Impfen: Warum fühlen sich bei dem Thema alle so schnell angegriffen?

Es gibt so Themen, da weiß man einfach schon im Voraus, dass sie für Diskussionen sorgen werden. Stillen oder Fläschchen, Kaiserschnitt oder natürliche Geburt oder das Rauchen gehören dazu. Ganz vorn liegt aber meistens ein anderes Thema: Impfen. Unter unseren Artikeln liefern sich Impfbefürworter und Impfgegner erbitterte Wortgefechte. Es werden die absurdesten Theorien verbreitet, und die Mamas greifen sich teilweise sogar persönlich an. Was ich mich dabei immer frage: Warum ist das eigentlich so?

Warum artet jede Diskussion zum Thema Impfen so aus?

Warum ist eine sachliche Diskussion fast nicht möglich? Und warum fühlen sich einige Mamas direkt angegriffen, wenn sie nur etwas zum Thema Impfen lesen?

Ganz ehrlich: Wenn wir einen Artikel darüber schreiben, dass die Masernerkrankungen einen neuen Höchststand erreicht haben, dann wollen wir damit informieren. Wenn wir eine echte Geschichte erzählen, bei der ein Kind an einer Meningokokken-Infektion beinahe gestorben wäre, dann wollen wir zeigen, wie schlimm die Krankheit sein kann. Eben nicht „nur eine normale Kinderkrankheit“. Wenn wir den Aufruf einer Mama teilen, deren kleines Kind an Krebs leidet, nicht geimpft werden kann und deshalb auf den Herdenschutz angewiesen ist, dann möchten wir damit zeigen, wie wichtig Impfungen sind. Denn eins steht doch außer Frage:

Impfungen können unsere Kinder vor zum Teil lebensbedrohlichen Krankheiten schützen.

Aber auch, wenn wir diese Artikel schreiben, heißt das ja nicht, dass wir irgendjemanden zu etwas zwingen möchten, was er selbst nicht will. Natürlich nicht! So lange es in Deutschland keine Impfpflicht gibt, kann jede Mama selbst entscheiden, ob sie ihr Kind impfen lässt oder nicht. Trotzdem möchten wir mit unseren Texten informieren und aufklären.

Spritze zur Impfung

Das Thema Impfen sorgt oft für hitzige Diskussionen Foto: Bigstock

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Denn sind wir mal ehrlich: Eigentlich beschäftigen wir uns doch mit dem Thema Impfen erst ab einem bestimmten Zeitpunkt: Wenn wir Kinder haben. Vorher haben wir zwar alle schon mehr oder weniger davon gehört, aber wirklich interessiert hat es uns doch nicht, oder? Aber dann ist er da, der kleine Wurm. Und plötzlich tauchen all diese Fragen im Kopf auf:

Warum soll ich mein Baby eigentlich impfen lassen?

Welche Impfungen gibt es überhaupt? Sind das nicht viel zu viele Impfstoffe für so einen kleinen Körper? Wie wirkt eine Impfung überhaupt? Welche Nebenwirkungen gibt es? Ist es nicht besser, wenn mein Kind die Kinderkrankheiten einmal durchmacht?

Auf all diese Fragen versuchen wir, Antworten zu finden. Für alle Neu-Mamas, die sich zum ersten Mal mit diesem Thema beschäftigen. Und für alle anderen Mamas, die sich über das Thema informieren oder einfach auf dem neuesten Stand bleiben möchten.

Wir verurteilen niemanden, der sich gegen eine Impfung entscheidet

Und wir möchten auch ganz bestimmt niemanden bevormunden. Trotzdem beziehen wir klar Stellung, denn wir finden, dass es an der Wichtigkeit von Impfungen nichts zu rütteln gibt. Besonders für Babys und Kleinkinder, denn ihr Immunsystem ist oft noch nicht ausgereift und deshalb extrem anfällig für Infektionen.

