Warum eure Kinder ihr Butterbrot selbst schmieren sollten

Denkt ihr auch manchmal, dass eure Kinder ganz schön faul sind, und es gar nicht zu schätzen wissen, was ihr als Mama eigentlich leistet? Klingt vielleicht erstmal seltsam, aber oft steckt hinter der „Faulheit“ der Kinder die Bequemlichkeit der Eltern.  Etwa dann, wenn ihr euren Kleinen oft Dinge abnehmt, damit es schneller geht oder ihr kein Gemeckere hört. Vielleicht erledigt ihr aber auch so vieles selbst, weil ihr besonders fürsorglich sein wollt. Doch es gibt gute Gründe, eure Kinder mehr einzuspannen:

Sie sind viel größer, als ihr denkt

„Mami ziehst du mir die Socken an?“, rief mein damals Fünfjähriger aus seinem Zimmer. „Na klar, mein Schutz“, rief ich geistesabwesend zurück –  eigentlich konnte er das schon sehr gut alleine. Danach habe ich auf Knien eine Playmobilfigur für den Spielzeugtag gesucht, obwohl ich ihn am Abend zuvor mehrmals gebeten hatte, sie bereit zu legen. Eigentlich hatte ich mir überlegt, dass er bei uns das Tischabräumen übernimmt, stattdessen habe ich gehetzt alles in den Geschirrspüler geräumt, weil wir es eilig hatten. Aus dem gleichen Grund habe ich ihm auch gleich noch schnell die Jacke übergezogen.

Manchmal habe ich eben vergessen, wir groß er schon war. Gestern war er doch noch so klein, dass ich selbstverständlich alles für ihn getan haben. Da musste ich mich erstmal umgewöhnen. Und ja, manchmal wollte ich einfach nur, dass es schneller vorangeht. Kein Wunder also, dass unser Sohn mich verständnislos anschaute, wenn ich doch mal darauf beharrte, dass er den Tisch abräumt oder die Jacke alleine anzieht. Konsequent war das schließlich nicht gerade. Und mir wurde klar, dass ich nicht bei ihm, sondern erstmal bei mir selbst etwas ändern musste.

Euer Kind will, dass ihr ihm etwas zutraut

Denn eigentlich glaubte ich an das das Montessori-Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun“, bei dem man Kinder – kurz gesagt – einfach selbst machen lässt und ihnen nur die Unterstützung gibt, die sie sich konkret wünschen. Sonst lernen eure Kinder nicht nur „Mama macht schon“, sondern auch: „Ich kann das nicht“. Eine Studie zeigte, dass ein Kind mehr Selbstvertrauen hat und später umso erfolgreicher sein Leben meistert, je früher es in Haushaltstätigkeiten einbezogen wird. Selbst Dreijährige können schon kleine Aufgaben übernehmen, etwa ihr Brotbrett alleine zum Geschirrspüler tragen. Wenn ein Kind eine Aufgabe meistert, erlebt es, dass es selbst etwas bewirken kann. Es wird selbstbewusster – und wer sich mehr zutraut, packt auch mehr an. Aber wie gelingt das?

Seid mutig, geduldig und lasst sie machen

Soviel kann ich verraten: Nicht an allen Tagen gleich gut! Denn manchmal vergesse ich meine guten Vorsätze und erledige doch „mal eben schnell“ etwas selbst. Aber viel seltener. Unser Sohn ist irre stolz, dass er inzwischen sonntags (meistens) selbst das Rührei zubereitet, das er so liebt. Und ich versuche, nicht in Panik zu geraten, wenn er auf seinem Stühlchen am heißen Herd steht. Er räumt (oft) den Tisch mit ab. Morgens plane ich einen größeren Zeitpuffer ein, damit ich ihm eben nicht am Ende hektisch die Jacke überziehe. So sind wir alle zufriedener.  Was ich daraus gelernt habe? Lasst eure Kinder das Brot schmieren, auch wenn die Butter danach anfangs einem Schlachtfeld ähnelt und die Hälfte daneben landet. Lasst sie den Tisch abräumen, auch wenn es dauert und mal etwas herunterfällt. Nehmt euch die Zeit, die sie brauchen.

Wenn eurem Kind mal etwas tatsächlich nicht gelingt und es euch um Hilfe bittet, übernehmt die Aufgabe nicht einfach selbst. Überlegt gemeinsam, wie ihr es dabei unterstützen könnt, es doch noch selbst zu schaffen. Der angenehme Nebeneffekt: Kinder schätzen mehr, was sie sich erarbeiten –  und sehen auch ein wenig mehr, was ihr täglich leistet. Und selbst, wenn ihr mal etwas verlangt, das eurem Kind wenig Freude macht: Ihr seid keine Rabenmütter, sondern Frauen, die alles daran setzen, dass ihre Kinder ihr Leben gut und voller Selbstvertrauen meistern.

Wie sieht es denn bei euch auch: Machen eure Kinder viel allein, oder nehmt ihr ihnen vielleicht doch mehr ab als eigentlich nötig? Erzählt doch mal!

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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