Kreidezähne – was ist das, und was kann man dagegen tun?

Gerade kommen bei eurem Kind die ersten bleibenden Zähne durch. Schon entdeckt ihr gelbliche Flecken, Furchen und Verfärbungen. Beim Essen oder Trinken klagt euer Kind über Schmerzen, weil die neuen Zähne so empfindlich sind. Klar, dass das abendliche Putzen zur Qual wird – dabei hat es bisher immer so gut funktioniert. Was ist passiert?

Kreidezähne: Neue Volkskrankheit

Von dem Phänomen sind 10 bis 20 Prozent der Kinder betroffen, manche Zahnärzte sprechen von einer neuen Volkskrankheit. Es handelt sich um sogenannte Kreidezähne. In der Fachsprache heißt es Molare-Inzisive-Hypomineralisation, kurz MIH. Dabei wird der schützende Zahnschmelz nicht richtig gebildet, während sich die Zähne im Kiefer entwickeln. Den äußeren Zahnschmelz kann man sich als Isolator vorstellen. Wenn dieser nicht intakt ist, geht jeder Temperaturreiz hindurch, jeder Luftzug. Die Kinder nehmen das als Schmerz wahr. In schweren Fällen bröckelnd die frischen Schulzähne sogar ab. Es kommt vor, dass schon Grundschüler eine Krone brauchen. Und das, trotz guter Zahnpflege.

So sehen Kreidezähne aus

 

 

Was kann man gegen Kreidezähne tun?

Wir haben Professor Jan Kühnisch von der Universität München befragt, der seit Jahren zu dem Thema forscht. Hier sind die wichtigsten Fakten:

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  • Zuerst die schlechte Nachricht: Leider gibt es wenig, dass ihr vorbeugend tun könnt, um Kreidezähne zu verhindern. Dazu müsste man die genauen Ursachen kennen. Und über die streiten sich die Wissenschaftler. Als Faktoren diskutiert werden unter anderem Umweltgifte, Antibiotika, genetische Veranlagungen oder BPA, der Weichmacher im Plastik.
  • Welche und wie viele Zähne von MIH betroffen sind, hängt davon ab, in welchem Alter die schädigende Ursache auf den Körper eingewirkt hat. „Die ersten Zähne werden schon am Ende der Schwangerschaft angelegt, die letzten bleibenden Backenzähne befinden sich bis ins 8. Lebensjahr hinein in der Entwicklung“, erklärt Kühnisch. „Je später nun die potentielle Ursache einwirkt, desto geringer fällt der Schaden aus, weil die meisten Zähne schon gebildet sind. Nur Zähne, die sich noch in der Entwicklung befinden, können geschädigt werden.“
  • Die Verfärbungen an den Zähnen können nicht aufgehellt oder verdunkelt werden. Sie wären nur operativ entfernbar. „Solche ästhetischen Maßnahmen sind im Kindesalter absolut nicht gerechtfertigt“, sagt Kühnisch. Ihr solltet euch also an den Anblick der Kreidezähne gewöhnen.

Was muss man noch über Kreidezähne/MIH wissen?

Wer jetzt verzweifeln möchte, liest am besten schnell weiter. Es gibt nämlich auch gute Nachrichten. Zum Beispiel kann sich MIH nicht ausbreiten, so wie Karies. Das ist doch schonmal etwas. Außerdem gibt es folgende mutmachende Fakten:

  • „90 Prozent der betroffenen Zähne haben eine intakte Oberfläche und nur farbliche Veränderungen“, sagt Professor Kühnisch. „Es ist also meistens ein rein ästhetisches Problem.“
  • Hat euer Kind trotzdem überempfindliche, schmerzende Kreidezähne, können Fluoridprodukte helfen. „Studien haben gezeigt, dass auch Zahnpasten oder Mundspüllösungen mit desensibilisierenden Bestandteilen eine Besserung herbeiführen können“, sagt Kühnisch. „Dazu zählen zum Beispiel calcium- und phosphatreiche Milchproteine.“ Die Wirkstoffe heißen CPP-ACP und Calcium-Carbonat/Arginin. Sie remineralisieren und lindern Hyperempfindlichkeit.
  • In gewissem Maße trägt der Zahn sogar selbst zur Reduzierung der Überempfindlichkeiten bei. „Wenn der Zahn durchgebrochen ist, ist er noch nicht vollständig entwickelt. Die dentinbildenden Zellen im Inneren sind in der Lage, zusätzlich Zahnhartsubstanz anzulagern, wenn der Zahn Defekte aufweist.“
  • Zuguterletzt gibt es doch noch einen Hinweis, was ihr möglicherweise vorbeugend tun könnt: „In jüngster Zeit wird Vitamin D als potenziell präventiv wirkender Faktor diskutiert“, sagt Kühnisch. „In unseren Forschungen waren diejenigen Kinder mit einen niedrigen Vitamin D-Spiegel häufiger von MIH betroffen.“ Ähnliche Anhaltspunkte liefert eine dänische Studie: Wenn Mütter in der späten Schwangerschaft hochdosiert Vitamin D erhielten, bekamen ihre Kinder deutlich weniger MIH. „Insofern könnte Vitamin D in dem Problemkreis einen schützenden Einfluss haben.“

Und wenn eure Kinder zu den wenigen gehören, bei denen die Zähne trotz allem extrem überempfindlich bleiben oder wirklich bröckeln, lasst euch von eurem Zahnarzt beraten. Es gibt geklebte Kunststoffhüllen, die wie eine Abdeckung wirken und den fehlenden Zahnschmelz ersetzen.

Jenny Weber

Als Journalistin schreibe ich über Familie und andere spannende Sachen. Ich liebe echte Geschichten von Frauen, die etwas bewegen oder die von etwas bewegt werden. Ich lebe mit meiner Patchworkfamilie in Berlin. Seit der Geburt meiner Tochter versuche ich, meinen Teilzeit-Job in einer Agentur, mein selbstständiges Schreiben und meine Mutterrolle unter einen Hut zu bekommen. Meine kleine Tochter geht in die Kita, meine Stieftochter in die Schule.

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