Magenbypass-OPs ab 12: In den USA wird das nun empfohlen

Dass die Kinder in Deutschland und anderen Industrieländern immer dicker werden, wissen die meisten. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen warnen schon seit Jahren davor. Auch wir haben bereits 2018 darüber berichtet, dass in Deutschland jedes sechste Kind übergewichtig ist.

Noch schlechter sind die Zahlen in Amerika, seit 2020 haben sich die Zahlen übergewichtiger Kinder dort nahezu verdoppelt: Rund 15 Millionen aller zwei- bis 19-Jährigen gelten in den USA als schwergewichtig, wie nbcnews.com berichtet. Neben Magenbypass-OPs empfiehlt der US-Kinderärzteverband deswegen erstmals auch Diätpillen für Kinder – einer Option, in der viele Eltern offenbar den letzten Ausweg sehen.

Magenbypass-Ops und Diätpillen für Kinder?

Das klingt befremdlich, oder? Schließlich ist die OP ein irreversibler und belastender Eingriff, der lebenslange Folgen hat. Die gängigen Abnehmpräparate sind auch alles andere als harmlos. Typische Nebenwirkungen sind: erhöhter Blutdruck, Herzrasen, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Herz- und Brustschmerzen, Unruhe und Psychosen.

Wie kommt der US-Kinderärzteverband also auf so eine Empfehlung? Das liegt vor allem an den erschreckenden Zahlen. Die Pandemie habe die Situation noch verschlimmert, sagte Dr. Joan Han, Professorin und Leiterin der Abteilung für pädiatrische Endokrinologie und Diabetes.

Bacon-Cheeseburger, Pommes und ein Shake zum Abendessen

Im Forum Reddit finden sich zahlreiche Berichte verzweifelter amerikanischer Eltern, deren Kinder fettleibig sind und sogar schon gesundheitliche Probleme haben. Aus ihren Einträgen geht oft hervor, dass sie sich bemühen, die Kinder gesünder zu ernähren und sie zu mehr Bewegung zu animieren, aber der Erfolg bleibt aus.

Manchmal sind leider auch Familienangehörige das Problem. So schreibt eine Mama über ihr krankhaft übergewichtiges Kind, das regelmäßig bei Oma und Opa Zeit verbringt: „Wir alle wollen das Beste für das Kind und sie verlangen nichts dafür, dass sie auf ihn aufpassen, damit wir arbeiten können, wenn Ferien sind. Ich habe angefangen, im Sommer eine große Tüte mit Lebensmitteln zu schicken, aber ich weiß, dass er diese als Snacks essen und trotzdem einen Bacon-Cheeseburger mit Pommes und einen Shake zum Abendessen haben wird.“

„Je früher, desto besser für viele Dinge.“

Die neuen Richtlinien betonen, dass Adipositas ein komplexer und chronischer Zustand ohne einfache Lösung ist. Intensive Verhaltens- und Lebensstiländerungen sollten der erste Ansatz sein, aber sie enthalten erstmals auch Empfehlungen für Medikamente gegen Adipositas und für Operationen.

„Je früher, desto besser für viele Dinge“, sagte Dr. Joan Han. „Es gibt Forschungsergebnisse, die zeigen, dass eine frühere Operation Gesundheitsprobleme wie Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck rückgängig machen kann, weshalb eine Operation bei Kindern in Betracht gezogen werden sollte.“

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt vor solchen Ops bei Kindern

Genauer gesagt werden die Aufnahme von Medikamenten gegen Fettleibigkeit und Operationen zur Gewichtsabnahme (neben Änderungen des Lebensstils) für Kinder ab 12 Jahren empfohlen. Eines der Medikamente ist sogar für Kinder ab fünf Jahren zugelassen, wenn die Fettleibigkeit auf eine genetische Störung zurückzuführen ist.

Der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat zu den Eingriffen bei Kindern und Jugendlichen eine andere Meinung. BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann warnt sogar davor: „Magen-Bypässe und -Verkleinerungen sind irreversible und belastende Eingriffe.” Danach fehlten wesentliche Teile des Verdauungsapparats, in denen Enzyme und Hormone gebildet werden, die für die Steuerung des Appetits und für die Verdauung der Nahrung wichtig seien.

„Wir wissen heute noch viel zu wenig über die Langzeitfolgen.”

Nach einer solchen Operation könnten Patienten nicht mehr verdauen wie zuvor. Sie vertrügen viele Nahrungsmittel nicht mehr, viele litten oft unter Dauerdurchfall und auch Kreislauferkrankungen. „Wir wissen heute noch viel zu wenig über die Langzeitfolgen. Es ist daher in unseren Augen unverantwortlich, solche Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen durchzuführen, die die Langzeitfolgen nicht ausreichend beurteilen und somit auch nicht rechtswirksam in einen solchen Eingriff einwilligen können.”

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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