Kinder: Trauer ums Haustier – so können Eltern helfen

Hund, Katze, Maus. Hamster, Vogel, Meerschweinchen. Haustiere sind Familienmitglieder. Für Kinder sind sie oft die besten Freunde, Kuschelpartner, Beschützer und Geheimnisträger. Doch irgendwann ist es soweit und die Familie muss ihr Tier gehen lassen. Gerade für die Kleinsten bricht dann eine Welt zusammen. Eine Situation, die auch unsere Gastautorin Tamara Tavella kennt. Durch den Tod ihres Familienhundes kam die Künstlerin zu ihrem Thema: Was tun, wenn Kinder Trauer um ihr Haustier aushalten müssen?

„Geschwisterliebe“ von Tamara Tavella

„Geschwisterliebe“ von Tamara Tavella

„Viele Kinder bauen zu ihren Haustieren wahre Freundschaften auf. Wenn der geliebte Vierbeiner dann stirbt, trauern Kinder natürlich besonders.

Doch wie soll man sich als Elternteil verhalten, wenn das Unaufhaltsame geschieht?

Unser Hund war gerade 14 Jahre alt geworden, als er plötzlich nicht mehr Laufen konnte. Ich war darauf vorbereitet, so gut man es eben sein kann, dass unser Sammy nicht mehr ewig bei uns bleiben würde. So trat ich ihn an, den letzten Weg, mit unserem geliebten Hund, und fuhr zum Tierarzt um ihn dort einschläfern zu lassen.

Die Trauer meines vierjährigen Sohnes überrumpelte mich damals. Ich musste lernen, dass Kinder anders trauern. Meine Erfahrungen möchte ich nun gerne weitergeben:

7 Tipps, wie Eltern ihre Kinder durch die Trauer um ihr Haustier begleiten können:

1. Die Trauer des Kindes ernst nehmen

Egal ob es sich um den geliebten Hund, das Kaninchen oder den kleinen Hamster handelt. Je inniger die Beziehung zwischen Kind und Tier war, desto größer ist die Trauer.

Da ist es völlig egal, wie groß das Tier war.

Nimm die Trauer deines Kindes ernst und zeige Verständnis. Auch wenn es für dich bedeutungslos scheinen mag. Dein Kind hat gerade einen Freund verloren.

„Spielerei“ von Tamara Tavella

„Spielerei“ von Tamara Tavella

2. Abschied nehmen vom geliebten Haustier

Wenn du, wie ich, den Weg zum Tierarzt antreten musst, um euer Haustier einschläfern zu lassen, lass dein Kind sich verabschieden. Beschönige nicht die Situation, sondern erkläre so gut es geht, dass du nun im Sinne des Tieres handeln musst, um es zu erlösen. Erläutere ganz klar, dass es dem Tier schlecht geht, es große Schmerzen hat und es besser ist, es sterben zu lassen.

Ob man das Kind beim Einschläfern dabei lassen möchte, oder lieber nicht, kommt ganz auf das Kind an. Ist es alt genug, kannst du es ganz einfach fragen. Manchen hilft es, das Tier sterben zu sehen.

3. Trauerrituale für das Kind

Es kann helfen, eine kleine Erinnerungsecke z.B. mit Fotos und Blumen einzurichten und eine Kerze anzuzünden. Auch kann es für das Kind schön sein, zusammen einen Brief an das verstorbene Tier zu schreiben, oder ein Bild zu malen. Eine kleine Bestattung, auch wenn sie nur fiktiv (also ohne echten Leichnam) stattfindet, kann genauso hilfreich sein, um den Abschied zu erleichtern. Alles, was Eltern einfällt, ist völlig legitim – solange es Kinder besser durch die Trauer ums Haustier bringt.

„Seelentröster Hund“ von Tamara Tavella zeigt, dass ein Haustier ein großer Trost für Kinder in Trauer sein kann.

„Seelentröster“ von Tamara Tavella zeigt, dass ein Haustier ein großer Trost für Kinder in Trauer sein kann.

4. Geduld aufbringen und Gefühle zulassen

Kinder trauern anders als Erwachsene. Die Trauer tritt in Schüben auf und kann immer wieder mal herausbrechen. Dabei muss das Kind nicht unbedingt weinen oder sich zurückziehen. Nein, auch Wut oder Verlustängste können auftreten und einen als Elternteil ganz schön fordern. Manche Kinder suchen einen Schuldigen. Mein Sohn z.B. gab mir die Schuld für den Tod unseres Hundes, da ich diejenige war, die ihn wegbrachte.

Genauso kann es sein, dass es den Anschein macht, das Kind trauere gar nicht. Mit Geduld und Verständnis, auch dem Spiegeln von Gefühlen, kann man seinem Kind helfen. Solltest auch du trauern, dann zeige dies ruhig. Weint zusammen und haltet euch gegenseitig. Das wird euch beiden gut tun.

