Unbewusst natürlich, denn keiner will ihnen ja auch nur annähernd etwas Böses – im Gegenteil.
Deswegen war das lange eine echte Zwickmühle für mich. Ich hasse es nämlich eigentlich, jemanden vor den Kopf zu stoßen. Und dann noch meine eigene Familie!
Und ja, aus Erwachsenensicht ist es natürlich auch kein großes Thema, Oma mal kurz zu umarmen, wenn diese mit vielen Geschenken ankommt – sie freut sich doch so! Und der Tante ein schnelles Bussi zur Begrüßung geben? Jetzt auch nicht sooo schlimm…
Aber, ganz ehrlich: Was gebe ich meiner Tochter denn für eine Vorstellung von (körperlicher) Zuneigung und Berührungen mit, wenn ich sie um der Harmonie willen dazu dränge, Küsschen zu verteilen? Sanft, aber bestimmt mein Kind zu Umarmungen zwinge? Niemals sollte sie im Hinterkopf haben, dass sie jemandem körperliche Zuneigung schuldig ist – ob nun heute der Tante, weil sie sie lange nicht gesehen hat oder aber später einem Mann, der ihr Abendessen bezahlt hat. Denn das ist es sicher nicht, was ich meiner Kleinen für ihr Leben wünsche!
Und genau deshalb habe ich es tatsächlich geschafft, über meinen Schatten zu springen.
Ich missachte meine Harmoniesucht, die Angst, dass sich jemand nicht 100 Prozent glücklich fühlen könnte. Denn die einzige Person, für deren Glück und Seelenheil ich wirklich verantwortlich bin, ist doch meine kleine Tochter!
Sie soll lernen – und vielleicht eher und besser, als ich es früher getan habe – dass allein sie und ihre Gefühle entscheiden, wen sie umarmen und küssen möchte. Sind das einige unserer Verwandten und Freunde: Okay! Sind das aber kaum Familienmitglieder oder sogar niemand? Auch okay!
Tatsächlich sind sich Experten sicher, dass die Möglichkeit, ihre Zuneigung frei und nur selbstgewählt zu verschenken, schon kleine Mädchen stark macht gegen Missbrauch. Denn wenn sie damit aufwachsen, dass körperliche Nähe immer (!) ihre Einwilligung braucht, verstehen sie ihre Rechte und spüren schneller, wenn ihre Grenzen überschritten sind.
Kinder zur Umarmung zwingen: Dieses Weihnachten sind wir gewappnet.
Denn meine Tochter und ich haben in Ruhe besprochen, dass sie niemanden küssen muss – auch, wenn jemand dann schmollt. Auch, wenn die Gesichter verzogen werden.
Und für die ganz empfindsamen Gemüter unter unseren Verwandten haben wir gemeinsam „Ersatz“ entwickelt: Meine Tochter kann sich prima mit einem High-Five, einem strahlenden Lächeln oder auch einem „Wie schön, dass du da bist!!!“ arrangieren.
[…] eine Umarmung kann die Grenzen eines Menschen, egal, ob klein oder groß, überschreiten. Ein Kind darf immer […]
[…] unsere Mäuse? Die sind fix und fertig. So ein Hin und Her. So viele wangentäschelnde Hände. So viele Geschenke, die sie ausreichend beachten müssen… Kinder sind nun mal echte […]