„Ich habe Angst, meine Essstörung auf mein Kind zu übertragen.”

„Ich bin 34 Jahre alt und seit zwei Jahren Mama. Meine eigene Kindheit war nicht leicht, von außen schien alles normal, aber meine Eltern haben dauernd gestritten und ich habe sehr darunter gelitten. Ich habe mir oft gewünscht, dass sie sich trennen, damit die ständigen schlimmen Auseinandersetzungen aufhören. Ich war oft allein, meine Eltern waren mit sich beschäftigt und ich hatte keine Geschwister.

Irgendwann fingen dann meine Probleme mit dem Essen an. Ich glaube, ich war 10, als ich zum ersten Mal eine Diät machen wollte, obwohl ich ein schlankes Kind war. Mit dreizehn nahm ich dann sehr viel ab und aß immer weniger, ich rutschte in die Magersucht. Vor meinen Eltern konnte ich es verstecken, ich dachte mit Ausreden aus und trug nur noch lange, weite Klamotten, aber die Lehrer waren aufmerksamer und schlugen Alarm.

Heute bin ich sehr dankbar dafür, weil ich professionelle Hilfe erhielt.

Meine Eltern schickten mich zur einer Therapeutin, bei der ich jahrelang blieb und die mir sehr geholfen hat, mich und meine Essstörung zu verstehen. Auch wenn ich inzwischen keine therapeutische Hilfe benötige, ist das Thema Essen immer noch sehr heikel für mich. In anstrengenden Lebensphasen neige ich dazu, in meine alten Muster zurückzufallen und generell esse ich nur wenig und lasse bestimmte Lebensmittel weg.

Doch heute bin ich selbst Mutter und ich möchte meiner Tochter die beste Grundlage für eine gesunde Beziehung zum Essen geben. Ich mache mir große Sorgen, weil ich ihr nicht vorleben kann, wie ein normales Verhältnis zum Essen aussieht. Große Portionen oder sich spontan ein Eis gönnen? Beides Dinge, die mir Stress verursachen. Ich esse sehr kontrolliert und plane auch immer akribisch, was ich wann esse.

Doch meine Maus kommt langsam in ein Alter, in dem sie mich genau beobachtet.

Ich wünschte, ich wäre ein besseres Vorbild für sie und ärgere mich oft über mich selbst und mein Essverhalten. Ich habe schon sehr viel zu dem Thema gelesen und versuche, ihr genau die passende Portionsgröße zuzubereiten. Dafür habe ich schon eine umständlich Rechnung aufgestellt, über die mein Mann nur den Kopf geschüttelt hat. ‚Gib ihr doch einfach so viel, wie sie möchte?!‘ Aber genau das ist für mich so schwierig: Was ist, wenn ich ihr viel zu viel gebe und sie später darunter leidet? Was ist, wenn sie zu wenig bekommt?

Ich ärgere mich auch oft, wenn Außenstehende meine Figur vor ihr kommentieren.

Manche loben meine Figur überschwänglich und betonen immer wieder wie ‚schön schlank‘ ich doch sei. Andere kritisieren mich und fordern mich immer wieder auf, endlich mehr zu essen. Dass mich das stresst und sich jedes Mal anfühlt, wie ein Übergriff, habe ich inzwischen akzeptiert, doch ich möchte einfach nicht, dass Kommentare dieser Art mein Kind beeinflussen.

Bevor ich Mutter wurde, habe ich mir zu vielen Dingen Gedanken gemacht, aber irgendwie hätte ich nicht erwartet, dass mich meine eigene Vergangenheit auf diese Art wieder einholt.”


Vielen Dank, liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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