Mein Kind lässt sich nicht anziehen, was kann ich tun?

Kennt ihr das auch? Es ist morgens und ihr wollt mit dem Kind noch in Ruhe frühstücken, bevor ihr euch auf den Weg zu Kita und Arbeit macht. Eigentlich seid ihr ganz entspannt. Und dann – wird das Kind bockig und lässt sich nicht anziehen. Vorbei ist es mit der Ruhe und Gelassenheit, denn irgendwann entsteht Zeitdruck.

Wir haben mit Imke Dohmen von Mutterhelden zu dem Thema gesprochen. Warum so viele Kinder sich plötzlich weigern, Hose, Strümpfe oder Jacke anzuziehen, und was du in dem Fall tun kannst, erklären wir dir hier.

Warum lässt mein Kind sich nicht anziehen?

Meistens reicht ein Geräusch aus, um mich innerlich zusammenzucken zu lassen. Wenn meine Tochter (4) morgens kurz aufheult, weiß ich, es geht wieder los – mein Kind lässt sich nicht anziehen. Plötzlich sind die Strümpfe zu eng, die Hose rutscht, das T-Shirt drückt und mit der Mütze sind die Haare so komisch. Und überhaupt, die Jacke findet sie sowieso schon immer doof. Alle Versuche, ihr gut zuzureden, sind zwecklos. Und irgendwann stehe ich vor dem Problem, dass ich zu spät zur Arbeit komme, wenn wir jetzt nicht losfahren.

Unter Zeitdruck ist es leider (zu) oft dann vorbei mit meiner Gelassenheit. Wenn ich ehrlich bin, habe ich sie schon ohne Strümpfe, Jacke und Mütze ins Auto getragen. Mit dem Ergebnis, dass sie sich nicht anschnallen ließ, und wir eh nicht losfahren konnten. Dabei weiß ich, dass ich es ihr in dem Moment eigentlich gar nicht rechtmachen kann. Und dass es im Grunde oft auch nicht um die Klamotten geht. Denn häufig stecken völlig andere Gründe dahinter, wenn ein Kind sich nicht anziehen lässt:

1. „Mama, ich brauche dich“

Imke Dohmke von mutterhelden.de bietet Kurse und Coachings für uns Mamas an. Sie erklärt: „Hinter kindlicher Weigerung oder Nicht-Einsicht in das von uns Verlangte steht ein unerfülltes Bedürfnis, das das Kind im Moment nicht anders artikulieren kann als durch Wut und Geschrei. Es ist ein Alarmsignal an uns Eltern: Unser Kind braucht uns jetzt besonders dringend! Es braucht unsere Liebe, unsere Aufmerksamkeit, unsere Nähe, unser Verständnis. Deswegen bringen Diskutieren, Reden, Beschwichtigen, Ablenken, gar Schimpfen überhaupt nichts. Im Gegenteil: jeder Versuch, das Kind verbal zu überzeugen oder auf es einzureden, führt zu größerer Wut, ganz bestimmt aber nicht zur Einsicht und braven Ausführung des elterlich als notwendig Erachteten.“

2. Dein Kind ist überfordert und braucht einen Ausgleich

Aufstehen, Waschen, Zähne putzen, Frühstücken und und und: Für unser Kind ist der Start in den Tag meistens genau durchgetaktet. Dabei gibt es viele Dinge, die es tun MUSS, obwohl es eigentlich viel lieber andere Dinge machen würde. Wenn es einiges davon erledigt hat, möchte es sich (verständlicherweise) irgendwann lieber Dingen zuwenden, die es gerne tun, und die ihm Spaß machen – Spielen zum Beispiel.

Stehen wir Mamas dann vor ihm, zeigen hektisch auf die Uhr und legen die Klamotten bereit, stellen wir häufig fest – das Kind lässt sich nicht anziehen. Und das ist kein Wunder, denn unseren Kleinen fehlt in dem Moment der Ausgleich. Sie haben das Gefühl, dass sie ganze Zeit kooperieren müssen und nichts von dem tun dürfen, was sie gern tun würden. Deshalb ist es wichtig, einen Ausgleich zwischen beiden Bereichen zu schaffen. Sorge am besten dafür, dass deinem Schatz morgens auch Zeit zum Spielen zur Verfügung steht.

3. Zeitdruck sorgt für Stress

Zeit ist ein gutes Stichwort, denn auch Zeitdruck kann bei deinem Kind soviel Stress auslösen, dass es sich nicht anziehen lässt. Wenn es merkt, dass Mama permanent gestresst ist, hektisch durch die Wohnung läuft und ihm ständig sagt, was es als nächstes tun soll, fühlt es sich schnell überfordert.

