Italien: Der Nachname ist jetzt nicht mehr Männersache!

Der Nachname des Papas oder der Nachname der Mama – für uns ist es selbstverständlich, nach der Geburt unseres Babys frei wählen zu dürfen. In Italien erhielten die Kinder verheirateter Paare bislang jedoch automatisch den Nachnamen des Vaters. Eine italienische Familie fand das ziemlich dämlich. Die Eltern wollten, dass alle drei Kinder hinten gleich heißen. Die beiden Kinder, die sie vor ihrer Ehe bekommen hatten, trugen den Namen der Mutter. Ihr jüngstes Kind sollte nun allerdings den des Vaters bekommen. Deshalb klagten die Eltern. Die Vorstellung eines Vaters als DAS Familienoberhaupt ist schließlich ziemlich überholt.

Überfälliger Schritt in die Zukunft

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte rügte die alte Regelung schon 2014. Auch das italienische Verfassungsgericht kam jetzt zu dem Schluss: Die alte Praxis ist „diskriminierend“ und sogar „schädlich für die Identität des Kindes“. Von nun an sollen in Italien die Kinder jetzt von jedem Elternteil einen Namen bekommen. Über die Reihenfolge entscheiden die Eltern. Diese können aber bestimmen, dass ihr Kind nur einen der beiden Nachnamen annehmen soll.

Für Justizministerin Marta Cartabia ist dies ein wichtiger Schritt zu mehr Gleichberechtigung. Auch Familienministerin Elena Bonetti begrüßte die Entscheidung auf ihrer Facebook-Seite. Die Konservativen feierten diese Neuerung weniger ab. Schließlich kam sie in Italien einer kleinen Revolution gleich.

Und in anderen europäischen Ländern?

Doppelnamen für Kinder sind bei uns in der Regel nicht zulässig. Wir haben die Wahl zwischen dem Namen des Vaters und dem der Mutter. In Spanien hingegen sind Doppelnamen sogar die übliche Variante. Sie setzen sich traditionell aus dem ersten Nachnamen des Vaters und dem ersten Nachnamen der Mutter zusammen. In dieser Reihenfolge. Seit 2017 dürfen die Eltern aber selbst entscheiden, welcher Name vorne stehen soll. In Frankreich haben Eltern die Wahl. Wurde kein Wunsch angegeben, erhalten die Kinder bei verheirateten Paaren den Nachnamen des Vaters.

Noch freier wird die Sache mit den Nachnamen etwa in Großbritannien oder Schweden gehandhabt. Wer mag, kann sich und seinem Nachwuchs auch gleich einen ganz neuen Nachnamen geben. Wer einen hat, der auf -son endet, darf den in Schweden sogar kostenlos ändern. Rund ein Drittel der Bevölkerung heißt schließlich Johansson, Nilsson, Svensson,… Und wer will schon der zwanzigste Anders Andersson im Telefonbuch sein?

Und wie habt ihr das mit dem Nachnamen eurer Kinder geregelt? War es ein Thema, bei dem Diskussionsbedarf herrschte? Wir würden uns freuen, eure Geschichten zu hören.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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