Männer & Haushalt: Sind wir selbst Schuld an dem großen Nichtstun?

Also, ich kann mich manches Mal nicht entscheiden, was ich nun denken soll. Über Frauen und Männer und die Tatsache, wie man sich die lästigen Pflichten des Alltags so aufteilt. Mir ist ganz bewusst, dass Männer heute in der Regel schon viel mehr tun als ihre Väter. Sie kümmern sich um ihre Kinder, und das meist sehr gerne. Sie kochen. Und sie packen im Haushalt mit an.

Das ist wirklich toll!

Aber zeigt nicht schon der Ausdruck „sie packen mit an“, dass es nicht selbstverständlich ist? Man würde nie über eine Frau sagen: „Cool, die packt im Haushalt echt viel mit an!“ Dazu nur soviel: Die Beschreibung des Titelfotos dieses Textes bei der Fotoagentur lautet: „Man husband cleaning the house helping wife“. Versteht ihr? Wieso hilft er automatisch seiner Frau, wenn er saubermacht? Ist es nicht auch sein Haus, dass er mit dreckig macht?

Wie tief diese Ansicht verwurzelt ist, das sieht man doch auch daran, dass ich es „wirklich toll“ finde, dass Männer sich auch um Kinder, Kochen und Haushalt kümmern. Ach, mann – ich bin ja selbst voll mit dabei bei dieser Denkweise, die eigentlich längst verjährt sein sollte.

Klaro, oftmals ist es so, dass der Mann Vollzeit arbeitet und die Frau einen Teilzeit-Job hat oder in Vollzeit Hausfrau und Mutter ist. Da liegt es natürlich irgendwie auf der Hand, dass sie mehr erledigt im Haushalt. Schon aus reinen Zeitgründen.

Aber dann muss auch verstanden werden, dass es sich hierbei nicht um ihr Privatvergnügen handelt, sondern eben auch um Arbeit! Und dass das vor allem nicht heißen muss, dass ALLES an ihr hängen bleibt!

Ach, es ist wirklich eine Krux.

Natürlich ist es jedem Paar selbst überlassen, wie es die Aufgaben des täglichen Lebens untereinander aufteilt. Denn nur man selbst weiß, wieviel Zeit jeder Partner am Ende wirklich hat, wer was lieber im Haushalt übernimmt, wie lupenrein überhaupt alles sein soll – und vor allem, wie ausgeprägt der eigene Gerechtigkeitssinn ist. Keine muss aus Prinzip um etwas kämpfen, wenn sie es gar nicht will. Fühlt man sich mit seiner Aufteilung wohl, kann es allen anderen völlig egal sein, wie diese aussieht.

Und da sind wir am Knackpunkt:

Viele, viele Frauen fühlen sich eben nicht wohl.

Denn viel zu oft lesen wir Posts wie „Mein Mann macht einfach gar nichts im Haushalt!“ oder „Ich würde so gerne mal einen Abend mit meiner Freundin ausgehen, aber mein Man schafft das nicht allein mit den Kindern.“ Wenn man so denkt, dann ist es eben nicht in Ordnung, wie es zu Hause läuft.

Frauen unter sich können sich stundenlang über ihre Kerle aufregen. Aber Fakt ist doch – was nützt das denn? Also, schon klar, seinem Ärger Luft zu machen tut unheimlich gut. Und wenn man hört, dass es anderen auch so geht, ist das ebenfalls gut fürs Gemüt.

Ich kenne das selbst sehr gut!

Aber: Es ändert ja nun gar nichts. Null. Niente. Und der Witz ist ja: Männer können das alles genauso gut wie wir. Sie sind kein zweites, drittes, viertes Kind, um das wir uns mit kümmern müssen. Sie sind erwachsen (ja, okay, ich weiß…) und haben Augen im Kopf.

Und damit fängt es ja schon an. Im Normalfall sollten wir ihnen keine To-Do-Listen erstellen müssen – sie sollten sehen, was es gerade zu tun gibt. Dort steht schmutziges Geschirr, das kann man spülen. Ups, ein riesiger Wäscheberg! Da könnte ich jetzt ja mal eine Maschine anwerfen. Und so weiter.

Soweit die Theorie. Die Praxis, zumindest häufig?

„Oh, das hättest du doch einfach mal sagen können!“ DER Männerspruch schlechthin. Und wir? Wollen es nicht stundenlang erläutern, sondern erledigen die Arbeit lieber eben schnell selber. Ich zumindest. Du auch?

Es ist die Frage, ob man dieses Dilemma lösen will und wenn ja, wie. Hält man sich künftig zurück und erteilt doch Befeh…, äh, bittet nett, aber bestimmt um Hilfe? Oder gehört man zu der herrlich dickfelligen Sorte, die alles aussitzen kann und erstaunt die Augen aufreißt, wenn sich der Mann über ein fehlendes sauberes Arbeitshemd im Schrank beschwert? „Wieso ich? Ich dachte natürlich, du machst die Wäsche, wenn du etwas brauchst?“

Ich weiß nicht, was besser ist.

Ich weiß nur, dass man irgendetwas tun oder sagen muss, wenn man etwas ändern möchte.

Ach, und ein weiterer beliebter „Erziehungsfehler“: Loben! „Er“ lässt „sie“ mal ausschlafen am Wochenende und bespaßt am Vormittag das Kind? VOLL NETT! Richtig toller Typ. Er hängt abends die Wäsche auf, während man sein Kind zu Bett bringt. Mensch, voll cool, muss man das nicht auch noch machen, nachdem man die trockene schon abgenommen und wegsortiert hat. Was für ein Traummann!

Naja, ihr wisst schon. Dabei hat er nur einen Teil dessen gemacht, was wir sonst neben 1000 anderen Dingen erledigen. Er hat kein Mittel gegen Krebs erfunden oder für den Weltfrieden gesorgt. Nur kurzzeitig für den Hausfrieden.

Bitte nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, dass man sich nicht bedanken soll. Ein Danke ist ganz wunderbar und wichtig und es ist zu hoffen, dass wir Frauen das ab und zu auch mal zu hören bekommen. Aber ein Feuerwerk für einen eingeräumten Geschirrspüler abzufeuern, das vermittelt dem Mann eher das Gefühl, dass immer alles ganz prima ist – und er jetzt gerade einen Orden für den besten Ehemann verdient hätte.

Er wird nichts ändern. Warum auch?

Und das meine ich, wenn ich mich frage, ob wir Frauen manchmal ein klein wenig mit Schuld sind an der ungerechten Verteilung des Haushalts. Denn wenn wir uns gegenseitig über unsere Männer beschweren, ändert sich nichts. Wenn wir mit unseren Männern sprechen oder ihnen durch einen stillen Streik einmal zeigen, was wir eigentlich alles so tun, dann kann sich alles ändern.

Probieren wir es doch mal aus – wir haben nichts zu verlieren.

Wie sieht es denn bei euch zu Hause aus? Wer übernimmt was im Haushalt?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Ich frage ihn immer wieso er es schafft die Toilette bei sich in der Firma sauber zu hinterlassen und zu Hause nicht.

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