Kita-Notbetreuung überfüllt: „Tagsüber spielen, nachts arbeiten – ich kann nicht mehr.“

Mitte/Ende April wurde die Notbetreuung der Kitas ausgeweitet. Das sollte Entlastung für mehr Familien bringen – theoretisch eine gute Sache! Praktisch allerdings hat das nicht überall geklappt.

Davon kann auch unsere Echte Mama Claudi (echter Name ist der Redaktion bekannt) ein Lied singen. Uns hat die 29jährige aus Ulm erzählt, warum sie nicht von der Notbetreuung profitiert, obwohl sie eigentlich ein Anrecht darauf hätte:

„Ich bin alleinerziehend und habe eine vierjährige Tochter. Sie geht, wie ja fast alle Kinder, seit Wochen nicht in die Kita. Und leidet darunter! Anfangs fand sie es noch toll, so viel Zeit mit mir zu haben. Ihr Vater kümmert sich null um sie, also sind wir beide uns unglaublich nah und alles, was wir an Familie haben. Ich arbeite 35 Stunden in der Woche und so haben wir unter der Woche normalerweise nicht superviel Zeit zusammen.

Die erste Woche war sie happy!

Dann fing sie an, ihre Freunde zu vermissen und die Kita. Dazu kam, dass ich oft eher gestresst war, so leid es mir auch tat! Denn im Hinterkopf war auch immer mein Job…

Ich habe zumindest das Glück, dass ich problemlos im Homeoffice arbeiten kann. Oder eher könnte – denn wann soll ich das denn machen, wenn ich mich um meine Vierjährige kümmern ,muss`? Sie kann sich schon kurz alleine beschäftigen. Aber eben nicht länger als eine Dreivietelstunde – wenn es gut läuft… In dieser Zeit habe ich aber gerade mal meine Mails abgearbeitet. Ich könnte sie natürlich vor dem Fernseher ,parken`, das tue ich auch – aber doch nicht Stunden über Stunden!

Als ich gemerkt habe, dass das alles so nicht klappt, habe ich zwei Wochen Urlaub eingereicht. Die hatte ich noch über. Diese vierzehn Tage waren herrlich! Und viel zu schnell vorbei.

Danach ging der Druck von Neuem los…

Und ich begann, zu arbeiten, wenn sie im Bett war. Weil sie aber so aufgewühlt von der ganzen Situation war, schlief sie selten vor 21 Uhr ein. Ihr könnt euch also meine Arbeitszeiten ausrechnen.

Dann kam die Information, dass die Notbetreuung ausgeweitet werden soll. Auch Alleinerziehende hätten jetzt Anspruch. Mir fiel ein Stein vom Herzen!

Meine Tochter würde wieder einen Teil ihrer Freunde sehen und ich würde tagsüber arbeiten können, nachmittags mit ihr spielen,  – ganz ohne Druck – und nachts schlafen!

Ich rief in unserer Kita an und wollte alles besprechen.

Da war es auch schon wieder vorbei mit meiner Erleichterung. Unsere Kita ist eher klein und noch dazu dürfen nicht alle Erzieherinnen arbeiten, weil einige von ihnen zur Risikogruppe gehören… Kurzum: Es waren keine Plätze in der Notbetreuung mehr frei! Schon jetzt nicht, bevor die Erweiterung überhaupt in Kraft getreten war!

Ich konnte es kaum glauben.

Es wurde kurz überlegt, ob meine Tochter in eine andere Kita gehen dürfte, aber das hat sich dann zerschlagen. Und ganz ehrlich, gut hätte ich das auch nicht gefunden. Es ist gerade sowieso alles so verwirrend für sie, da wäre eine fremde Gruppe mit fremden Erzieherinnen in fremden Räumlichkeiten sicher der Super-GAU gewesen…

Und so arbeite ich weiterhin hauptsächlich nachts.

Und schlafe dann ein paar unruhige Stunden, bis mein Schatz frühmorgens in mein Bett klettert und mich wachkuschelt.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich auf dem Zahnfleisch gehe!?

Und jetzt soll die Notbetreuung noch weiter ausgebaut werden? Das ist an sich eine gute Idee, aber… Ich kann darüber nur müde (im wahrsten Sinne des Wortes) lächeln… Denn zumindest in meiner Kita muss es wohl keiner probieren, sein Kind unterzubringen.“

Liebe Claudi, wir danken dir ganz herzlich für deinen Bericht und wünschen dir viel Kraft für die nächste Zeit.

Sagt mal … hat jemand von euch etwas ähnliches erlebt? Erzählt doch mal!

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Geht mir auch so! Sohn 2 Jahre, Arbeit im homeoffice aber geht natürlich tagsüber nicht. Mittagsschlaf hat er sich jetzt auch abgewöhnt… arbeite zum Glück nur 24h/Woche, schaffe mit Abendarbeit/Nachtarbeit meist so 20… leider ist er auf jeden Morgen so um 5:30/6:00 wieder wach. 35 Stunden! Du Arme. Das geht doch gar nicht.
    Ich halte auch nur durch weil es nicht anders geht. Alles Liebe und viel Kraft.

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