Können wir unseren Kindern Mitgefühl beibringen?

Harmoniesucht hat einen Namen: Laura.

Ich fühle mich am wohlsten, wenn sich alle anderen wohlfühlen. Wenn keiner schmollt, gekränkt oder irgendwie unzufrieden ist. Diese Situation gibt es nur selten, denn irgendwas ist ja immer… Ich kann aber nur schlecht aus meiner Haut.

Meine größte Lehrerin, was ein dickeres Fell angeht, ist meine Tochter.

Schon als sie ein Baby war, musste ich lernen, nicht auf die diversen Ratschläge, Meinungen und Befindlichkeiten meines Umfelds zu hören, sondern das zu verteidigen, was meiner Meinung und der meines Freundes nach das Beste für unser Kind war.

Als sie dann größer wurde, ging es weiter mit meinen Lektionen.

Kinder sind so wunderbar „bei sich“ und schauen nur, wie es ihnen selbst bei etwas geht.

Sie wissen nicht, dass es zwischenmenschlich irgendwie cooler ist, auch mal Rücksicht zu nehmen. Dass Teilen hoch im Kurs steht. Dass man nicht immer unbedingt jedem ungefragt die Wahrheit ins Gesicht blöken muss oder dass es für den Schenkenden ein Schlag ins Gesicht ist, wenn man sein Präsent ganz offensichtlich megadoof findet.

Dass ich mich in solchen Situationen innerlich oftmals gewunden habe, könnt ihr euch sicher denken. Trotzdem habe ich meine Tochter meist „gelassen“, denn an sich ist es ja eine wunderbare Eigenschaft, auf sich selbst zu achten – die sollte sie nicht durch meine Konfliktscheu verlernen.

Allerdings ist es trotzdem klar, dass Eltern sich wünschen, einen empathischen Menschen aufzuziehen.

Wären mehr Menschen voller Mitgefühl und könnten sich bessere in andere hineinversetzen, wäre die Welt ein so viel besserer Ort, davon bin ich überzeugt.

Sicher und ganz normal ist: Kinder kommen völlig unempathisch zur Welt. Sie spüren, dass sie Essen brauchen, Sicherheit (Mama oder Papa!!!!!) spüren müssen, dass ihnen kalt, warm oder unheimlich zumute ist. Na klar: Es geht je theoretisch auch ums nackte Überleben!

Wissenschaftler sind aber der Meinung, dass zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr die Spiegelneurone soweit entwickelt sind, dass Kinder Gefühle und Handlungen anderer nachvollziehen können. Bitte, da ist er, der Grundstein für die Empathie! Und jetzt geht es um die Wurst, sozusagen: Ab jetzt haben wir zumindest ein wenig in der Hand,  ob unsere Kinder ein mitfühlendes Wesen entwickeln.

Und das ist wichtig, um unsere Kinder Empathie zu lehren:

1. Als Vorbild dienen

Auch, wenn wir es oftmals gar nicht mitbekommen: Unsere Kleinen gucken sich superviel von uns ab. Auch, wie wir mit anderen umgehen. Interessieren wir uns für sie? Sorgen wir uns um sie? Engagieren wir uns für sie?

2. Das Miteinander in der Familie beachten

Handy weg, TV aus, miteinander sprechen: Was so oft gepredigt wird und uns als selbstverständlich vorkommt, kann im trubeligen Alltag leicht untergehen. Aber nur, wenn wir uns WIRKLICH miteinander beschäftigen, bekommen wir mit, was den anderem wichtig ist und wie es im wirklich geht. Und: Das sollte auch und besonders für die kleinsten Familienmitglieder gelten. Wenn sich ihre Eltern auf Augenhöhe mit ihnen beschäftigen und mit ihnen sprechen, zeigt ihnen das, dass sie richtig und wichtig sind, so wie sie sind. Und wie gut es sich anfühlt, wenn jemand wirklich Anteil an seinem Leben nimmt.

3. Dem Kind helfen, Gefühle kennenzulernen

Für Kinder sind intensive Gefühle wie ein Orkan, der über sie hinwegfegt und den sie gar nicht einordnen können. Es ist superwichtig, dass sie diese erleben dürfen – ganz egal, wie schwer beispielsweise so ein Wutanfall für die Eltern auszuhalten ist. Später am Tag, wenn alles wieder entspannt ist, sollte man dann mit seinem Kind darüber sprechen. Was war los? Wie fühlte sich das an? Was war der Auslöser? Wie nennt man dieses Gefühl? Kennen Eltern das auch? Wie wirkt das auf andere aus?

4. Den kindlichen Gemeinschaftssinn fördern

Kinder lernen quasi in jeder Minute des Tages. Sie lernen Gefühle, Abläufe, Regeln – all das, was für uns schon selbstverständlich ist. Und sie lernen ein gesundes Miteinander, wann immer sie die Möglichkeit dazu haben. Das klappt schon bei Spiel-Dates mit anderen Kindern, auf dem Spielplatz – oder aber in Mannschaftssportarten oder anderen Hobbys, die in einer Gruppe ausgeführt werden.

5. Nicht die Geduld verlieren

Es hilft nur: Üben, üben, üben. Es braucht lange, bis sich Empathie fest in der Persönlichkeit verankert. Begleiten wir unsere Kleinen liebevoll durch die ersten Jahre ihres Lebens, wird dies aber passieren. Und wir erziehen Menschen, die sich um andere sorgen, aber auch sich selbst nicht aus den Augen verlieren werden.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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