Kleiner Po, großes Fragezeichen: Der „Echte Mamas“-Stoffwindel-Test

Mamas, die sich zum ersten Mal mit Stoffwindeln beschäftigen, stehen vor vielen Fragen. Die häufigste: Wie bitte soll das funktionieren?!

Darum haben wir den Test gewagt und die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Stoff-Wickelei ausprobiert – mit einigen überraschenden Erkentnissen.

Schritt 1:

Alle Begriffe rund um die Stoffwindel ergoogeln. Das Ergebnis könnt ihr hier nachlesen.

Schritt 2:

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Das M in Mama steht für müde ? Das andere M auch ?

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Unser tolles Windel-Paket!

Ran an die Windeln! Zum Testen braucht es natürlich Material. Viel davon bekommt man gebraucht in diversen Facebook-Gruppen oder auch bei ebay-Kleinanzeigen. Es kann natürlich sein, dass man bei einigen der ersten Käufe auch mal daneben greift und eine uralte, labberige Stoffwindel für einen überteuerten Preis bekommt, aber meistens geht es gut! Wir haben außerdem ein Test-Paket von Stoffywelt.de zur Verfügung gestellt bekommen. Total super: Es gibt sooooo viele, so unglaublich niedliche Windeln (sogar welche mit Flamingos)!

Basic-Einkaufsliste zum Einsteigen: Eine AIO, eine Pocket, (mindestens) zwei Überhosen, eine Höschenwindel, breite Einlagen oder Prefolds, ganz viele Einlagen/Booster (braucht man für alles – außer für AIOs).

Schritt 3:

Einwaschen! Stoffteile (also alles außer Überhosen) sollen vor dem Gebrauch mindestens zwei bis drei Mal gewaschen werden. Aber leider nicht einfach drei Mal die Maschine hintereinander anmachen, sondern zwischen den Waschgängen komplett durchtrocknen lassen. Wow, das ist echt nervig! Aber zum Glück entfällt es bei den gebrauchten Windeln. Und hierbei gibt es schon den ersten Anfängerfehler: die Kletts der Überhosen nicht sorgfältig mit dem Gegenklette zu verschließen. So hingen die Klettverschlüsse natürlich in den Einlagen. Das passierte uns aber nur ein Mal und nie wieder.

Schritt 4:

Ab ans Baby zum Praxistest!

Es gibt so viele unterschiedliche Systeme, dass es besonders für Anfänger tatsächlich schwierig ist, zu verstehen, welche Teile wofür sind und wie man sie am Baby „anbringt“.

Möglichkeit 1: AIO

AiO von BumGenius

Dabei gibt es nicht viel zu erklären. „All in One“-Windeln werden wie die klassichen Wegwerfwindeln benutzt, nur dass sie am Ende in der Wäsche landen und nicht im Mülleimer. Sie sind zeitsparend und unaufwändig – allerdings wäscht der Schmutzwäsche-Berg rasant an und man muss wirklich oft waschen. Schon nach zwei Tagen war uns das zu anstrengend, dazu kam, dass die BumGenius-Windeln unserem Baby nicht wirklich gut gepasst haben. Deshalb wanderten sie in die Wickeltasche, um sie als Unterwegs-Wechsel-Windeln zu verwenden.

Möglichkeit 2: Pockets

Pocket-Windel

Eine Windel mit einer Lasche unter der Stoffschicht – ebenfalls einfach zu handhaben. In die Lasche können je nach Bedarf verschiedene Einlagen geschoben werden. Der große Vorteil dieses Systems ist, dass man es individuell auf die Situation anpassen kann. Längerer Weg? Dann nimm eine dickere (oder zwei) Einlagen. Nur mal schnell zwischendurch? Nimm eine dünne Einlage und der Popo bleibt schön schlank. Ein weiterer Vorteil: Die Trockenzeit nach dem Waschen wird dadurch verringert.

Wir haben es ausprobiert – unser Lieblingssystem ist es nicht. Wie auch bei den AIOs muss alles in die Wäsche. Außerdem darf man die eingepinkelten Einlagen (mehr oder weniger) mühevoll aus den Laschen ziehen. Inzwischen haben wir nur noch eine Pocket-Windel von Milovia, die hauptsächlich nachts zum Einsatz kommt.

Möglichkeit 3: Überhosen und Einlagen

Hier typische Prefolds

Überhosen gibt es von vielen Marken, genauso wie Einlagen. Wir haben viele durchgetestet und für uns funktioniert es am besten, breitere Einlagen zu verwenden. Diese legen wir in Überhosen mit Laschen, wie beispielsweise die PeeNuts von TotsBots oder auch die Blueberry Capris, damit sie nicht verrutschen. Prefolds sind ebenfalls super dafür. Allerdings gibt es hier große Unterschiede je nach Marke und Material, einige haben wir sofort wieder verkauft, weil wir sie doof fanden. Bisher sind die Avo&Cado-Prefolds unsere Favoriten…. Auf diese Einlage kommt trotzdem noch eine weitere, um die Saugfähigkeit nochmal zu erhöhen (siehe Frage 1).

