„Ich plante schon meinen Tod – nur mein Baby ließ mich durchhalten.”

„Für mich war es ein weiter Weg bis hierher, lest selbst! ❤️ Ich habe meine Geschichte damals nach unzähligen Operationen aufgeschrieben…

Im Mai 2016 fing es auf einmal an: Ich hatte mega krasse Schmerzen. Ich war in der 30+3 SSW und habe zuerst gedacht, dass es Wehen sind, denn die Schmerzen waren wirklich unerträglich. Ich habe dann mehrfach mit den Hebammen im Krankenhaus telefoniert und bin schließlich mit meinem Freund hin gefahren.

Im Krankenhaus wurde dann schnell festgestellt, dass es keine Wehen sind.

Ich bekam Buscopan und meine Schmerzen hörten auf. Zur Sicherheit verbrachte ich noch die Nacht dort und wurde am nächsten Tag wieder entlassen – ohne Diagnose.

Die Ärzte konnten sich einfach nicht erklären, woher meine Beschwerden kamen. Sie vermuteten zwar, dass es sich um Nierenkoliken handeln könnte, aber kontrolliert wurde das nicht. Zunächst fühlte ich mich wieder fit, aber schon am nächsten Tag bemerkte ich wieder leichte Schmerzen.

Sonntag war es dann wieder extrem schlimm.

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Ich erlitt zwei handfeste Gallenkoliken. Am Montag ging ich direkt zur Frauenärztin, die nach meinem Baby schaute. Dem ging es zum Glück gut, darüber hinaus konnte sie auch nichts feststellen und schickte mich wieder nach Hause.

Doch zu Hause hatte ich wieder so schlimme Schmerzen, dass ich mich mehrfach übergeben musste. Als gar nichts mehr ging, fuhren wir wieder ins Krankenhaus. Dort wurde dann beim Ultraschall festgestellt, dass ich Gallensteine habe. Aber die Ärzte wollten oder konnten daran nichts machen, ich bekam lediglich leichte Schmerzmittel verschrieben.

Ab Dienstag hatte ich dann also wieder unentwegt schreckliche Schmerzen.

Ich bekam deswegen viele Schmerzmittel und mir wurde gesagt, dass meine Blutwerte schlecht seien und sich nicht bessern würden. Sie bereiteten mich darauf vor, dass sie meine Kleine vermutlich mit einem Kaiserschnitt holen müssen.

Vorher versuchten die Ärzte, meine Gallensteine über einen Stent in Vollnarkose zu entfernen, aber nach der Narkose wachte ich mit noch schlimmeren Schmerzen auf. Ich wurde dann so vollgepumpt mit Schmerzmitteln, dass ich mich kaum noch an diese Zeit erinnern kann.

Später stellte sich heraus, dass bei der OP der erste Fehler begangen wurde:

Die Mediziner hatten den Führungsdraht falsch gelegt. So besserte sich mein Zustand überhaupt nicht und sie entschieden, dass sie mein Kind holen mussten, da mein Körper und auch die Kleine die Schmerzen und die Schmerzmittel nicht länger aushalten können.

Ich wurde in den OP geschoben und ich weiß noch, dass ich zu meiner Mama sagte ‚Mama, pass gut auf mein Kind auf!‘ Denn irgendwie hatte ich im Gefühl, dass ich sterben würde.

Meine Kleine wurde geboren.

In Vollnarkose bei 32+1 Woche. Um 14.10 Uhr mit 45 cm und 2280 Gramm.

Aus Erzählungen und aus dem Arztbrief weiß ich, dass sie nicht geatmet hat und nach der Geburt sieben Minuten reanimiert werden musste. Sie bekam eine Magensonde und wurde an die CPAP-Maschine angeschlossen, um Luft zu bekommen, da sie anfangs nicht eigenständig atmete.

Mir wurde nach der Geburt direkt die Galle entnommen und schon eine leichte Pankreatitis festgestellt. Ich lag zwei Tage auf der Intensivstation, bekam viele Schmerzmittel und konnte meine Kleine erst zwei Tage später das erste Mal sehen und in den Armen halten. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir jedoch wieder sehr schlecht.

Mit einer Kaiserschnittnarbe und einer Narbe wegen der Galle lag ich in der Gynäkologie.

Immer noch hatte ich sehr starke Schmerzen. Die Ärzte sagten mir nur, dass das normal sei. Ich sollte mehr laufen. Wieder andere meinten, ich soll mich noch schonen. Keiner konnte was Handfestes sagen. Meine Schmerzen wurden täglich schlimmer.

Auch meine Blutwerte waren extrem schlecht. Ich hatte starke Rückenschmerzen und war voller Ödeme. Es wurde immer nur schlimmer, anstatt besser. Ich konnte mich gar nicht mehr bewegen, musste die ganze Zeit weinen und hatte irgendwann noch nicht mal die Kraft, zu meiner Tochter zu gehen. Vor lauter Schmerzen habe ich es einfach nicht geschafft.