4. Die Klamotten sind schön – aber unbequem

Wenn du merkst, dein Kind lässt sich nicht anziehen, kann das aber auch ganz einfache Gründe haben. Vielleicht sehen die Sachen, die du rausgelegt hast, zwar niedlich aus, sind aber einfach unbequem. Ein Schild kratzt, ein Knopf drückt, dein Kind kann sich damit nicht richtig bewegen – am besten schaust du einmal nach, ob das einer Gründe dafür sein kann, dass dein Schatz sich nicht anziehen mag.

5. Die neue Hose gefällt deinem Kind nicht

Ganz ehrlich, wie oft stehen wir Mamas im Geschäft und denken „Nee, die Hose ist aber so gar nicht mein Geschmack“? Genauso kann es deinem Kind gehen. Auch wenn du die Klamotten toll findest, muss dein Kind es noch lange nicht tun. Am besten fragst du dein Kind (möglichst in einer ruhigen Minute), ob es die Kleidungsstücke leiden mag. Dann könnt ihr notfalls zusammen neue aussuchen.

6. Dein Kind verbindet bestimmte Gefühle mit den Kleidungsstücken

Ein Kind merkt sich häufig mehr, als wir Erwachsenen denken. Macht sich zum Beispiel ein anderes Kind in der Kita über ein Kleid lustig, kann es sein, dass deine Tochter es nicht mehr anziehen mag. Auf der anderen Seite kann es auch sein, dass ihm oft gesagt wurde, wie toll ein bestimmtes Kleidungsstück ist. Dann möchte es das vielleicht gar nicht mehr ausziehen (und deshalb nichts anderes anziehen).

7. Es weiß nicht, was „zu kalt“ bedeutet

„Motte, es ist aber draußen zu kalt für ein T-Shirt!“ Wie oft habe ich diese Diskussion mit meiner Tochter geführt. Dabei ist gerade das eigentlich sinnlos, denn unsere Kinder wissen oft (noch) nicht, was „zu kalt“ oder „zu warm“ bedeutet. Es weiß nur, dass es diese blöde Jacke jetzt nicht anziehen möchte – und dafür kämpft es dann auch.

Warum versteht mein Kind nicht, dass wir pünktlich los müssen?

„Wir müssen los, sonst komme ich zu spät zur Arbeit!“ Wie oft höre ich mich morgens diesen Satz sagen und verzweifle fast, weil er nichts bewirkt. Dabei ist das völlig normal, wie Imke Dohmken erklärt:

„Zeit ist ein Erwachsenen Ding, genauso wie Ordnung. Ein kleines Kind hat noch überhaupt kein Gefühl dafür, was Zeit heißt. Kinder leben von Aktion zu Aktion, nicht nach dem Ticken der Uhr. Termine, zu spät kommen? Kennen sie nicht. Kinder lernen die Uhr erst in der Grundschule zu verstehen.“

Einen Tipp, wie du deinem Kind das Thema Zeit etwas näherbringen kannst, hat Imke auch: „Um dennoch entspannt in den Tag zu starten empfiehlt es sich, jeden Tag den gleichen routinierten Ablauf zu haben und diesen auch anzukündigen. ‚Wenn wir fertig gefrühstückt haben, gehen wir unsere Zähne putzen‘. Beim Zähneputzen dann ‚Wenn wir fertig geputzt haben, ziehen wir uns an‘. Und so weiter. Das Kind bekommt dadurch ein Gefühl für Abläufe und ein Gerüst, das ihm Sicherheit und Vertrauen gibt.“

Mein Kind lässt sich nicht anziehen: Soll ich es notfalls im Schlafanzug in die Kita bringen?

Diesen Tipp liest man relativ oft: Dein Kind lässt sich nicht anziehen? Dann nimm es so mit, wie es ist, notfalls eben im Schlafanzug. Im besten Fall merkt es dann von selbst, dass es das nicht noch einmal machen möchte. Spätestens, wenn die anderen Kinder in der Kita lachen. Ein guter Tipp? Nein! Sagt Imke Dohmen und hat dafür eine sehr plausible Erklärung:

Das ist ein hilfloser Akt der Verzweiflung von Eltern und erniedrigend für das Kind. Ich empfehle das auf keinen Fall. Das Kind will uns ja nicht ärgern. Zeit ist die Verantwortung von uns Eltern. Druck erzeugt immer Gegendruck – und wie würdest Du es finden, im Pyjama zur Arbeit zu gehen?“

Hilft es, wenn ich mein Kind notfalls mit Gewalt anziehe?

