Heute bin ich sehr dankbar dafür, weil ich professionelle Hilfe erhielt.
Meine Eltern schickten mich zur einer Therapeutin, bei der ich jahrelang blieb und die mir sehr geholfen hat, mich und meine Essstörung zu verstehen. Auch wenn ich inzwischen keine therapeutische Hilfe benötige, ist das Thema Essen immer noch sehr heikel für mich. In anstrengenden Lebensphasen neige ich dazu, in meine alten Muster zurückzufallen und generell esse ich nur wenig und lasse bestimmte Lebensmittel weg.
Doch heute bin ich selbst Mutter und ich möchte meiner Tochter die beste Grundlage für eine gesunde Beziehung zum Essen geben. Ich mache mir große Sorgen, weil ich ihr nicht vorleben kann, wie ein normales Verhältnis zum Essen aussieht. Große Portionen oder sich spontan ein Eis gönnen? Beides Dinge, die mir Stress verursachen. Ich esse sehr kontrolliert und plane auch immer akribisch, was ich wann esse.
Doch meine Maus kommt langsam in ein Alter, in dem sie mich genau beobachtet.
Ich wünschte, ich wäre ein besseres Vorbild für sie und ärgere mich oft über mich selbst und mein Essverhalten. Ich habe schon sehr viel zu dem Thema gelesen und versuche, ihr genau die passende Portionsgröße zuzubereiten. Dafür habe ich schon eine umständlich Rechnung aufgestellt, über die mein Mann nur den Kopf geschüttelt hat. ‚Gib ihr doch einfach so viel, wie sie möchte?!‘ Aber genau das ist für mich so schwierig: Was ist, wenn ich ihr viel zu viel gebe und sie später darunter leidet? Was ist, wenn sie zu wenig bekommt?
Ich ärgere mich auch oft, wenn Außenstehende meine Figur vor ihr kommentieren.
Manche loben meine Figur überschwänglich und betonen immer wieder wie ‚schön schlank‘ ich doch sei. Andere kritisieren mich und fordern mich immer wieder auf, endlich mehr zu essen. Dass mich das stresst und sich jedes Mal anfühlt, wie ein Übergriff, habe ich inzwischen akzeptiert, doch ich möchte einfach nicht, dass Kommentare dieser Art mein Kind beeinflussen.
Bevor ich Mutter wurde, habe ich mir zu vielen Dingen Gedanken gemacht, aber irgendwie hätte ich nicht erwartet, dass mich meine eigene Vergangenheit auf diese Art wieder einholt.”
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„Ich habe Angst, meine Essstörung auf mein Kind zu übertragen.”
Von
Lena Krause
4. Oktober 2024