Jeden Tag was Neues: Mein aufreibender Alltag auf der Frühchen-Station

Werdende Mamas freuen sich darauf, bald ihr Kind kennenzulernen, mit ihm zu kuscheln und ihm schnell sein neues Zuhause zu zeigen.

Doch manchmal kommt es ganz anders. Wie fühlt es sich an, wenn das Baby viel zu früh kommt und deshalb noch einige Zeit auf der Frühchenstation im Krankenhaus verbringen muss?

Unsere echte Mama Steffi (26) aus dem Steyr Land in Oberösterreich erzählt, wie sie diese schwere Zeit gemeistert hat:

„Im April 2017 wurde ich mit unserem Wunschkind schwanger, wir waren überglücklich. Bis Ende August letzte Jahres verlief meine Schwangerschaft auch völlig komplikationslos. Doch dann entdeckte mein Frauenarzt, dass mein Gebärmutterhals schon viel zu kurz war. Er setzte mir eine Cerclage ein – einen Kunststoffring, der den Muttermund verschließt. Es konnten nur noch ein Zentimeter vom Gebärmutterhals gerettet werden, deswegen musste ich ab sofort liegen. Das tat ich dann auch.

Trotzdem kam unsere Tochter Emilie schon am 31. Oktober in der 33. Schwangerschaftswoche zur Welt. Obwohl ich wusste, dass es viel zu früh war, war ich auch glücklich und erleichtert. Sie wog 1890 Gramm, was die Ärzte gut fanden, weil sie hatten mit weniger gerechnet. Sie wurde an Infusionen und Überwachungsgeräte angeschlossen und bekam etwas Unterstützung beim Atmen.

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Ein erschreckender Anblick für jede Mama: Emilie auf der Frühchenstation

Als ich Emilie das erste Mal im Inkubator auf der Frühchenstation sah, musste ich schlucken: „Das ist also meine Tochter. So klein und hilflos, und sie muss sich so anstrengen beim Atmen.“ Ich war unheimlich dankbar, dass sie da war – aber natürlich war es auch nicht schön, sie so zu sehen. Durch die Beatmungshilfe konnte ich ihr Gesicht kaum erkennen. Ich durfte sie kurz berühren, aber nicht rausnehmen und an mich drücken. Das tat mir sehr weh.

Das Frühstück am nächsten Tag war dann der Horror für mich. Das Krankenhaus bot auf meiner Station morgens ein Buffet an. Ich dachte eigentlich, dass es mir relativ gut ginge mit der ganzen Situation. Aber dann kamen die Mütter mit ihren ,großen`, gesunden Babys in den Frühstücksraum. Das war dann doch zu viel für mich. So saß ich mit schwangeren Frauen und Mamas mit Babys im Frühstücksraum und weinte.

Ich fragte mich die ganze Zeit, ob Emilie überhaupt wissen würde, dass ich ihre Mama bin, wenn ich mit ihr rede oder sie halte. Das machte mich noch trauriger.

So pendelte ich immer zwischen meinem Kind auf der Neonatologie, der Frühchenstation, und meinem Zimmer. Ich war nur zum Abpumpen und zum Essen auf meinem Zimmer. Und auch, wenn ich Besuch bekam. Ansonsten war ich am Bett meiner Tochter.

Zwei Tage nach der Geburt war es dann soweit! Ich durfte zum ersten Mal mit meiner Tochter kuscheln. Dieser Moment war einer der emotionalsten in meinem ganzen Leben. Auf der einen Seite die Freude über meine Tochter und dass ich sie endlich halten dufte. Auf der anderen Seite meine große Traurigkeit, dass sie es so schwer hatte und noch so klein war.

Vor dem Kuscheln erklärte mit die Schwester, dass es sein könne, dass meine Tochter es nicht lange bei mir aushält, da sie ja bei mir nicht in ihrer „gewohnten“ Umgebung sei. Ich verstand, was sie meinte, aber es tat mir unheimlich weh. Ich machte meinen Oberkörper frei und die Schwester legte mir mein Kind auf die Brust. Zu meiner Erleichterung war sie sehr ruhig und entspannt und genoss das Kuscheln.

Drei Tage nach der Geburt sollte ich schon entlassen werden – ohne mein Kind! Zum Glück konnte ich aber einen Platz in dem Mütterzimmer der Neonatologie ergattern. Ich hätte es nicht einen Tag ohne meine Tochter ausgehalten.