„Wenn du dich nicht anziehst, mache ich es!“ Hast du das auch schon mal zu deinem Kind gesagt? Das Problem dabei: Wenn du es wirklich umsetzen willst bzw. müsstest, wäre das meistens nur unter Anwendung von Gewalt möglich. Und das solltest du auf keinen Fall tun: „Gewalt jeglicher Art ist schlimm! Wir haben kleine Kinder, keine kleinen Erwachsenen, keine funktionierenden Roboter“, so Imke. „Es sind kleine Menschen, die uns mehr lieben als alles andere auf der Welt. So wie ich möchte, dass mit mir umgegangen wird, so gehe ich auch mit meinem Kind um! Gewalt ist auf keine Frage die Antwort!

Das Gehirn der Kinder wächst, Kinder verstehen die Welt durch Vorleben und Nachahmen. Wir Eltern müssen nicht auf alle Probleme eine Lösung haben, aber wir dürfen uns selber hinterfragen und authentisch sein – das hilft unseren Kindern mehr als alles andere.“

nicht anziehen lässt, zeigt das: Es will selbstständig sein.

Wenn ein Kind sich nicht anziehen lässt, zeigt das: Es will selbstständig sein.
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Warum die „bockigen“ Phasen so wichtig sind

Mit etwa zwei Jahren startet bei vielen Kindern die von uns Eltern oft so gefürchtete Trotzphase. Plötzlich möchten unsere Kleinen immer mehr selbstständig und ohne Mamas Hilfe erledigen. Und dazu gehört es eben auch, selbst zu entscheiden, was sie wann anziehen. Und eben nicht mehr gesagt zu bekommen, was sie anziehen MÜSSEN.

„Autonomie, Selbstbestimmung, Freiheit sind nur einige Bedürfnisse von uns allen Menschen. Kinder haben diese Bedürfnisse auch schon, nur sind sie kognitiv eben noch nicht so weit, ihr Bedürfnis mit einer guten Strategie umzusetzen. Sie haben noch keine Handlungsalternativen, sie leben von jetzt auf gleich. Logik, Analytik, Verstand sind alles Fähigkeiten, die wir als Erwachsene haben. Kinder sind noch nicht soweit. Sie leben über ihre Emotionen. Wenn ich mein Kind erreichen will, dann nur über diese Form der Unterhaltung – auf der emotionalen Ebene, nicht auf der sachlichen.“

Deshalb sind die Trotz- und später auch die Autonomiephase so wichtig für unsere Kinder: „Kinder brauchen jede Phase der Entwicklung um eines Tages selbstbewusste, starke, empathische und rücksichtsvolle erwachsene Menschen zu werden. Wir Eltern brauchen Geduld und das Verständnis, dass Kinder nicht gegen uns agieren, sondern immer für sich. Wir haben keine kleinen Erwachsenen vor uns, sondern Kinder!“

Dein Kind lässt sich nicht anziehen? 10 Tipps, was du tun kannst:

Wie Imke schon gesagt hat, ist es meistens nur ein Symptom, wenn dein Kind sich nicht anziehen lässt. Dahinter stehen oft andere Ursachen wie Zeitdruck, Hektik oder einfach das Bedürfnis nach Nähe. Unsere Tipps helfen dir dabei, die Situation für alle Seiten entspannter zu machen:

1. Sorge für Regelmäßigkeit

Kinder brauchen Rituale und einen regelmäßigen Ablauf, auf den sie sich verlassen können. Deshalb solltest du dafür sorgen, dass zumindest unter der Woche jeder Morgen gleich abläuft. Dein Kind weiß dann, wenn ich aufgestanden bin, muss ich mich waschen. Nach dem Waschen putze ich meine Zähne. Danach frühstücken wir usw. Am besten kündigst du den jeweils nächsten Schritt schon an.

Dein Kind kann die Zeit noch nicht einschätzen, deshalb helfen Ansagen wie „In 5 Minuten machen wir das uns das“ häufig nicht. Aber durch eine morgendliche Routine bekommt es ein Gefühl dafür, was wann erledigt werden muss – und das gibt ihm Sicherheit.

Alternativ könnt ihr den Ablauf auch zusammen aufmalen. Wenn eine Sache erledigt ist, kann dein Kind sie dann auf seinem Zettel abstreichen. Viele Kinder freuen sich, wenn sie selbst etwas tun können und sehen, wieviel sie schon geschafft haben.

