Junge baut die Titanic aus 56.000 Legosteinen nach – und überwindet so seinen Autismus

Viele Kinder lieben Lego und bauen daraus mit Hingabe Häuser, Autos oder Raketen. Aber was ein Junge aus Island mit den bunten Steinen gemacht hat, ist wirklich erstaunlich: Brynjar Karl Birgisson hat in monatelanger, mühsamer Kleinarbeit aus ingesamt 56.000 Legosteinen die Titanic nachgebaut!

Das Ganze ist nun sieben Jahre her. Der Bau des Schiffes hat das Leben des heute 17-Jährigen zum Positiven verändert.

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Gepostet von Home Education Wales am Dienstag, 28. Juli 2020

Wie kommt ein kleiner Junge auf die Idee, die Titanic nachzubauen?

Dazu muss man wissen: Brynjar Karl ist Autist. Viele Autisten empfinden Blickkontakt oder die Körpersprache anderer als bedrohlich und brauchen strikte Routinen. Teilweise sind sie überdurchschnittlich intelligent und gehen bestimmten Interessen mit in obsessiver Weise nach. Man nennt das Syndrom daher auch „Little Professor Syndrome“ oder „Nerd Syndrome.“

Häufig fühlen sie sich wie Außerirdische auf einem fremden Planeten und tun sich schwer, soziale Kontakte zu knüpfen. So ging es auch Brynjar Karl: Aufgrund seiner schlechten sozialen und kommunikativen Fähigkeiten war der isländische Junge immer auf sich selbst gestellt und spielte allein, wie er erzählt.

Um sich nicht länger einsam zu fühlen, hatte er eine geniale Idee:

„Es gab da dieses eine Schiff, von dem ich wirklich besessen war, und das war die Titanic. Ich hatte alles gelernt, was es über das Schiff zu wissen gab, und dann hatte ich eines Tages die Idee, es zu bauen“, erzählt er. Mit dem Nachbau der Titanic konnte der kleine Junge zwei seiner größten Leidenschaften miteinander verbinden: Legosteine und Schiffe.

Über 700 Stunden dauerte es, das sieben Meter lange Modell zu erstellen. „Während ich mit Lego baute, nutzte und entwickelte ich meine Fantasie und Kreativität. Ich erinnere mich nicht, dass ich mich einsam fühlte, ich war zu sehr damit beschäftigt, etwas zu bauen. Die Lego-Steine wurden zu meinen besten Freunden.“

Seine Familie unterstützte ihn bei dem Mammutprojekt, so gut sie konnte:

Brynjar Karls Opa half ihm mit den Maßeinheiten. Seine Mutter organisierte eine Spendenaktion, um die Legosteine zu finanzieren. Über seine Facebook-Seite riefen er und seine Familie die Menschen auf, ihn mit einer Geldspende unterstützen: „Ich habe eine Mission: Ich muss 3.500 Euro sammeln, damit ich davon 56.000 Legosteine kaufen kann.“

Unzählige Menschen waren von der Stärke und dem Ehrgeiz des kleinen Jungen beeindruckt, teilten seine Geschichte im Netz und unterstützten ihn finanziell. Schon bald darauf wurde ihm in einem Lagerhaus Platz angeboten, um das Modell zu bauen. „Ich kam jeden Tag nach der Schule und werkelte elf Monate lang drei bis vier Stunden, bis ich schließlich mein Lego-Titanic-Modell fertig hatte“, erzählt der Isländer stolz.

Seine sozialen Kompetenzen haben sich seitdem erheblich verbessert.

Inzwischen hat Brynjar Karl sogar richtig viele Freunde, erzählt er. „Ich weiß, dass meine Familie sich Sorgen gemacht hat, und das ist völlig normal, denn sie hatten nur das ‚Rain-Man‘-Klischee, mit dem sie ihre Erfahrungen vergleichen konnten. Heute wissen wir zum Glück viel mehr über Autismus. Wir wissen, dass, wenn es Autisten erlaubt ist, ihre Fähigkeiten durch ihr Interesse zu entwickeln, sie stärker werden können.“

Er selbst habe diese Gelegenheit gehabt. Es würde daher nichts geben, was er sich nicht zutrauen würde, wenn er sich nur darauf konzentriert. Autismus ist nicht heilbar. Doch das Titanic-Projekt habe ihn aus dem „Nebel“, der ihn damals umgab, befreit. Er wollte unbedingt ein Teil der lebendigen, fröhlichen, bunten Welt „da draußen“ werden. Und er hat es geschafft.

„Wir Autisten können alles schaffen, wenn wir es nur wollen!“

„Ich möchte andere autistische Kinder ermutigen, ihre Träume zu verwirklichen. Ich habe es geschafft – ihr könnt das auch!“ Diese Botschaft will Brynjar Karl nun in die Welt tragen. Er hat inzwischen weltweit viele Fans und ist inzwischen zu einem wichtigen Fürsprecher für Kinder mit Autismus geworden. Er macht sich stark für Aufklärung und Inklusion.

In diesem Jahr ist nun die Dokumentation „How the Titanic became my Lifeboat“ über sein Leben erschienen (hier kannst du dir den Trailer anschauen).

Alle Infos über Brynjar Karl und sein tolles Titanic-Projekt: www.brynjarkarl.com

Corinna Siemokat

Ich bin Mama und Journalistin aus Leidenschaft und freue mich, bei Echte Mamas Beruf & Berufung miteinander verbinden zu können. Hier schreibe ich über den bunten Alltag mit meinem Sohn (zwei Jahre) und die kleinen (und großen) Herausforderungen, die das Mamasein so mit sich bringt.

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