„Ich habe meine Kinder weggegeben, weil es das Beste für sie war.“

„Ich bin Mutter von drei Kindern und leide schon seit Jahren unter starken Depressionen. Ich möchte euch meine Geschichte erzählen, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Vielleicht hat ja sogar jemand das Gleiche erlebt.

Wie gesagt begleiten mich die Depressionen leider schon seit mehreren Jahren. Dazu kommen Angstzustände und Panikattacken. Das Ganze ging so weit, dass ich keine Kraft mehr hatte und sogar um mein Leben gekämpft habe. In dieser Zeit habe ich sehr viel geweint und mich auch selbst verletzt. Meine Kinder sind 9, 7 und 6 Jahre alt und haben viel mehr mitbekommen und gesehen, als es Kinder eigentlich sollten.

Meine Schwester riet mir dazu, mir dringend Hilfe zu suchen.

Denn ich bin sehr labil und kann mich selbst bei meinen Kindern nicht durchsetzen. Dementsprechend haben sie mich auch nicht gut behandelt. Ich bin dann wirklich in eine Klinik gegangen bekam dort die Diagnose Borderline-Störung.

Ich habe lange überlegt, was in dieser Situation das Richtige und Beste für mich, aber besonders auch für meine drei Kinder ist. Denn sie haben nur das Beste verdient und vor allem ein kindgerechtes Leben und eine glückliche Kindheit.

Der 9-Jährige musste mir oft helfen, da ich viel nur gelegen habe und nicht mehr aufstehen konnte.  Für ein Kind in dem Alter ist das natürlich nicht schön. Außerdem saßen alle Drei viel zu oft vor dem Fernseher oder der Konsole. Dabei sollten Kinder in dem Alter doch raus und spielen!

Während meiner Zeit in der Klinik habe ich es endlich geschafft, mir Hilfe zu vom Jugendamt zu holen. Erst wurde ich häufiger abgewimmelt, mit der Begründung, die Kinder dürften schon mal länger an die Konsole, und auf die paar Monate käme es nicht mehr an. Aber ich habe es zum ersten Mal geschafft, mich durchzusetzen – und das Jugendamt hat gehandelt.

Ich habe mich schweren Herzens dazu entschieden, meine drei Kinder abzugeben.

Die beiden Kleinen leben zusammen in einer tollen Pflegefamilie, zu der ich einen guten Kontakt habe. Und der Älteste ist in eine Wohngruppe gezogen. Dort geht es den Dreien gut, viel besser als bei mir, und sie blühen richtig auf.

Dabei hatte ich so ein schlechtes Gewissen. Ich meine, welche Mutter gibt ihre Kinder weg? Was für eine Mutter macht so etwas?

Aber ich habe gelernt: Lieben heißt auch, loszulassen.

Meine Kinder sind mir dankbar, dass ich mich so entschieden habe, und unsere Bindung ist stärker als vorher. Den Dreien geht es wirklich gut, und ich mache dieses Jahr eine sechsmonatige Therapie wegen meiner Borderline-Störung.

Ich vermisse sie nach wie vor jede Minute, jede Sekunde. Aber wir haben regelmäßigen Kontakt und sehen uns ein- bis zweimal die Woche. An Weihnachten und Silvester waren sie auch bei mir.

Wahrscheinlich haben viele eine andere Meinung zu dem Thema und auch Vorurteile, wenn sie meine Geschichte hören. Aber:

Es war eine Entscheidung, die meinen Kindern und mir sehr geholfen hat.

Und ich möchte hier auch einmal sagen: Das Jungendamt nimmt einem bei so etwas die Kinder nicht weg, sondern hilft nur. Sobald ich gesund bin, bekomme ich die Drei jederzeit zurück. Wenn sie allerdings irgendwann sagen sollten, dass sie lieber in der Pflegefamilie bzw. Wohngruppe bleiben möchten, werde ich das akzeptieren, und sie dort nicht wieder rausreißen.

Denn nach wie vor stehen die Wünsche meiner Kinder für mich an erster Stelle. Ich lebe für sie weiter und mache meine Therapie, damit wir als Familie eine Chance haben, es besser zu machen.

Ohne meine Schwester wären wir nie so weit gekommen. Ich verdanke ihr wirklich so viel. Sie hat mich und meine Kinder aus der Situation gerettet.“


Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte, SEO und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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