2. Auch wenn es schwerfällt: Steht etwas früher auf

Besonders für uns Mamas ist jede Minute Schlaf wertvoll. Trotzdem: Wenn du feststellst, dein Kind lässt sich nicht anziehen, plane etwas mehr Zeit ein. Oder anders gesagt: Steht am besten etwas früher auf. Dann kannst du dich in Ruhe schon fertig machen, bevor du dein Kind weckst. Und ihr könnt gemeinsam und entspannt in seinen Tag starten.

Außerdem gibt es deinem Kind die Gelegenheit, vielleicht doch noch einmal sein Lieblingsbuch anzuschauen oder eine Runde mit Mama zu kuscheln.

3. Vermeide Hektik

Zeitdruck und Hektik sind mit die häufigsten Gründe dafür, dass unser Schatz sich morgens überfordert fühlt. Die Folge: Unser Kind lässt sich nicht anziehen. Deshalb ist einer der wichtigsten Tipps: Vermeide Hektik, wann immer es möglich ist. Dafür kann es zum Beispiel helfen, wenn ihr früher mit dem Anziehen anfangt. Dein Kind kann dann in Ruhe ausprobieren und entscheiden, ob es sich selbst anziehen möchte oder deine Hilfe braucht.

Passend dazu hast du auch die Zeit und Ruhe, deinem Kind beim Anziehen zu helfen, wenn es das möchte. Und letztendlich sind wir Mamas ja auch entspannter, wenn uns nicht ständig die tickende Uhr im Nacken sitzt.

4. Versuche, ruhig zu bleiben

Ja, es sagt sich so leicht, und manchmal ist es auch einfach nicht möglich. Trotzdem solltest du immer versuchen, ruhig zu bleiben. Denn mit Schimpfen, Diskutieren und aufgeregtem Auf-die-Uhr-Tippen erreichst du – gar nichts. Ganz im Gegenteil überträgt sich deine Stimmung auf dein Kind. Es fühlt sich unverstanden, wird noch wütender und macht im schlimmsten Fall komplett zu.

Stattdessen kannst du versuchen, es mit ruhiger Stimme zu fragen, ob du ihm helfen kannst. Es in den Arm nehmen und ihm zeigen, dass du für es da bist. Und es nicht damit bedrängen, dass du die gleichen Aufforderungen immer und immer wieder wiederholst.

4. Lass dein Kind seine Sachen selbst aussuchen

Stell dir vor, dein Partner geht an deinen Schrank und legt dir Sachen raus, die du morgen anziehen sollst. Dabei gefällt die die graue Hose eigentlich schon lange nicht mehr, und überhaupt würdest du viel lieber das grüne Kleid tragen. Genauso geht es unseren Kindern. Sie möchten (ab einem gewissen Alter) selbst entscheiden, was sie wann anziehen.

Aber weißt du was? Egal! Wenn du merkst, dein Kind lässt sich nicht anziehen, biete ihm an, seine Sachen selbst auszusuchen. Ob das nun zusammenpasst oder nicht, ist dabei völlig egal. Dein Kind wird sich freuen, dass es selbst entscheiden darf. Und ganz ehrlich: Wen interessieren zwei verschiedene Socken, wenn er dafür einen entspannten Morgen bekommt?

Das einzige, worauf du achten solltest, ist, ob die Sachen auch warm genug sind. Natürlich sollte dein Kind im Winter nicht im T-Shirt rausgehen. In dem Fall kannst du einfach die passenden Sachen mitnehmen, damit du sie deinem Schatz anziehen kannst, wenn er friert.

5. Legt die Kleidung schon am Abend vorher raus

Ein Tipp, der uns wirklich sehr geholfen hat: Seit meine Tochter und ich ihre Sachen schon am Abend vorher zusammen raussuchen, fällt zumindest dieser Stress am nächsten Morgen (meistens) weg. Dadurch sparen wir einiges an Zeit und meine Große freut sich, weil sie allein entscheiden darf.

6. Nutze Ich-Botschaften

Wenn du merkst, dein Kind lässt sich nicht anziehen, solltest du ihm am besten nicht sagen, was dass es das jetzt aber tun MUSS. Vermeide Sätze wie „Wir haben keine Zeit, beeil dich jetzt endlich!“ oder „Zieh dich endlich an, wir müssen los!“ Bringt gar nichts und setzt dein Kind nur zusätzlich unter Stress.

