Kaputt vom ersten Jahr mit Kind? Danach geht´s doch erst richtig los!

Die Zeit kann unsere Sicht auf Vergangenes wirklich ungemein verändern. Mit Sicht auf die Jahre mit Kleinkind verklärt sie sich im Allgemeinen. So wie zum Beispiel bei meiner eigenem Mama, die jetzt nach rund 35 Jahren meint, dass ich keine Trotzphase hatte und immer durchgeschlafen habe. Genau! Ich denke inzwischen schon nach nicht einmal drei Jahren mit meiner Tochter: „Das erste Jahr war vielleicht entspannt!“

Autsch! Wahrscheinlich möchten mir schon jetzt die Neu-Mamas am liebsten an den Hals springen, die seit Wochen keine drei Stunden am Stück mehr geschlafen und schmerzende Brustwarzen haben. Völlig zu recht! Aber, aber…

Die Kleinkind-Jahre stellten mich nämlich vor viele neue Herausforderungen, von denen ich nichts ahnte, als ich selbst müde mit meiner Babytochter im Arm durch die Wohnung lief.

Dazu gehören:

1. Die Kleinen entwickeln einen eigenen Willen

Also, so hatte ich das definitiv nicht beim Storch bestellt! „Nein!“, „Selber!“, „Geh weg!“ – eine kleine Auswahl der ersten richtigen Worte meiner Tochter. Klar, die Mäuse entdecken in dem Alter ihren eigenen Willen und finden heraus, dass dieser nicht zwingend mit Mamas übereinstimmt. Sie wollen sich durchsetzen und das ist auch gut und wichtig. Aber es ist auch aaanstrengend! Wie wäre es denn zumindest ab und zu mit: „Ja, Mama, sehr gerne! Und wie lieb ich dich habe!“

2.Kleinkinder werden mobil oder eher: wuselig

Was habe ich mich danach gesehnt, dass meine Kleine ihre ersten Schritte macht. So süß! Außerdem muss ich sie nicht mehr ständig tragen. Aber zum Beispiel. Einkaufen mit einem laufenden Kleinkind ist eine echte Herausforderung. Alle Produkte, die bunte Tiere auf ihrer Verpackung haben, landen heimlich im Einkaufswagen. Jede einzelne Pflaume wird mit diesen kleinen entzückenden Händchen gedrückt. Und wie oft habe ich schon vor meinem inneren Auge sämtliche Weinflaschen des Regals auf dem Boden zerschlagen gesehen, wenn meine Tochter mit dem Mini-Einkaufswagen haarscharf daran vorbeiflitzte? Und zu Hause? Da muss Mama sich jetzt wirklich gut überlegen, welche Dinge (Scheren, Geschenke für andere, Medikamente…) sie wirklich IMMER gut wegpacken muss.

3. Zweijährige werden völlig gaga im Kopf

Ich gestehe folgende „Vergehen“: Ein Quarkbrot ungefragt in kleine Häppchen geschnitten. Eine Jogginghose statt einer Leggings zum Anziehen herausgelegt. Zuerst die Treppe hochgegangen. All das habe ich schon getan. Und dafür prompt die Rechnung bekommen: Ein zeterndes, weinendes, rotgesichtiges Wesen. Da hilft nur abwarten und – nachdem sich Rumpelstilzchen wieder in meine Kleine zurückverwandelt hat – sie ordentlich in den Arm zu nehmen und zu kuscheln. „Alles wieder gut, Mama!“ Puh. Zumindest bis zu meinem nächsten Fehltritt.

Schon Kleinigkeiten können einen schlimmen Trotzanfall auflösen. Foto: Bigstock

4. Kleinkind machen aus jedem Essen ein Drama

War das im Nachhinein schön, als ich genau wusste: Der Zwerg hat Hunger, ich muss ein Fläschchen machen! Jetzt ahne ich tatsächlich oft eher nur, dass meine Tochter Hunger hat, weil sie jammerig oder wütend wird. Und dann heißt es, sich vorsichtig an die Lebensmittel heranzutasten, die gerade gewünscht werden. Gurkentaler, ein Evergreen der Kinderküche? „Nee….“ Ein Käsebrot? „Ihhh!“ Apfel? „Neihein, nicht Apfel.“ Puh…

5. Die Mitmenschen drehen auch durch

Jeder (normale Mensch) liebt Babys. Und akzeptiert es meistens (wenn auch manchmal genervt), dass die kleinen Mäuse sich ganz schön laut bemerkbar machen können. Doch je größer das Kind wird, desto weniger Verständnis haben die Menschen um uns herum. Es gilt jetzt oft als „ungezogen“. Das Missverständnis: Auch wenn Kleinkinder schon gut laufen und sprechen können, sind sie eben noch klein und nicht vernünftig. Ein ausufernder Trotzanfall ist also kein Zeichen von schlechter Erziehung, sondern höhere Gewalt.

Ja, die Tage mit einem Kleinkind können hart sein. Aber habe ich schon gesagt, dass sie manchmal auch einfach wunderschön sind?

Wenn ihr also fragt: Sind die Tage mit einer Zwei- oder Dreijährigen nicht nur hart, sondern sogar härter als das „Baby-Jahr“? Genauso toll oder noch besser? Die Wahrheit ist doch: Die Anspannung als Mutter wird wohl nie bedeutend mehr oder weniger, er ändert sich nur mit der Entwicklung des Kindes. Die Liebe bleibt gleich.

Und wetten: Wenn meine Tochter einmal ein Teenager ist, werde ich mich wahrscheinlich nach einem nörgeligen „Selbermachen!“von ihr sehnen.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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