Deshalb sind Impfungen wichtig, damit das Kind frühzeitig einen bestmöglichen Schutz gegen Infektionskrankheiten aufbauen kann. Und deshalb stehen die ersten Impfungen häufig auch schon mit wenigen Monaten an.

Hättet ihr zum Beispiel gewusst, dass Babys und Kleinkinder das höchste Risiko haben, an Meningokokken zu erkranken?

In zwei Dritteln aller Fälle führt eine Meningokokken-Erkrankung zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) – und das oft innerhalb weniger Stunden. Bei einem weiteren Drittel kommt es zu einer Sepsis, also einer Blutvergiftung.

Deshalb gehört die Impfung gegen Meningokokken-Typ C auch zur empfohlenen Standardimpfung. Knapp 60 % aller Betroffenen erkranken allerdings an Meningokokken-Typ B. Die Impfung ist bisher noch kein Standard, aber inzwischen übernehmen die meisten Krankenkassen auch hierfür die Kosten, wenn ihr nachfragt.

Baby mit Maserninfektion

Masern gehören zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten – aber auch Meningokokken können für Babys gefährlich werden. Foto: Bigstock

Ist es nicht besser, wenn mein Kind die Krankheit durchmacht?

Diese Frage taucht besonders bei klassischen Kinderkrankheiten auf. Und lässt sich ganz klar mit „Nein“ beantworten. Die Impfung hat auf das Immunsystem dieselbe Wirkung wie die tatsächliche Erkrankung: Beide machen es fit gegen bestimmte Krankheitserreger, so dass diese zukünftig keine Erkrankung mehr auslösen können. Die Krankheiten, gegen die bei uns geimpft wird, können von schweren Symptomen, Komplikationen und Folgeerscheinungen begleitet werden, wenn sie durchgemacht werden.

Ein Beispiel sind Hirnhautentzündungen, die bleibende Gehirnschäden auslösen können. Auch wird das Immunsystem eines an einem Virus erkrankten Kindes anfälliger für bakterielle Erkrankungen wie Lungen- oder Mittelohrentzündungen. Solche und andere Komplikationen können für das Kind sogar tödlich sein.

Bei der Impfung dagegen bekommt es der Körper nur mit unschädlichen Erregern oder Erregerbestandteilen zu tun, so dass die Krankheit selbst nicht auftreten kann. Trotzdem ist der Körper danach so immun, als wäre die Krankheit durchgestanden worden.

Impfen verursacht Autismus? Definitiv NEIN

Wenn wir Euch über Themen wie diese informieren, lesen wir unter den Artikeln häufig die wildesten Verschwörungstheorien. Und ganz ehrlich, teilweise ist es kein Wunder, dass gerade Neu-Mamas dadurch verunsichert werden. Aber was ist dran an Behauptungen wie, „Impfen verursacht Autismus“, „Impfungen enthalten gefährliches Aluminium“ oder „Impfungen sind nur Geldmacherei der Pharmaindustrie“? Kurz gesagt. GAR NICHTS. Und das können wir auch begründen:

Der Mythos, dass Impfungen Autismus verursachen, hält sich hartnäckig seit mehr als 20 Jahren. Der Arzt Andrew Wakefield behauptete in einer Fachzeitschrift, er habe in einer Studie nachgewiesen, dass die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) Autismus verursacht. Wenig später hat sich allerdings herausgestellt, dass die Studie eine Fälschung war – seitdem darf der Arzt nicht mehr in seinem Beruf arbeiten.

Enthalten Impfungen Aluminium?

Zur zweiten Frage: Ja, einige Impfungen enthalten Aluminium. Allerdings in einer so minimalen Konzentration, dass sie laut Robert-Koch-Institut „weit unterhalb toxologischer Grenzwerte“ liegt. Heißt übersetzt: Es ist so wenig Aluminium in den Impfungen vorhanden, dass es für den Körper nicht giftig ist.

