Kinder unerwünscht: Vermieterin fordert Untersuchung beim Frauenarzt

Eine passende Mietwohnung zu finden, wird in vielen Städten immer mehr ein Ding der Unmöglichkeit. Vermieter können deswegen hohe Ansprüche an die künftigen Mieter stellen. Doch das, was uns Julia aus Berlin erzählt hat, ist wirklich nicht zu fassen! Sie wurde von einer Vermieterin aufgefordert, mit einer Untersuchung nachzuweisen, dass sie nicht schwanger ist. Andernfalls wird nicht mal eine Einladung zur Besichtigung ausgesprochen.

Kinder in Mietwohnungen immer wieder unerwünscht

Diejenigen, die eine Wohnung vermieten, sind oft in der besseren Position, als diejenigen, die verzweifelt eine Wohnung suchen. Besonders für Familien mit kleinen Kindern ist es schwer, etwas Passendes zu finden. Das beweisen auch öffentlich gewordene Fälle, bei denen ein Kind in der Mietwohnung zum Kündigungsgrund wurde oder Menschen mit Kindern oder gar einem Kinderwunsch gar nicht erst zur Wohnungsbesichtigung zugelassen werden.

Letzteres ist auch Julia aus Berlin passiert. Gemeinsam mit ihrem Partner sucht die 31-Jährige eine Wohnung in Berlin. Kein leichtes Unterfangen, aber schließlich fällt ihr eine Anzeige bei Ebay-Kleinanzeigen ins Auge: 60 Quadratmeter, drei Zimmer und die Miete immerhin bezahlbar. Die Vormieterin hat die Announce online gestellt, sie gibt Julia die E-Mail-Adresse der Vermieterin.

Für einen Besichtigungstermin wird Julia zum Frauenarzt geschickt

Julia schreibt direkt an die E-Mail-Adresse, gibt grobe Auskünfte über ihre Lebensumstände und bittet um einen Besichtigungstermin. Sie weiß, dass es schwer ist, überhaupt eingeladen zu werden. Aber mit der Antwort, die dann kommt, hat sie auf jeden Fall nicht gerechnet!

Nur etwas mehr als 20 Minuten braucht die angebliche Vermieterin, um zu reagieren. In der uns vorliegenden E-Mail schreibt sie, dass die Wohnung sich in einem „kinderfreien“ Mietshaus befindet: „Da die Nachfrage trotzdem hoch ist, müssen Bewerber/innen sich einmal bei der von uns beauftragten Ärztin, Dr. (…), vorstellen und nachweisen, dass keine Kinder unter 2 Jahren mit einziehen und bei Einzug keine Schwangerschaft besteht.

Ein solches Verhalten ist diskriminierend und „sittenwidrig“

Dann folgt eine E-Mail-Adresse der Ärztin, an die sich Julia für geforderte Untersuchung wenden soll. Die 31-Jährige ist schockiert. „Das ist für mich einfach nur frauenfeindlich. Es geht ja richtig an meinen Körper. Einfach nur unfair, was Vermieter sich rausnehmen.“ Ihrem Frust macht die junge Frau zunächst auf ihrem Instagram-Kanal Luft. In einer Story teilt sie Auszüge der Antwort der Vermieterin. Sie erhält viele wütende Reaktionen und entscheidet sich, online eine Anfrage bei der Polizei zu stellen und den Fall an den Mieterschutzbund weiterzuleiten.

Dass Julias Empörung berechtigt ist, zeigt ein ähnlicher Fall in Hamburg. Dazu äußerte sich Siegmund Chychla, Geschäftsführer und Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Er stellte klar: „Das ist sittenwidrig und diskriminierend gegenüber Menschen, die Kinder haben oder bekommen wollen.“ Außerdem sei eine solche Forderung ein unzumutbarer Eingriff in die Privatsphäre der Bewerberinnen.

Verzweiflung der Wohnungssuchenden überwiegt

Das empfindet zwar eigentlich auch Julia so, doch zunächst überwiegt ihr verzweifelter Wunsch, endlich eine neue Wohnung zu finden. Sie antwortet der Vermieterin und erklärt, dass sie einer solchen Untersuchung auf keinen Fall zustimmen würde, aber sich freuen würde, wenn sie und ihr Partner trotzdem zu einer Besichtigung eingeladen werden. Sie versichert, dass sie nicht schwanger ist.

Eine Antwort hat die 31-Jährige darauf bisher nicht erhalten, inzwischen bereut sie die zweite E-Mail. „Wir suchen zwar dringend eine Wohnung, aber eigentlich will ich nirgendwo einziehen, wo die Menschen dermaßen kinderfeindlich sind.“ Mittlerweile bezweifelt sie, ob sie sich in einem solchen Haus jemals wohlfühlen könnte.

Die Anzeige ist inzwischen offline

Die Polizei hat Julias Anfrage inzwischen geprüft. Sie bekam Rückmeldung von einer sehr verständnisvollen Frau, der leider die Hände gebunden waren. Aus polizeilicher Sicht könne man nichts tun, es fehle eine rechtliche Grundlage für eine Anzeige. Julia bekommt aber den Tipp, den Fall auch an das Wohnungsamt weiterzuleiten.

Was bleibt sind offene Fragen, denn es ist unklar, was hinter der Anzeige steckt, die inzwischen offline ist. Diente sie womöglich nur als Mittel, um Daten abzugreifen oder, um an freizügiges Fotomaterial von Frauen zu kommen? Das wurde zumindest bei einem ähnlichen Fall vermutet. Für Julia geht die Wohnungssuche derweil in die nächste Runde: „Ich freue mich über Angebote, gerne in einem kinderfreundlichen Haus“, erzählt sie halb im Spaß, halb ernstgemeint.

Lena Krause

Als Wahlhamburgerin könnte ich mir keine schönere Stadt vorstellen, um dort zu leben. Gemeinsam mit meinem kleinen Hund Lasse bin ich gerne im Grünen unterwegs und erkunde die vielen tollen Ecken Hamburgs. Das Schreiben hat mir schon immer Spaß gemacht und deswegen war für mich schnell klar, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen möchte.

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