Generell bestand mein Alltag dann aus: Baby füttern und kuscheln, abpumpen, frühstücken, Baby wieder füttern, kuscheln, abpumpen, Mittag essen, wieder Baby füttern und kuscheln… Jedes Mal, wenn meine Tochter wach wurde, riefen mich die Schwestern an und ich ging schnell zu meiner Tochter, fütterte sie und wechselte ihre Windeln, kuschelte mit ihr und pumpte danach ab. Auch in der Nacht wollte ich, dass sie mich anrufen und ich ihr die Flasche gebe, weil ich so viel Kontakt zu meinem Kind haben wollte wie möglich.

Trotz dieses eintönig klingenden Alltags war die Zeit auf der Frühchenstation ein ewiges Auf und Ab. Es gab wirklich viele unvergessliche Glücksmomente, wie das Kuscheln mit meiner Tochter oder das erste Mal Stillen. Auch schön war, als ich meine Tochter das erste Mal mit Unterstützung einer Schwester badete, oder als sie nach drei Wochen endlich aus dem Inkubator in ein Wärmebett und dann schnell in ein normales Bett umziehen durfte.

Aber dazwischen gab es leider auch immer wieder Dämpfer, die mir große Angst machten.

Meine Tochter hatte von Anfang an sehr viel Luft im Bauch und dadurch starke Bauchschmerzen. Die Schwestern arbeiteten mit allen Tricks, um ihr zu helfen. Sie versuchten, ihr mit dem Fieberthermometer den Stuhlgang zu erleichtern und saugten ihr mit einer Spritze Luft aus dem Magen. Alltag für die Schwestern – ein Albtraum für mich. Einmal war der Bauch meiner Tochter so aufgebläht, dass die Ärzte sich besorgt ihren Verdauungstrakt ansahen. Zum Glück war aber alles okay.

Bei der Untersuchung des Gehirns kam schließlich heraus, dass es noch unreif war und die Seitenkammern etwas vergrößert waren. Die Ärzte aber sagten, dass die Reife des Gehirns der Woche entsprechend sei, sie aber die Gehirnkammern kontrollieren müssten, da diese nicht größer werden dürfen.

Die Herzuntersuchung wurde recht spät gemacht, da den Ärzten beim Abhören nichts aufgefallen war. Doch das Loch im Herzen, das viele Frühgeborene haben, stellte sich als größer heraus als erwartet. Ich hatte Angst vor einer Herz-OP, aber die Ärzte wollten das Loch erstmal weiter beobachten.

So hoffte und bangte ich, dass wir es bald gesund nach Hause schaffen würden.

Am 1. Dezember 2017 schließlich war ich morgens gerade beim Wickeln im Stillzimmer, als eine Schwester mit Tränen in den Augen zu mir kam und sagte: ,Haben sie es schon gehört, sie dürfen heute nach Hause!´ Es war der Zeitpunkt gekommen, auf den ich so lange gewartet hatte.

Sie wog an dem Tag 2230 Gramm und war 45 Zentimeter groß.

Endlich zu Hause: Mama Steffi mit Emilie (Foto: privat)

Zu Hause angekommen, war es wunderschön: Ich legte die Kleine das erste Mal in ihren Stubenwagen und ihr eigenes Bett, kuschelte mit ihr auf der Couch und fütterte sie.

Was ich Mamas mitgeben möchte, die gerade in einer ähnlichen Situation sind: Auch wenn ihr das aktuell nicht mehr hören mögt, es stimmt, dass alles seine Zeit braucht. Man möchte, dass alles schneller geht, doch das Kind nimmt sich die Zeit im Krankenhaus, die es braucht  – und das ist auch richtig so. Frühchen sind kleine Kämpfer und wir können uns nur annähernd vorstellen, wie anstrengend es muss, seinen kleinen Organismus an die Umwelt anzupassen.

Steffi und ihre Emilie sind inzwischen ein gut eingespieltes Team. (Foto: privat)

Also, liebe Frühchen-Mamas, gebt eurem Kind die Zeit, die es braucht, viel Liebe und Sicherheit. Denn das ist es, was unsere Minis in der ersten Zeit am meisten von uns brauchen.“

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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