Versuche es stattdessen mit Ich-Botschaften. Also zum Beispiel: „Ich weiß, dass du dich allein anziehen kannst und finde es wirklich toll! Aber heute habe ich leider etwas weniger Zeit. Darf ich dir ausnahmsweise helfen?“ Auch die kürzere und direktere Form kann helfen: „Ich möchte, dass du dich jetzt anziehst“. Das Ganze solltest du in ruhigem Ton sagen und dabei möglichst direkten Blickkontakt zu deinem Kind herstellen.

Mit diesen Ich-Botschaften machst du deinem Kind keinen Vorwurf, sondern teilst ihm mit, wie es dir mit der Situation geht. Gleichzeitig bestärkst und motivierst du es, mit dir zusammenzuarbeiten.

7. Zeig deinem Kind, wie warm/kalt es ist

Kleine Kinder können oft noch nicht einschätzen, wie warm oder kalt es ist. Sie wissen auch nicht, warum Mama ständig sagt „Zieh bitte die dicke Jacke an, es ist sonst zu kalt.“ Sie wissen nur, dass sie die dünne Jacke anziehen wollen, weil die viel schöner ist. Eine Möglichkeit ist es, mit deinem Kind morgens einmal kurz auf den Balkon oder die Terrasse zu gehen. So sieht es, was Mama mit „kalt“ meint und versteht vielleicht besser, warum die dicke Jacke heute sinnvoller ist.

8. Respektiere seinen Wunsch nach Unabhängigkeit

Der bekannte Familien-Therapeut Jesper Juul vergleicht die Phase, in der ein Kind sich nicht anziehen lässt, mit einer Art erster Pubertät. Denn die Kleinen möchten sich zum ersten Mal etwas von den Eltern abkapseln und sich ein Stück Selbstständigkeit erobern. Anstatt nur das zu tun, was die Eltern ihnen sagen, möchten sie ein Stück weit selbst entscheiden. Und das ist doch eigentlich gut so, oder? Jesper Juul empfiehlt den Eltern, dem Kind zum Beispiel direkt zu sagen: „Ich glaube, dass die Jacke heute ein wenig zu kalt ist. Aber wir nehmen die dickere Jacke einfach mit, dann kannst du Bescheid sagen, falls du später doch frierst.“

9. Mache das Anziehen zum (lustigen) Wettbewerb

Wie oft hatten wir die Situation, dass wir morgens frühstücken wollten, aber unsere Große sich nicht anziehen ließ – und sich schon gar nicht selbst anziehen wollte. Was uns tatsächlich geholfen hat, war ein einfacher Trick: Wir haben das Anziehen zum Wettbewerb gemacht. „Ich bin gespannt, ob du dich schneller anziehen kannst, als dein kleiner Bruder.“ Oder „Papa ist auch noch nicht fertig. Wollen wir mal schauen, ob du schneller bist?“. Funktioniert fast immer!

Wichtig bei zwei oder mehreren Kindern ist natürlich, dass jeder mal „gewinnt“. Sonst kommt schnell Frust auf, und dann ist es mit der Kooperation vorbei. Außerdem soll sich ja kein Kind schlecht fühlen, weil es „verliert“.

10. Bewahre deinen Humor

Zu guter Letzt: Auch wenn es (besonders) morgens anstrengend sein kann, wenn du feststellst, das Kind lässt sich wieder mal nicht anziehen – versuche, das Ganze mit Humor zu sehen. Das Outfit, dass dein Kind gewählt hat, passt überhaupt nicht zusammen? Egal! Hauptsache, es hat überhaupt etwas angezogen und ist damit glücklich. Das Schlafanzugoberteil soll unbedingt in der Kita als Pulli angezogen werden? Was soll’s! Fällt das überhaupt jemandem auf?

Auch wenn es manchmal schwerfällt (und das weiß ich leider nur zu gut) – mit einer großen Portion Geduld und Gelassenheit machen wir nicht nur unserem Kind das Leben leichter, sondern auch uns selbst.

Imke Dohmen von mutterhelden.de

Imke Dohmen von mutterhelden.de
Foto: Oliver Preetz

Unsere Expertin: Imke Dohmen arbeitet als Erziehungsberaterin und ist als Psychologischer Coach/Berater ausgebildet. Gleichzeitig hat sie einen Abschluss als Heilprakterin für Psychotherapie und hat verschiedene therapeutische Zusatzausbildungen absolviert.

Auf ihrer Seite www.mutterhelden.de bietet die zweifache Mutter Kurse und Coachings für Mütter und Familien an.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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