmern!

Und: Schalte bei blöden Kommentaren zu deinem/euren Lebensmodell einfach Durchzug. Am Ende kannst du es sowieso nie allen recht machen. Du gehst kurz nach der Geburt wieder arbeiten? Rabenmutter! Du bleibst bei den Kindern zuhause? Glucke! Euer Weg ist der richtige für dich und deine Familie. Und dafür gibst du jeden Tag alles. Punkt!

Vor allem aber muss sich gesellschaftlich noch viel verändern, damit in Zukunft nicht weiterhin so viele Mamas in die Depression rutschen. An dieser Stelle ist auch die Politik gefragt. Wir Mamas brauchen ganz einfach mehr Anerkennung für das, was wir tun – und mehr Unterstützung im Alltag!

Corinna Siemokat

Ich bin Mama und Journalistin aus Leidenschaft und freue mich, bei Echte Mamas Beruf & Berufung miteinander verbinden zu können. Hier schreibe ich über den bunten Alltag mit meinem Sohn (zwei Jahre) und die kleinen (und großen) Herausforderungen, die das Mamasein so mit sich bringt.

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Kommentare

  1. Ich bin Papa von einem wunderbaren Sohn. Ich bin seit 8 Monaten Zuhause und muss sagen… Wer sagt Mama sein ist mehr Entspannung als was anderes, der hat keine Ahnung.
    Ich hatte schon immer Grüßen Respekt vor Mamas, seitdem ich daheim bin ist mein Respekt wirklich grenzenlos für alle Mütter 😊

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