5. Reden, reden, reden

Manchmal meinen Kinder, sie hätten den Tod verursacht, weil sie Böses gedacht oder getan hätten. Unbedingt sollte man über den Tod sprechen und immer wieder nachfragen, wie sich das Kind fühlt, damit gerade solche Schuldgefühle nicht unbemerkt aufkommen können. Jedoch solltest du es nicht zum Reden zwingen.

Unser Sohn wollte lange nicht reden bzw. verstand er wohl selbst nicht so wirklich,  warum er sich nun so fühlte. Ich hatte ihn nicht gedrängt, sondern es einfach immer wieder sanft angesprochen, bis die Zeit gekommen war und es aus ihm herausbrach.

Beantworte alle Fragen ganz ehrlich und versuche den Tod altersgerecht zu erklären. Vermeide Ausdrücke wie „Einschlafen“, denn dein Kind könnte dann Angst vor dem Schlafengehen entwickeln.

Für Opa Tiere und Kinder von Tamara Tavella

„Für Opa“ von Tamara Tavella

6. Ehrlichkeit gegenüber dem Kind

Mit dem Tod sollte ehrlich umgegangen werden. Man sollte Kinder nicht belügen, um ihnen die Trauer ums Haustier zu ersparen. Es ist wichtig, dass man ihnen die Chance gibt, zu lernen damit umzugehen. Auch wenn es schmerzhaft ist. Ein ähnlich aussehendes Ersatztier zu holen und den Tod zu verheimlichen, ist nicht ratsam.

7. Ein neues Tier als Ersatz für das verstorbene?

Abgesehen davon, dass ein neues Tier das alte niemals ersetzen könnte und Trauer Zeit und Raum braucht, ist es von Kind zu Kind unterschiedlich, ob ein neues Haustier angebracht sein könnte oder nicht. Am besten man spricht mit der ganzen Familie, ob und wann die Zeit reif ist, sich nach einem neuen Haustier umzusehen. Nicht um die Trauer zu verdrängen, sondern sich einfach zusammen wieder freuen zu können mit und über ein neues Haustier.

Man möge nun denken, es wäre besser sich die ganze Sache zu ersparen und dem Kind kein Haustier mehr anzuschaffen. Doch es würde ja so viel Freude und innige Liebe dadurch verpassen.

Der Tod gehört zum Leben. Auch wenn es nicht schön oder einfach ist. Unsere Kinder lernen, damit umzugehen.“

 

 

Tamara Tavella hat durch eigene Erfahrungen „ihr“ Thema gefunden: Kinder durch die Trauer um ihr Haustier zu begleiten. Foto: privat

Tamara Tavella hat durch eigene Erfahrungen „ihr“ Thema gefunden: Kinder durch die Trauer um ihr Haustier zu begleiten. Foto: privat

Über die Autorin Tamara Tavella:

Ich bin Zweifachmama und Künstlerin. In unserer Familie spielen Tiere eine wichtige Rolle. Durch den Tod unseres geliebten Golden Retrievers, fand ich zu meinem Thema und male nun herzerwärmende Momente zwischen Kindern und Tieren.  Ich halte Erinnerungen fest, die uns berühren und viel zu schnell vorüberziehen. Ich konnte für mich und meine Kinder durch meine Kunst unseren Hund wieder ein Stück weit in unsere vier Wände bringen. Er ist vielleicht physisch nicht mehr da. Im Herzen wird er aber für immer bei uns sein.

www.tamaratavella.com

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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Kommentare

  1. Es ist traurig für die ganze Familie, wenn das Haustier stirbt. Unser Hund ist vor kurzem gestorben, deswegen sind die Kinder noch sehr eintäuscht. Ich erkläre ihnen, dass ihn nicht mehr schlecht geht, und dass er keine Schmerzen mehr hat. Danke für die anderen Tipps zur ähnlichen Situation!

  2. Gerade die Coronazeit war für unsere 4 Kinder sehr schwer, deshalb haben sie sich so über unseren kleinen Kater gefreut. Sie haben ihn mit ins Bett genommen und sogar vorgelesen.Leider wurde er nur 19 Wochen alt. Wir wohnen abgelegen und verkehrsberuhigt und trotzdem passierte es. Er wurde überfahren. Leider haben es die Kinder auch noch live gesehen! Die Trauer ist riesen groß und bei allen 4 anders. Wir haben ihn ein Grab gemacht. Die Kinder haben so schöne Sachen gemacht. Sie haben ein Kreuz gezimmert mit Schriftzug drauf, haben eine große Steinplatte bemalt und rings um Blumen hingelegt. Mein 2 Jähriger hat sogar später noch ein buntes Windrad in die Erde gesteckt. Natürlich weinen sie noch immer und ich mit, aber Abschied ist so wichtig und man sollte sie mitwirken lassen.

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