Kreißsaal zu voll: Kind stirbt im Bauch der Mutter

Manchmal gibt es Meldungen, die sind so furchtbar, dass einem beim Lesen direkt die Tränen kommen. In einer Hamburger Klinik erlebte eine Schwangere am Wochenende einen absoluten Alptraum, wie die Hamburger Morgenpost berichtet: Weil der Kreißsaal zu voll und das Personal unterbesetzt war, ist ihr kleiner Junge kurz vor der Geburt in ihrem Bauch gestorben. Und das, obwohl die Schwangerschaft bis zu diesem Zeitpunkt völlig normal verlaufen ist, und das Baby gesund war.

Zwei Fehlgeburten mussten Neslihan Kasap und ihrem Mann schon erleben. Umso mehr haben sich die beiden gefreut, dass bei der dritten Schwangerschaft alles in Ordnung war. Sie verlief ganz normal, und der kleine Junge war gesund. Wie alle werdenden Eltern konnten es die beiden kaum erwarten, ihr Baby endlich in den Armen zu halten.

„Sie wurden im Kreißsaal völlig allein gelassen

Am errechneten Termin fuhren Neslihan und ihr Mann am Freitag ins Hamburger Marienkrankenhaus, wurden aber wieder nach Hause geschickt, weil es noch nicht so weit war. In der Nacht platzte dann die Fruchtblase, Neslihan Mann rief in der Klinik an und gab Bescheid, dass sie sich auf den Weg machen.

Beim ersten CTG war alles normal, es gab keine Auffälligkeiten. Um 7 Uhr morgens wurde Neslihan in den Kreißsaal verlegt. Begleitet wurde sie von ihrem Mann und ihrer Mutter, eine Ärztin oder Hebamme war nicht dabei. „Sie wurden völlig allein gelassen. Niemand kam, um mal nachzusehen, ob alles in Ordnung ist“, sagt Aygül Yilmaz, Neslihans Schwester.

Auch beim nächsten CTG zwei Stunden später waren die Werte des Babys in Ordnung. Bis zum dritten CTG um 12 Uhr mittags waren die drei wieder allein im Kreißsaal, auch diesmal zeigte der Wehenschreiber keine Auffälligkeiten.

Schwangere mit Babybauch

Neslihan Schwangerschaft war gut verlaufen, die werdende Mama freute sich auf ihr Baby.
Symbolfoto: Bigstock

Kreißsaal voll: Trotz Problemen wurde eine andere Geburt vorgezogen

Wenig später bekam Neshilan plötzlich Blutungen. Sie spürte Bewegungen, die ihr komisch vorkamen, und die Wehen wurden so stark, dass sie sie fast nicht mehr aushalten konnte. Laut ihrer Schwester ist ihr Mann mehrmals zu den Schwestern gelaufen und hat um Hilfe gebeten. Aber es passierte – nichts. Ganz im Gegenteil: Um 14:45 Uhr soll sogar noch eine andere Geburt vorgezogen worden sein, Neslihan musste den Kreißsaal wieder verlassen!

„Die Station war total überfüllt und es gab zu wenig Personal, um die Gebärenden angemessen zu betreuen“, erzählt die geschockte Aygül. „Meine Schwester wurde in ein normales Zimmer verlegt, wo sie sich vor Schmerzen nur noch gekrümmt hat.“

Das CTG zeigte keine Herztöne mehr

Erst um 16 Uhr wurde das nächste CTG geschrieben, und die Eltern erlebten den absoluten Alptraum: Es waren keine Herztöne des Babys mehr zu hören. Erst jetzt reagierten die Ärzte, ordneten einen Notkaiserschnitt an. Aber es war zu spät: Der kleine Junge war im Bauch seiner Mutter gestorben.
Die Hebamme wickelte ihn in ein Handtuch und legte ihn neben die geschockte Mutter. Aygül Yilmaz erzählt, dass das Baby ganz lila gewesen sei. „Meine Schwester kriegt dieses Bild gar nicht mehr aus dem Kopf.“ Neslihan und ihrem Mann gehe es sehr, sehr schlecht.

Klinik will nichts dazu sagen

Das Hamburger Marienkrankenhaus will aktuell übrigens nichts zu dem Vorfall sagen: „Unabhängig von allen Einzelfragen möchten wir den Eltern unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, so der Sprecher des Krankenhauses. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir Presseanfragen aktuell nicht beantworten können. Derzeit werden alle relevanten Vorgänge intern sorgfältig überprüft, da wir sehr an einer Aufklärung interessiert sind.“

Wir möchten den trauernden Eltern an dieser Stelle unser tiefes Mitgefühl aussprechen. Es kann sich wohl niemand vorstellen, was sie gerade durchmachen müssen.

Habt ihr auch die Erfahrung gemacht, dass die Kreißsäle zu überfüllt sind oder das Personal zu überlastet ist? Oder war bei euch alles in Ordnung?

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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