Ich bin ungeplant schwanger geworden – und so hat es mich verändert

Ich habe früher nie über den Pearl Index nachgedacht, diese 0,3, die trotz Pille schwanger werden. Das war für mich einfach nur eine Zahl, ein bisschen so, wie die Bilder auf den Zigarettenschachteln, oder Diabetes, das man von zu viel Süßigkeiten bekommen kann. Wird mir schon nicht passieren. Deshalb habe ich auch nie damit gerechnet, trotz Pille schwanger zu werden.

Eines sei vorweggesagt: Die Entscheidung zu Leo ist die beste, die ich in meinem Leben je getroffen habe und die ganze Schwangerschaft als solches ist der wohl schönste ‚Un‘-, oder sagen wir: Zufall, der mir je passiert ist. Trotzdem war der positive Schwangerschaftstest erst einmal ein Riesenschock für mich.

Als ich bemerkte, dass irgendwas mit mir anders war, war ich mit meinem Ehemann in den Flitterwochen in der Karibik, schon die fünfte Woche. Mein Mann ist selbstständig und wir sind beide leidenschaftliche Taucher. So hatten wir uns extra viel Zeit genommen, um im Eheleben anzukommen.

Es fing damit an, dass meine Brüste unglaublich spannten, außerdem tat mein Bauch ein bisschen weh, ähnlich, wie wenn man seine Periode bekommt. Ich hatte mir vorher schon tausend Mal eingebildet, schwanger zu sein; immer dann, wenn ich mit der Einnahme der Pille ein bisschen ‚geschludert‘ hatte, oder auch ganz früher, als meine Partner noch häufiger wechselten, und wir manchmal auch nur mit einem Kondom verhüteten. Dieses Mal war es aber anders; irgendwie wusste ich, dass ich wirklich schwanger war, ohne dass ich sagen könnte, warum. Vielleicht ist das weibliche Intuition, ich war mir auf jeden Fall schon sicher, bevor ich das Stäbchen mit den zwei positiven Streifen in der Hand hielt.

In dem Moment, als ich das positive Testergebnis sah, gingen mir tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf: „Du willst noch gar nicht Mama sein.“ „Das war es mit der Karriere.“ „Hab ich es doch gewusst, dass es unverantwortlich ist, nach der Hochzeit und Magen-Darm-Geschichte, sich auf die Pille zu verlassen.“, „Was machen wir jetzt nur?“

Ganz hinten, kaum noch zu hören, weil all die anderen Stimmen so laut waren, hörte ich auch ein ganz schwaches Jubeln. Ein Kind! Andere probieren das jahrelang und wir bekommen einfach so, trotz Pille, ein Baby.

Im Prinzip sprach ja auch nichts dagegen: Mein Mann und ich kannten uns insgesamt schon neun Jahre und waren seit fünf Jahren fest zusammen, wir hatten gerade geheiratet und standen beide finanziell auf eigenen Füßen. Klar, ein Kind war bislang nicht geplant, aber ist dafür jemals der richtige Zeitpunkt? Irgendwas muss man dafür doch immer ein bisschen einschränken: Studium, Karriere, Pärchenalltag?

Trotzdem, muss ein Kind nicht gewollt sein? Sollte man sich als Mama nicht vorher schon ausreichend mit dem Gedanken beschäftigt, und ein Baby gewünscht haben? Das fragte ich mich die nächsten Tage. Meinem Mann erzählte ich noch nichts von den Neuigkeiten, weil ich erst für mich allein zu einem Entschluss kommen wollte. So richtig konnte ich mir auch gar nicht vorstellen, wie so ein Kind in mir wachsen sollte. Klar, theoretisch weiß man das alles, aber es fühlt sich doch anders an, wenn es der eigene Körper ist.

Mein Mann sprach mich zwei Tage, nachdem ich den Test durchgeführt hatte, auf mein merkwürdiges Verhalten an. Ich wirkte so „aufgewühlt“. Es war eine riesige Erleichterung, mit der Schwangerschaft herauszurücken. Mein Mann nahm mich in den Arm und meinte nur „Aber das ist doch was Schönes“. Und da fühlte ich es denn auch (mit ein paar Tränen in den Augen, um genau zu sein).
In der Schwangerschaft konnte ich mich dann richtig mit meinem Schatz anfreunden und mich mit meiner neuen Rolle als Mama auseinandersetzen. Manchmal fühlte ich mich immer noch ganz schön ins kalte Wasser gestoßen.
Vielleicht auch, weil ich die Erste im Freundeskreis bin, die ein Kind bekommen hat.
Da gab es niemanden, der mir vorher wirklich aus eigener Erfahrung erzählen konnte, wie das so ist mit Wassereinlagerungen, Geburtsvorbereitung und Kaiserschnitt. Mittlerweile bin ich mir aber ziemlich sicher, dass es jeder Frau, auch denen, die gewollt schwanger werden, genauso geht. Schwanger zu sein, ist ein Wunder und so wirklich planen, kann man eine Schwangerschaft doch eigentlich eh nicht. Das weiß ich von den Frauen aus meinem Bekanntenkreis, die jetzt ‘rumprobieren‘, ohne dass es bisher geklappt hat.
Da sind manche schon so lange dabei, dass es sie bestimmt überraschen wird, wenn es dann irgendwann tatsächlich so weit ist. Und überhaupt passiert das meiste doch im Leben, während man gerade plant. Bei mir haben zum Glück die Umstände gepasst – Mann, Karriere – und wäre ich damals nicht versehentlich schwanger geworden, wäre es halt zwei Jahre später geplant und (wahrscheinlich dennoch überraschend) passiert. Kein Grund zur Panik also.
Protokoll: Nina Ponath