 

Baby wird geimpft

Ein kleiner Pieks kann unsere Kinder vor gefährlichen Infektionskrankheiten schützen
Foto: Bigstock

Wollen Pharmaunternehmen mit Impfungen nur Geld machen?

Natürlich ist jedes Unternehmen darauf angewiesen, mit seinen Produkten Geld zu verdienen. Da machen auch die Pharmaunternehmen keine Ausnahme. Allerdings gibt es auf der ganzen Welt immer weniger Hersteller von Impfstoffen. Warum? Weil die Herstellung sehr viel mehr Geld kostet als bei normalen Medikamenten. Und weil andererseits der Verkauf der Impfstoffe deutlich weniger Geld bringt. Außerdem verhindern die Impfungen schwere Verläufe von Krankheiten, für deren Behandlung die Pharmaunternehmen wiederum deutlich mehr Geld bekommen würden.

Bestes Beispiel ist die Geschichte eines 6-jährigen Jungen, der von seinen Eltern nicht geimpft wurde. Beim Spielen auf dem Bauernhof ist er gestürzt und hat sich an der Stirn verletzt. Seine Eltern haben die Wunde versorgt – eine Woche später ging es ihm plötzlich so schlecht, dass er ins Krankenhaus musste und 44 Tage im künstlichen Koma verbrachte. Das Kind hatte sich über die Verletzung mit Tetanus infiziert. Die Behandlung des Jungen im Krankenhaus hat über 800.000 US-Dollar gekostet. Dazu kommen die Rettung per Hubschrauber, anschließende Reha und ärztliche Nachsorgen. Sollten die Eltern nicht ausreichend versichert sein, was in den USA oft der Fall ist, müssen sie die Kosten selbst tragen. Eine Impfung kostet in den USA zwischen 18 und 30 Dollar. Die Eltern haben den Jungen übrigens auch danach nicht impfen lassen.

WHO erklärt Impfgegner zum globalen Risiko

Bei allem Verständnis, ich glaube, da hätte es bei mir aufgehört. Sieht wohl auch die WHO so, denn sie hat Anfang des Jahres Impfgegner zum globalen Risiko erklärt. Auch dabei geht es nicht darum, jemandem etwas aufzuzwingen. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass Krankheiten sich schneller und weiter ausbreiten können, je weniger Menschen dagegen geimpft sind.

Bestes Beispiel: Durch konsequentes Impfen konnten die Pocken, früher eine gefährliche und tödliche Infektionskrankheite, komplett ausgerottet werden. Seit 1977 ist auf der ganzen Welt kein einziger Fall von Pocken mehr aufgetreten. Und auch die Masern sollten bis 2020 komplett verschwunden sein – stattdessen ist die Anzahl der Infektionen in den letzten Jahren um 30 % gestiegen! Grund dafür ist laut WHO unter anderem die wachsende Zahl der Impfgegner.

Für den Herdenschutz müssen 95 % aller Menschen geimoft sein

Das ist doch erschreckend, oder? Theoretisch müsste ab dem nächsten Jahr niemand mehr Angst haben, dass sein Kind an Masern erkrankt und im schlimmsten Fall daran stirbt. Aber weil immer mehr Menschen ihre Kinder nicht impfen, gibt es so viele Masernfälle wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Ein Grund dafür: Nur wenn mindestens 95 % aller Menschen gegen eine Krankheit geimpft sind, greift der sogenannte „Herdenschutz“. Das bedeutet, dass auch Säuglinge, die noch nicht geimpft werden können, geschützt sind, genauso wie Menschen mit einer Immunschwäche, bei denen eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist.

Trotzdem bleiben wir dabei: So lange es keine Impfpflicht gibt, sollte jede Mama selbst entscheiden können, was sie für ihr Kind möchte – und was eben nicht. Wir werden weiterhin Impfthemen schreiben, um alle Mamas darüber zu informieren. Und wir würden uns freuen, wenn die Impfgegner sich nicht automatisch angegriffen fühlen, und eine sachliche Diskussion möglich ist.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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