Kindergeburtstag: Bekommt das Geschwisterkind auch ein Geschenk?

Wenn ein Kindergeburtstag ansteht, gibt es einige Entscheidungen, die Eltern treffen müssen. Was gibt es zu essen? Wie viele Kinder dürfen kommen – und wie bespaßt man die kleine Mannschaft? Wenn du mehrere Kinder hast, musst du natürlich auch berücksichtigen, wie du das Geschwisterchen in den Geburtstag integrierst. Und dabei bin ich auf eine interessante Frage gestoßen: Sollte das Geschwisterkind auch ein Geschenk erhalten, damit es beim Auspacken nicht nur zugucken muss?

Unter Eltern wird das hitzig diskutiert.

Wir haben nämlich nicht nur eine Psychologin zu dem Thema befragt, sondern auch Mamas aus unserer Community über unsere Facebook-Seite, was ihr darüber denkt. Das sind ein paar der Antworten, die wir gesammelt haben:

„Der Geburtstag ist der einzige Tag im Jahr, an dem es ausschließlich um das eine Kind geht und ich finde, dass es was Besonderes sein soll. Daher wollte ich das auch nie, dass dann meine anderen auch was bekommen.”

„Wir haben es, als die Kinder noch jünger waren, so gemacht. Das Geburtstagskind stand im Mittelpunkt und das Geschwisterkind bekam eine ‚Kleinigkeit‘. Wir haben es irgendwann ausschleichen lassen. Ich fand es schön und würde es wieder so machen.”

„Kinder müssen lernen, dass auch mal andere Kinder dran sind. Ich schenke meinem Kind auch nichts, wenn es bei einem anderen Kind zum Geburtstag eingeladen ist.”

„Wenn eine von den Töchtern (5 und 3) meiner Freundin Geburtstag hat, bekommt die andere auch was. Ich mag es nicht, wenn das eine Kind so viel bekommt und die andere Maus muss zusehen. Neeee!”

Die Meinungen gehen also auseinander, wir haben deswegen noch mal eine Expertin gefragt, ob sie diese Frage für uns einordnen kann.

Das sagt Psychologin Claudia Schwarzlmüller dazu

Claudia Schwarzlmüller begleitet seit 20 Jahren als Diplom-Psychologin für Kinder und Jugendliche Familien und Pädagogen in ihrem Leben und ihrer Arbeit mit Kindern. Sie weiß Rat:

„Dein Kind hat viele schwierige Jobs zu erledigen im Laufe seiner Entwicklung. Einer davon ist: Den Umgang mit Frust zu erlernen. Frustrationstoleranz nennt sich das und es gehört zu den schwierigsten Dingen für dein Kind. Es muss leider einfach lernen, die Vergeblichkeit des Lebens zu akzeptieren. Es klappt nicht immer alles und es werden nicht alle meine Wünsche erfüllt. Wie gehe ich damit um? Wie lerne ich, das Gefühl im Körper auszuhalten? Was sieht ein konstruktiver Weg zum Umgang mit Frust aus? Es dauert einige Jahre, bis dein Kind den Umgang langsam erlernt.

Darum ist es sehr gut, dass das Leben so viele Frustmomente zur Verfügung stellt. Jeder Frustmoment ist eine neue Möglichkeit zum Lernen. Achte auf ein Gleichgewicht, einige Frustmomente milderst du ab, aber bitte nicht alle, bei vielen geht es einfach darum, den Frust des Kindes zu begleiten. Mehr möchte dein Kind gar nicht von dir, denn es möchte den Umgang mit Frust gerne lernen.”

Hm, das klingt so, als sei es ein Fehler, wenn man dem Geschwisterkind am Kindergeburtstag ebenfalls ein Geschenk überreicht. Müssen jetzt alle Mamas, die es bisher so gemacht haben, ein schlechtes Gewissen haben?

Doch da kann die erfahrene Psychologin beruhigen:

„Zu deiner Entlastung: Es gibt keine Wenn-Dann-Verbindungen in der Erziehung. Es wird, leider auch von Experten, sehr oft der Eindruck erweckt: Wenn du dies tust, dann entsteht später das. Aber so funktionieren Menschen nicht. Es gibt immer mehrere Faktoren, die ein Verhalten bedingen und das Leben ist sehr komplex. Dein Kind hat im Laufe seines Lebens sehr viele verschiedene Einflüsse.

Wenn dir also jemand sagt: ‚Wenn das Kind jetzt ein Geschenk zum Geburtstag des Geschwisterkindes bekommt, dann wird es noch im Job auf der Geburtstagsparty des Kollegen weinend den Chef um ein eigenes Geschenk anflehen‘ – vergiss es. Entspann dich.

Es ist deine Entscheidung, du triffst sie aus dem jetzigen Moment heraus und wenn du dich jetzt sozusagen für dich entscheidest und sagst: ‚Ich kann heute die Emotionen des Geschwisterkindes einfach nicht aushalten‘ – dann solltest du das ohne schlechtes Gewissen tun und die Angst vor weitreichenden Folgen musst du nicht haben.

Mit dieser Antwort hast du hoffentlich mehr Klarheit, wie du zukünftig mit Geschenken für das Geschwister umgehen möchtest. Vielen Dank an unsere Expertin, dass sie diese Frage für uns geklärt hast. Claudia Schwarzmüller hat übrigens auch ein tolles Buch geschrieben, dass wir an dieser Stelle gerne empfehlen möchten: „Die Kinderdolmetscherin – was dein Kind fühlt, denkt und wie du damit umgehst“*.

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach! Bevor ich bei Echte Mamas gelandet bin, habe ich Literatur und Medienwissenschaften studiert und nebenbei in einer Agentur als Texterin gearbeitet. Danach habe ich im Lokaljournalismus angefangen und sogar mit meinem Team den „Vor-Ort-NRW-Preis” gewonnen. Die große Nähe zu Menschen und Lebensrealitäten habe ich dort lieben gelernt und das lasse ich jetzt in unsere Echten Geschichten einfließen. Die sind mir nämlich eine Herzensangelegenheit, genauso wie die Themen Vereinbarkeit, Female Empowerment und Psychologie.

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