Prefold in Überhose

Das ist eines der Systeme, an denen wir hängen geblieben sind und die nun tagtäglich in Gebrauch sind. Für uns ist ein großes Plus, dass wir die Windel so zusammenstellen können, wie wir sie brauchen, ähnlich wie bei den Pockets, aber dass es trotzdem weniger Wäsche gibt, weil die Überhosen öfters verwendet werden können.

Möglichkeit 3a: Überhosen, Einlagen und Umwickeln

Die Luxus-Variante unter den Stoffwindel-Wickel-Arten! Diese Methode funktioniert mit Prefolds, wenn sie groß genug sind, und mit Mulltüchern – den Stofftüchern, die wir als Spucktücher verwenden. Sie haben eine hohe Saugfähigkeit und sind fast unschlagbar günstig. Allerdings ist da die Sache mit dem Falten…

Umwickelt mit Prefolds

Wir haben etwas gebraucht, bis wir uns daran getraut haben, das Baby mit einer Prefold zu umwickeln und –wenn wir ehrlich sind – ließ uns nur die Neugierde auf die Verwendung der Windelklammer diese Hürde nehmen. Google hat hier gute Dienste geleistet und uns zu dieser Seite geführt, die wunderbar mit Bildern beschreibt, wie das funktioniert.

Am Ende war es dann doch leichter als angenommen und es funktioniert wirklich gut. Wir rollen die Prefolds an den Beinchen immer noch mal ein bisschen ein, so läuft sicher nichts aus. Ein bisschen Kritik gibt es aber noch: Es ist eine relativ breite Angelegenheit und nichts für die Ewigkeit, weil das Baby langsam schon zu groß dafür wird.

Weil das ein Erfolg auf der ganzen Linie war, haben wir uns auch an „Mullis“ gewagt. Hier gibt es drei große Arten der Umwickelung – den Drachen, das Dreieck und die Sechsfach-Windel. Dabei kamen wir uns zwar vor wie zu Großmutters Zeiten, aber dennoch ist es eines unserer drei Lieblingssysteme geworden.

Möglichkeit 4: Unterschiedlichste Systeme

So viele Marken haben ihre eigenen Systeme entwickelt, dass man kaum noch durchblickt. Aber die gute Neuigkeit ist: Man muss sie nicht alle kennen und man muss auch nicht alle ausprobieren.

Wir haben getestet: Systeme mit Pouch und Systeme mit einköpfbaren Einlagen. Der große Nachteil ist, dass sie meistens nicht miteinander kombinierbar sind, sondern nur mit Zubehör (Einlagen etc.) der eigenen Firma funktionieren.

Hier eine gDiapers

Ein System mit Pouch sind die gDiapers: Eine weiche Überhose, in die eine Art Wanne – Pouch – eingeknöpft wird, in die wiederum die Einlage gelegt wird. Der erste Gedanke, als wir sie zum ersten Mal angefasst haben: „Das kommt mir auf keinen Fall an mein Baby! Das passt bestimmt nicht!“ Aber pflichtbewusst wie wir sind, haben wir es schließlich trotzdem mal versucht. Und siehe da, die gDiapers passten dem Baby-Popo wie angegossen. Schön schlank, nichts ging daneben, so dass wirklich immer nur die Einlage in die Wäsche wanderte. Bis zum nächsten Wachstumsschub war die gDiaper das System unserer Wahl. Doch dann begannen die Beinchen etwas breiter zu werden und das Bäuchlein etwas dicker und die Außenwindel begann, unschöne Abdrücke zu hinterlassen. Also, auf zum nächsten System!

Das haben wir durch Zufall gefunden, einfach nur, weil es in einer Gruppe günstig gebraucht angeboten wurde, wir es als erste gesehen haben und vom Raketenmuster absolut hingerissen waren: Die Pop-Ins von Close Parent. Wir wickeln immer noch damit und haben inwischen neue Einlagen und noch eine weitere Überhose. Die doppelten Beinbündchen schließen perfekt ab, die einköpfbare Einlage verrutscht nicht und die Verstärkung in der Mitte sorgt dafür, dass die Nässe dorthin läuft, wo sie hin soll, nämlich an die dickste Stelle.

Hier die Fragen, die wir uns noch zum Thema Stoffwindel gestellt haben:

Ist mein Kind ein „Vielpiesler“?

„Für Vielpiesler“ ist eine Phrase, die man in diversen Stoffwindel-Foren und -Gruppen oft liest und hört. Die Antwort findet man heraus, sobald man die ersten zwei Mal mit einer Stoffwindel gewickelt hat. Bei uns ein ganz großes JA!

Wie ist das mit Mädchen/Jungs?

