Kinder müssen eigene Erfahrungen machen – und auch mal scheitern

Kinder lieben es, neue Sachen zu entdecken und können sich stundenlang mit Kleinigkeiten beschäftigen – bis die Eltern kommen. Das sagt Hirnforscher Gerald Hüther, der davon überzeugt ist, dass Eltern ihren Kindern einen wichtigen Teil der Kindheit kaputtmachen und zerstören: ihre natürliche Neugierde. Sein Credo: Kinder müssen eigene Erfahrungen machen dürfen!

Er verweist dabei auf ein spannendes Experiment, das im Jahr 2011 durchgeführt wurde. Dabei gaben Wissenschaftler Kindern ein Spielzeug, das aus verschiedenen Teilen bestand und einige Funktionen hatte: ein Teil hatte einen versteckten Spiegel, eines konnte Musik machen, eines hupen und eines leuchten.

Erwachsene denken oft nur, dass sie helfen

De Kinder bekamen das Spielzeug in die Hand und dann ging es los. Sie durften entdecken und machen, was sie wollten. Das heißt, die eine Hälfte. Bei der anderen unterbrach nach kurzer Zeit ein Erwachsener das Spiel und zeigte, wie die Hupe funktioniert. Diese Kinder entdeckten in der Folge keine weiteren Funktionen, sondern wiederholten immer wieder, was man ihnen gezeigt hatte. Die anderen Kinder hingegen hatten am Ende selbst mehrere Funktionen entdeckt.

Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass es besser wäre, wir Eltern würden unseren Kindern öfters freie Hand lassen und nicht versuchen, ihnen zu helfen.

Kinder haben eine angeborene Entdeckerfreude – bis irgendwann jemand kommt und ihnen sagt, was sie jetzt machen sollen“, so Gerald Hüther, Autor des Buches „Rettet das Spiel!“

Dann gibt es nämlich zwei Möglichkeiten: 1. Sie machen nicht, was man ihnen sagt und es kommt zum Streit. 2. Sie machen, was man ihnen sagt und das kann noch fataler sein als 1. Weil es dazu führt, dass Kinder NUR noch das machen, was man ihnen sagt. Sie hören auf, selbst nach Lösungen zu suchen, und damit hören sie auch auf, tatsächlich zu lernen.

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Kinder wollen eigene Erfahrungen machen

Wie schon Konfuzius sagte: „Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere mich. Lass es mich tun und ich verstehe.“ Diesen Grundsatz hat Maria Montessori aufgegriffen und auch ihre Pädagogik geht von derselben Theorie aus: „Hilf mir, es selbst zu tun. Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen“, schreibt sie als die „Bitte eines Kindes an Maria Montessori“.

Darin sind sich viele Pädagogen und Wissenschaftler einig, nur für uns Eltern ist das manchmal sehr schwierig. Wir tun uns schwer damit, unseren Kindern NICHT den (unserer Meinung nach) besten Weg zu zeigen, sondern sie selbst herausfinden zu lassen, was für sie funktioniert. Noch schwieriger ist es, uns zurückzuhalten, wenn Kinder Fehler machen oder kurz davon sind, Fehler zu machen. Doch nur aus diesen können sie lernen, und das auch nur, wenn wir sie nicht davon abhalten. Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen.

Es darf auch mal weh tun

Besonders schwierig ist das, wenn es um Körperliches geht. Natürlich dürfen und sollen wir unsere Kinder davon abhalten, sich das Genick zu brechen. Aber hinzufallen, sich zu stoßen, sich mal wehzutun ist gar nicht das größte Drama für Kinder. Nur indem sie sich selbst in (für Erwachsene überschaubare) Gefahr begeben und sich und ihre Grenzen austesten dürfen, lernen sie ebendiese kennen.

Wenn sie nie erfahren, was passiert, wenn sie vom Hocker fallen, dann werden sie wohl ewig darauf herumzappeln und wir sie ewig ermahnen, ruhig zu bleiben.

Mutter schimpft mit Tochter. Lieber einfach mal machen lassen...

Ständiges Ermahnen und Schimpfen hemmt unsere Kinder. Foto: Bigstock

„Das Kind darf nicht das Objekt elterlicher Bemühungen werden, sondern es sollte unter liebevoller Begleitung losgelassen werden. Damit es sich die Welt selbst erschließen und seine Handlungskompetenzen selbst erwerben kann“, erklärt Hüther gegenüber Focus online. „Es kann kein Kind lernen, wie man aufsteht, wenn es nie hinfällt.“ Also: Kinder einfach mal machen lassen.

Indem wir das Hinfallen erlauben, schenken wir unseren Kindern außerdem eine weitere wichtige Lernerfahrung: das Umgehen mit Frustration. Schließlich läuft es im Leben nie so wie geplant, doch wenn wir als Kind nicht gelernt haben, unsere negativen Emotionen zu ertragen und sie vielleicht sogar in Alternativen umzuwandeln, wird das Leben kaum noch zu ertragen.

Das beste Erziehungskonzept ist also, so wenig wie möglich zu erziehen. Besser ist es, das Kind zu begleiten, es Fragen stellen zu lassen und ihm nur dann zu helfen, wenn es das wirklich von sich aus möchte – um es die Kindheit in vollen Zügen genießen zu lassen.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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