Ich habe mich so mies gefühlt, dass ich als Mama nicht die Kraft habe, zu meiner Tochter zu gehen.

Meine Blutwerte verschlechterten sich immer weiter und ich bekam kaum noch Luft. Schließlich bestellte ich mir einen Seelsorger, denn ich hatte das Gefühl, dass ich sterben werde. Dafür wurde ich dann auch noch belächelt, aber der Seelsorger kam.

Er redete auf mich ein, aber auch das half mir nicht. Keiner verstand meine Angst, meine Schmerzen. Ich konnte nicht mehr. Also plante ich meine Beerdigung mit dem Seelsorger. Trotz allem glaubte mir niemand, dass ich so heftige Schmerzen hatte. Klar, eine Frau, die gerade einen Kaiserschnitt hatte und der die Galle entnommen wurde, hat nun mal Schmerzen…

Die Ärzte taten nichts, es gab noch nicht mal weiterführende Untersuchungen.

Ich bekam nur Schmerzmittel und die Anweisung, mich so wenig wie möglich zu bewegen. Ich war so fertig. Erst Tage später kam endlich ein Chirurg zu mir, der mir Hoffnung machte und mir sagte, ich müsste ein CT machen.

Da die Maschine aber gerade defekt war, dauerte es einen weiteren Tag, bis das endlich gemacht werden konnte. Laut den Ärzten zeigte die Aufnahme dann eine ‚Flüssigkeit‘, die punktiert werden müsste. Es vergingen weitere Tage mit Schmerzmitteln, immer weniger Kraft und vielen Tränen.

Ich ging wieder zu meiner Tochter, die inzwischen alleine atmen konnte.

Auch der Hörtest war unauffällig. Sie hatte zu diesen Zeitpunkt nur noch die Magensonde. Die Ärzte beruhigten mich, dass sie keine weiteren Folgeschäden wegen der Reanimation davon tragen würde. Ein kleiner Lichtblick.

Davon abgesehen ging es für mich weiter wie gehabt. Ich konnte kaum meine Tochter im Arm halten, schaffte es nicht, sie zu wickeln. Das zerbricht mir bis heute das Herz. Bis ein paar Tage später der Oberarzt in mein Zimmer kam: Der Chefarzt aus einem anderen Krankenhaus in der Nähe hatte sich mein CT angesehen und sofort veranlasst, dass ich verlegt werde.

Er hatte Auffälligkeiten festgestellt.

Ich war voller Angst und Schrecken. Meine Tochter musste ich zurücklassen. Mit einem Krankentransport wurde ich ins nächste Krankenhaus verlegt und von da an ging alles sehr schnell. Nach über einer Woche wurde endlich mal nach meiner Gallennarbe geschaut! Denn während meine Kaiserschnittnarbe von den Hebammen versorgt wurde, hatte sich bisher niemand um meine zweite Narbe gekümmert.

Es kam dann wie es kommen musste: Die Gallennarbe war entzündet, stark gerötet und es trat sogar schon Eiter aus. Es wurde ein Ultraschall gemacht und danach schaute mich die Ärztin ungläubig an. Sie meinte, dass sie sofort operieren müssen. Ein weiteres CT zeigte, dass mein Befund inzwischen doppelt so schlimm war.

Wieder hatte ich im Gefühl: Ich werde sterben.

Inzwischen hatte ich kaum noch Angst. Ich sprach viel mit meiner Schwägerin und meiner Ziehmama, die mir Kraft gaben. Ich erklärte ihnen, wie meine Beerdigung stattfinden soll und was ich mir für meine Tochter wünsche.

Die OP dauerte mehrere Stunde, als ich aufwachte, war ich angeschlossen an zig Geräte, Überwachungen, Schläuche. Ich wusste nicht wo ich war oder was um mich herum geschah. Dann kam meine Familie rein. Sie erzählten mir endlich, was passiert war.

Ich hatte eine fortgeschrittene, eitrige Pankreatitis.

Die Ärzte mussten den Bauchraum öffnen und fanden dabei vorne 300ml Eiter aus der Narbe und im Rückenlage ebenfalls 300ml. Deswegen musste mein Bauchraum nun bis auf Weiteres aufbleiben. Ich hatte immer noch Schmerzen und bekam Dipidolor. Hatte einen Katheter, eine Magensonde, einen Zentralvenen-Katheter und, und, und.

Damals wusste niemand, ob ich das alles überleben werde. Die Ärzte hatten wenig Hoffnung und sagten zu meinen Angehörigen, sie sollten beten. Nach der OP wurden direkt das Jugendamt und die Seelsorge verständigt und für meine Tochter und mich eine Vollmacht und eine Patientenverfügung im Falle meines Ablebens gemacht.