Innenansicht von Überhosen mit Einlagen – rechts für Mädchen, links für Jungs gefaltet

Es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, wie zum Beispiel in der Stoffy-Welt. Nein, das heißt nicht, dass die Jungs blaue Überhosen bekommen und die Mädchen rosarote; vielmehr geht es um die Einlagen. Bei Jungs werden sie gefaltet und ans obere Ende der Windel gelegt, also Richtung Bauchnabel. Bei den Mädchen hingegen werden sie der Länge nach von vorne nach hinten eingelegt.

Und was ist mit Kacka?

Sehr gute Frage! Bei vollgestillten Babys muss man sich darum gar nicht kümmern. Die Waschmaschine spült es einfach weg. Kommt dann aber Brei bzw. Essen dazu, gibt es Windelvlies. Das kommt in die Windel, zwischen Einlage und Baby-Po, und wird, wenn voll, in der Toilette runtergespült. Schon fertig.

Läuft das nachts nicht aus?

Auch hierfür gibt es eine Antwort: Dem aufmerksamen Leser ist bestimmt nicht entgangen, dass in der Basic-Einkaufsliste auch eine Höschenwindel stand. Diese ist vollständig aus saugfähigem Stoff und wird in der Nacht getragen. Sie kommt meist mit einer einknöpfbaren Einlage. Weil sie ohnehin nur ein Mal verwendet wird und dann mitsamt Einlage in der Wäsche landet, ist hier die Tatsache, dass die Einlage nicht in andere Höwis passen, relativ egal. Über die Höwi muss eine wasserdichte Überhose, aus Stoff oder Wolle.

Und was ist bitteschön mit Feuchttüchern?

Ja, die machen auch viel Müll. Darum war der Schritt von Einweg-Feuchttüchern zum Selbermachen auch nicht groß und der Aufwand dafür erstaunlich klein. Wir haben einfach ein altes T-Shirt dafür zerschnitten. Die kleinen Tücher mit Wasser getränkt, schon fertig sind die Feuchtis.

Sich so viel Wäsche aufhalsen! Echt jetzt?

Ja! So viel ist es auch gar nicht…. kleiner Scherz. Ja, es ist viel Wäsche! Wir müssen die Windeln alle zwei bis drei Tage waschen. Aber dafür tun wir damit etwas Gutes und produzieren viel weniger Müll.

Welches Waschmittel ist geeignet?

Darüber gibt es so einige Diskussionen. Je nach Hersteller und Shop (oder auch Eltern, die man fragt….) werden unterschiedliche Waschmittel mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen empfohlen und bestimmte Waschmittel und Inhaltsstoffe für „böse“ erklärt. Was (fast) alle gemeinsam empfehlen: Duftstoffe, optische Aufheller, Chlorbleiche, Farb- und Konservierungsmittel und Weichspüler sollten nicht an die Stoffwindeln. Mit Öko-Waschmitteln ist man wahrscheinlich auf der sicheren Seite, die meisten scheinen Sonett, Ecover oder Frosch zu benutzen. TotsBots hat ein eigenes Waschmittel entwickelt, das natürlich auch funktioniert. Allerdings gibt es auch Mamis, die „ganz normal“ mit Persil etc. waschen und keine negativen Auswirkungen auf ihre Windeln festgestellt haben.

In einem sind sich aber (fast) alle einig: Benutzt man Überhosen aus Wolle, müssen diese natürlich mit Wollwaschmittel und im Wollgang der Waschmaschine gewaschen werden.

 

Unser Fazit:

Stoffwindeln sind auch was für „Fashionistas“

Man muss kein Öko sein, um Stoffwindeln zu lieben. Die Muster und Farben sind so hübsch, dass es Freude macht, sie am Baby zu sehen. Da ist auch der Sommer doppelt schön, wenn die lieben Kleinen mit nichts als der Windel bekleidet sind.

Man kann auch gut später einsteigen

Es rechnet sich auch noch, wenn man nicht gleich nach der Geburt mit Stoffwindeln anfängt. Wir haben es sogar als Vorteil empfunden, etwas später einzusteigen, denn man spart sich die Ausstattung für Neugeborene und kann gleich bei Größe 2 – One Size – einsteigen, die meistens von acht Kilo bis zum Töpfchenalter passt.

Jeder Baby-Po ist anders und jede Mama auch

Wer welche Systeme, Windeln etc. bevorzugt, ist individuell und nicht vorhersehbar.

Keine Kackplosionen mehr

Es stimmt wirklich! Seit wir mit Stoffwindeln wickeln, gab es keine einzigen unschönen, braunen Schmierereien mehr, sprich: Kein einziges Mal mehr ging was in den Body, das Shirt, die Hose – oder auf den Rücken. Toll!

Wichtigstes Accessoire: Wetbags

Nasstaschen sind echt praktisch und wichtig. Wir hatten anfangs nur zwei, eine größere für Zuhause, eine kleinere zum Mitnehmen und das waren mindestens zwei zu wenig. In den Wetbags werden die benutzten Windeln gesammelt und dann komplett in die Waschmaschine gekippt.

Hübsche Stoffwindeln von Bambino Mio

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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