Ich war beeindruckt von ihrer Kreativität und Konzentrationsfähigkeit.
Zugegeben, oft musste ich mich stark zusammenreißen, nicht loszuschimpfen, weil die Hälfte des Zaubertranks auf dem Badezimmerboden verteilt oder der Spielteppich mit Konfetti oder Bügelperlen übersäht war. Trotzdem war ich immer beeindruckt von ihrer Kreativität und Konzentrationsfähigkeit, sobald sie beim Spielen „auf sich allein gestellt“ ist – wenn auch manchmal erst im Nachhinein nach der Bewältigung des Chaos-Schocks.
Und genau das ist es, worauf ich gehofft hatte, weswegen ich meine Tochter eben NICHT aus Angst vor der Langeweile für drei Nachmittagskurse angemeldet habe und was inzwischen sogar in zahlreichen Studien bestätigt wurde: Langeweile löst bei Kindern einen unglaublichen Erfindergeist aus!
Kinder, die eine durchorganisierte Woche mit diversen Hobbys und Vereinsaktionen haben, müssen sich selten mit Langeweile auseinandersetzen. Dabei finde ich, sollte Langeweile selbst zum Hobby erklärt werden, denn unsere Kinder lernen währenddessen eine ganze Menge: Wenn die Langeweile kaum auszuhalten ist, motiviert sie unsere Kinder, selbst einen Weg finden, etwas an ihrer Situation zu ändern. Sie lässt unsere Kinder außerdem wahrnehmen, wie unterschiedlich sich Zeit anfühlen kann. Und sie lehrt sie, wie sie ganz aus sich heraus eine schöpferische Kreativität entstehen lassen können. So gewinnen Kinder aus der Langeweile heraus rasant an Selbständigkeit.

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Langeweile macht auch Erwachsene kreativer
Übrigens kann Langeweile auch uns Erwachsenen zu mehr Kreativität verhelfen. Ja, ich weiß, ihr fragt euch sicher, wovon ich spreche, denn welche Mama kommt schon in den Genuss des Nichts-zu-tun-habens? Doch es gibt verschiedene Formen von Langeweile, eine davon ausgelöst von monotonen, anspruchslosen Aufgaben. Und die kennen wir doch alle, wenn wir an den täglichen Haushalt denken, oder?
Doch nochmal von vorn: Langeweile macht also auch Erwachsene kreativer? Darauf lässt zumindest eine Studie unter der Leitung von Benjamin Baird und Jonathan Schooler an der University of California in Santa Barbara schließen.
- Sie gaben einer Gruppe von 135 Studenten die Aufgabe, sich für verschiedene Alltagsgegenstände wie zum Beispiel einen Ziegelstein oder ein Streichholz möglichst viele Einsatzmöglichkeiten auszudenken. Dazu hatten sie zwei Minuten Zeit.
- Im Anschluss daran wurde ein Teil der Gruppe mit einer sehr komplexen Aufgabe beschäftigt, eine zweite Teilgruppe setze die erste Aufgabe fort, eine dritte Teilgruppe machte eine kurze Pause und eine vierte Teilgruppe bekam eine wenig anspruchsvolle, langweilige Aufgabe.
- Nach 12 Minuten sollten alle auch diese zweite Tätigkeit abbrechen und sich wieder der ersten Aufgabe zuwenden. Zunächst wurden ihnen dazu erneut dieselben Alltagsgegenstände vorgelegt wie zu Beginn, danach kamen weitere, neue Gegenstände hinzu.
Es zeigte sich, dass diejenigen Studenten, welche die langweilige Zwischenaufgabe bekommen hatten, in der letzten Aufgabe mit Abstand die besten Ergebnisse erzielten. Allerdings nur bei den Gegenständen, die sie schon aus der allerersten Aufgabe kannten.
Die Studienleiter erklären dies so, dass sie während der langweiligen zweiten Aufgabe Zeit hatten, ihre Gedanken schweifen zu lassen und unterbewusst die erste Aufgabe weiterbearbeiteten. In diesem Zustand des „Tagträumens“ nämlich, so vermuten die Wissenschaftler, vernetzen sich gleich mehrere verschiedene Bereiche des Gehirns, was ihrer Theorie zufolge zu einem verstärkt kreativen Denken führt.
Ein Hoch auf das Bügeln und weg mit dem schlechten Gewissen!
In diesem Sinne sollten wir also das Bügeln, Aufräumen und Wäschefalten nochmal aus einem neuen Blickwinkel betrachten. Vielleicht verhilft es uns eines Tages ja zu kreativen Höchstleistungen im Job, bei der Kindererziehung oder auch nur zu neuen Ideen fürs Zuhause???
Auf jeden Fall können wir aber die Sorge, eine schlechte Mutter zu sein, wenn wir unser Kind absichtlich mit seiner Langeweile „kämpfen“ lassen, abschütteln und die „Laaangweile“-Rufe unserer Kinder getrost freudig als Ankündigung kreativer Entwicklungsschübe interpretieren.
[…] und Vertrauen in die meist erstaunliche, kindliche Kreativität haben. So können aus der Langeweile heraus die schönsten, neuen Spiele […]
[…] zu wenig Zeit, sich einfach mal auf sich zu konzentrieren, in Ruhe zu spielen, zu faulenzen und ja, sich auch mal zu langweilen. Es gibt aber auch Kinder, die gerade in den stressigen Situationen mit Tics […]