Ich lag zwei Wochen auf der Intensivstation, bis ich endlich auf eine normale Station verlegt werden konnte.

Aber auch danach musste ich noch alle zwei Tage am offenen Bauch operiert werden und mir wurde ein Stück vom Pankreas entfernt. Und das alles nur, weil sich niemand die Wunde angeschaut hatte. Weil keiner meine Schmerzen ernst genommen hat.

Ich musste von Schwestern täglich gelagert werden, da ich mich alleine nicht bewegen konnte. Sie mussten mich auch waschen. Aber das Schlimmste war für mich, dass ich meine Tochter nicht bei mir hatte. Kein Kuscheln, kein Anschauen, kein Genießen.

Während der Zeit im Krankenhaus habe ich viele Erniedrigungen erfahren.

Ich musste mich ständig übergeben und klingelte morgens nach der Schwester. Ich sagte ihr, dass mir schlecht sei und ich mich übergeben müsste, aber sie meinte nur, dass sie gleich wieder da wäre. Doch ich konnte es nicht mehr zurückhalten und habe mein Nachthemd und den Boden voll gebrochen.

Eine andere Schwester kam rein und meckerte mich an. Mit Mühe und letzten Kräften zog ich mir selbst das beschmutzte Nachthemd aus. Sie ging Handtücher holen, die sie dann direkt auf meinem Bauch schmiss, der offen war! Ich schrie sie an und weinte, aber sie sagte nur, ich soll mich nicht so anstellen, das täte nicht weh.

Dann putzte sie zwar den Boden, ließ mich aber in meinem Erbrochen liegen.

Ich rief voller Schmerzen meine Mutter und meine Schwägerin an und erzählte alles. Noch über eine Stunde lag ich dann nackt im Bett in meinem Erbrochenen nur mit einem Handtuch bedeckt.

Meine Familie hat sich direkt mit dem Chefarzt in Verbindung gesetzt, sodass die Schwester immerhin eine Verwarnung bekam. Insgesamt lag ich dreieinhalb Monate im Krankenhaus – ohne mein Kind. Dabei wurde ich fast durchgängig alle zwei Tage operiert. Insgesamt waren es 24 Operationen.

Ich bekam Blut- und Eiweißtransfusionen.

Erst nach zwei Monaten konnte mein Bauch endlich zugenäht werden, da er bis dahin immer noch geeitert hatte. Mir ging es verdammt schlecht, ich hatte Depressionen, Heimweh, Schmerzen. Es war die Hölle. Aber heute kann ich sagen, ich habe es überlebt!

Mitte August 2016 konnte ich endlich meine Tochter wieder bei mir haben. Leider musste ich im November 2016 und Herbst 2017 noch einmal operiert werden, da sich erneut Eiter gebildet hatte, aber danach ging es mir endlich besser.

Das ist alles nur die harmlose Version.

Es gab noch so viele Rückschläge. Ich habe auch versucht, rechtlich gegen das Krankenhaus vorzugehen, fast vier Jahre dauerte der Rechtsstreit. Ich habe verloren, mit der Begründung, dass es heutzutage normal ist, eine Pankreatitis im späteren Verlauf zu operieren. Mein Einzelfall wurde nicht geprüft…

Die ganze Erniedrigung, die Schmerzen, das alles blieb ohne Folgen für das Krankenhaus. Nun muss ich fast 5.000 Euro an das Krankenhaus zahlen, weil ich den Rechtsstreit verloren habe.

Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit habe ich inzwischen wieder einen Job.

Dafür habe ich eine Weiterbildung gemacht, denn in meinem alten Beruf als Altenpflegerin durfte ich nach den Operationen nicht mehr arbeiten. Inzwischen bin ich im Bereich der Beschäftigung und Betreuung angestellt. Und liebe es.

Meine Tochter wird im Mai fünf Jahre alt. Sie hängt etwas im Motorischen hinterher, wie Fahrrad fahren oder schreiben. Bis sie zweieinhalb Jahre alt war, benötigte sie eine Physiotherapie.

Ich habe bis heute leichte bis mittlere Rückenschmerzen.

Ich kann nicht schwer heben und meinen Bauch ziert eine riesige Narbe. Aber ich lebe! Meiner Tochter geht es super. Sie ist ein wunderschönes und wundervolles Kind.

Ich weiß, wem ich mein Leben zu verdanken habe. Denn jedes Mal, als ich in den OP geschoben wurde, dachte ich an sie und meine Kleine gab mir die Kraft das durchzustehen! Ohne sie hätte ich einfach aufgegeben.

Ich danke euch fürs Lesen. ❤️”


Vielen Dank, liebe Jennifer, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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