„Ich hasse Spazierengehen, aber es ist das Einzige, was hilft“

Kennst du das? Du hast es gehasst, wenn Mama und Papa dich damals als Kind unnötiger- und unverständlicherweise mit nach draußen geschleppt haben, dich herausgerissen haben aus deinem kuscheligen Zuhause? ZumSpazierengehen! Egal ob bei eisiger Kälte oder tropischer Hitze? „Frische Luft muss sein“ „Tut doch so gut“ oder „Ist gesund,“ bekamst du zu hören, bis dir die Sätze aus den Ohren raushingen.

Du wärst lieber daheim geblieben. Auf dem Sofa. In deinem Zimmer. Auf dem Klo? Und hast es nie verstanden, warum man kurze wie lange Strecken zu Fuß bewältigen muss, obwohl da ein Teil mit vier Rädern in der Garage steht, das einen bequem (und vor allem viel schneller) von A nach B bringt? Dann willkommen im Club! Du bist ein Spaziergeh-Hasser. Und damit nicht allein.

Dein ganzes Leben lang hast du nichts Aufregendes und Schönes dran gefunden, dich im Schritttempo zu bewegen und dabei die Außenwelt auf dich wirken zu lassen. Bis zu dem Tag, als du selbst Mama wurdest. Da wurde es auf einmal anders. Plötzlich liebst du es, durch den Ort zu schlendern. Hast Herzchen in den Augen, wenn du deinen Kinderwagen vor dir herschiebst und grüßt jeden, der dir auf deinen ausgedehnten Runden durch den Ort begegnet. Bekommst gar nicht genug von der Natur, dem Wetter und deiner Umgebung. Ha ha, nur ein Scherz!

Du bist ein Spaziergeh-Hasser. Nach wie vor. Trotz Kind. Nur musst du jetzt leider raus. Nicht etwa, weil du dich dem Druck der Mehrheit beugst. Weil das laut Bekannten dem Baby so gut tut. Es weniger krank wird und besser gedeiht. Nein. Du machst es, weil du nicht anders kannst. Denn du hast ein „high need Baby“. Ach was, nennen wir das Kind beim Namen: Du hast ein Schreibaby. Eines der seltenen Exemplare, das seinen Unmut auch lange nach den ersten drei Monaten, in denen man von Koliken spricht, nicht weniger oft oder weniger laut kundtut. Und weil du wirklich alles versucht hast (angefangen von Salben über Massagen bis hin zur Osteopathie), weißt du inzwischen, dass bei einem Schreianfall oft nur eines hilft: derKinderwagen. Der leider bewegt werden muss, damit der gewünschte Effekt (Baby entspannt sich und schläft ein) eintritt.

Wenn das Brüllen beginnt (unvermittelt und plötzlich), musst du stets schnell sein. Auch das weißt du mittlerweile. Und hast keine Minute später dich und dein Baby den Temperaturen entsprechend eingepackt, um hinauszustürmen und deine Bahnen zu drehen. Wie wunderbar, wenn sich dein Kleines schon innerhalb der ersten fünf Minuten beruhigt. Wie unglaublich, wenn das die nächste Stunde so bleibt.

Nein, du bist immer noch kein Fan von Spaziergängen. Aber du hast dich damit arrangiert. Dem Baby zuliebe. Damit es zur Ruhe findet. Damit es ihm besser geht. Damit es dir besser geht. Und wenn du ehrlich bist, ertappst du dich bei deinen täglichen Touren heute manchmal dabei, den einen oder anderen Baum etwas aufmerksamer als sonst zu betrachten. Du ärgerst dich auch nicht mehr über die Kälte, die Hitze oder dass es gerade nieselt. Solange es nicht aus Kübeln schüttet…

Ich bin 29, Babygirl ist jetzt 5 1/2 monate. kommen aus der nähe von Salzburg in österreich. und ja, meine Maus ist ganz schön fordernd. Nachdem alles medizinsche abgeklärt worden ist, hilft bei uns nur noch eins: akzeptieren und das beste draus machen (auch wenn’s oft nicht ganz so einfach) – und darauf hoffen, dass die Zeit schnell vorbeigeht.

P.S. Lieben Dank an unsere Echte Mama Marcella M. aus der Nähe von Salzburg, die uns diesen Text geschickt hat. Ihr Rat bei einem Schreibaby: Alles medizinisch abklären lassen. Wenn die Ärzte dabei nichts finden, wie bei ihrem Kind, hilft nur noch eins: Es akzeptieren und das Beste draus machen (auch wenn’s oft nicht ganz so einfach ist) und darauf hoffen, dass die Zeit schnell vergeht.

Du möchtest uns Echte Mamas auch deine Geschichte schreiben? Dann schicke uns gerne eine Mail an mamas@echtemamas.de.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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