Eine Mama erzählt: Ich bin schwanger und bekomme ein Kind mit Downsyndrom

Liebe Mamas,

ich heiße Claudia, bin 39 Jahre alt und zum dritten Mal schwanger. Und ich habe in der 13. SSW bei der Vermessung der Nackenfalte erfahren, dass unser kleiner Bauchzwerg nicht gesund ist. Unser Kind hat das Downsyndrom. Wir mussten uns entscheiden, ob wir das Kind bekommen möchten oder nicht. Diese Situation war unglaublich schwer, und ich möchte euch davon erzählen.

Warum ich das mache? Vor allem, damit ich anderen Eltern, die in dieser Situation sind, Hoffnung geben kann. Und weil die Entscheidung für oder gegen ein behindertes Kind, immer noch ein Tabu-Thema ist. Oder habt ihr andere Eltern schon einmal darüber reden gehört?!

Das ist meine Geschichte – ein Sprung ins Ungewisse:

Mein Herz schlug Purzelbäume als ich im Februar 2017 einen positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen hielt und ich hätte am liebsten die ganze Welt umarmt. Meine beiden Jungs schauten mich an, lachten mit mir mit, obwohl sie nicht genau verstanden, warum Mama so vor sich hintänzelte.

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Mir sah man in jeder bisherigen Schwangerschaft gleich an, dass ich schwanger war, weil meine Freude unübersehbar war, und ich anscheinend das „gewisse Etwas“ ausstrahlte. Wieso sollte ich auch meine Schwangerschaft verheimlichen? Die Freude eines neuen Erdenbewohners darf man doch von Anfang an teilen. Meinen täglichen Begleiter, „die Übelkeit“, konnte ich eh nicht verbergen.

Ich hoffte nur, dass mein Kind gesund sein durfte.

Irgendwie überkam mich aber immer wieder dieses komische Gefühl, dass der Zeitpunkt meiner dritten Schwangerschaft nicht stimmig ist, obwohl wir uns sehnlichst ein drittes Kind wünschten.

Wieso kam immer wieder dieses Gefühl in mir hoch? Es tauchten unglaublich viele Fragen auf, und ich fühlte mich innerlich sehr kraftlos, als würde ich jeden Moment zusammensacken.

Ich machte mir auf einmal über komische Dinge Gedanken und alles fühlte sich nicht mehr so freudvoll an. Ich empfand die Schwangerschaft als stressig. Was war nur los mit mir?

Ich hatte unglaubliche Angst, meinen Bauchzwerg zu verlieren, als ich zum Beispiel eine Schmierblutung hatte. Meine Unsicherheit stieg von Tag zu Tag.

Erleichterung kam erst auf, als ich endlich den ersten Ultraschalltermin in der 13. SSW wahrnehmen durfte. Meine beiden Jungs brachte ich zu meiner Schwester und fuhr danach ziemlich aufgeregt zur Kontrolle. Das einzige, was ich an diesem Tag als unangenehm empfand war, dass mein Mann nicht mitkommen konnte.

Ich sah die Frauenärztin zum ersten Mal und fühlte mich wohl bei ihr. Sie schaute sich alles ganz genau an. Das Herz des Kleinen schlug prächtig, alles war tip top.

Wäre da nicht diese eine Sache gewesen, diese eine Sache:

Die Frauenärztin meinte, die Nackenfalte sei leicht verdickt.

© Claudia K.

Mein Herz drohte stehenzubleiben, und ich merkte, wie meine Frauenärztin versuchte mich zu beruhigen. Jedoch gelang ihr das nicht, denn der Satz die Nackenfalte sei verdickt, halte in meinen Ohren so laut nach, dass ich beinahe nicht mehr atmen konnte.

Meine Augen füllten sich mit Tränen, die ich versuchte zu unterdrücken, was mir nicht gelang. Die Tränen schossen wie ein Wasserfall aus meinen Augen.

Anschliessend ging alles sehr schnell. Sie meldete uns mit meiner Zustimmung bei einem Feindiagnostiker an, damit die Nackenfalte nochmals gemessen werden und im Fall der Fälle auch einen Bluttest durchgeführt werden konnte.

Im Labor konnten sie das Blut auf Trisomie 21, 13 oder 18 testen, da ich mit meinen 39 Jahren in die Kategorie Risikoschwangerschaft eingestuft wurde.

Das Horrorkarrussel fing an und ich konnte nicht mehr aussteigen.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, was oben und unten war. Ich fühlte mich einsam und verlassen. Abends heulte ich mir im Bett die Augen aus und tagsüber funktionierte ich für meine zwei Jungs.

Mein Mann und ich fuhren zum Feindiagnostiker und wir hofften natürlich, dass alles nur falsch gemessen wurde und so der Albtraum ein Ende nahm.

Wieso sollten gerade wir ein Kind mit einer Behinderung bekommen? Diese und mehrere Fragen schossen mir täglich durch den Kopf.

Der Albtraum hörte aber nicht auf. Denn das Ergebnis des Bluttestes, welches wir vier Tage später bekamen, machte die ganze Situation nicht einfacher.

Es hieß, dass die Risikowahrscheinlichkeit für Trisomie 21 bei 1:2 und für Trisomie 13/18 bei 1:16 sei.

Was heisst das genau? Ich löcherte den Arzt mit Fragen und war am Schluss noch verunsicherter als vorher.

Meine Gedanken kreisten, meine Gefühle spielten verrückt. Ein behindertes Kind zu bekommen, das geht doch nicht.

Wie sollten wir das schaffen? Was denken wohl die anderen? Wir haben doch zwei kleine Jungs zu Hause, welche unsere Aufmerksamkeit und Liebe brauchen. Und mein kreatives Wirken in meiner neu geschaffenen Arbeit, alles für die Katz? Mein Onlineshop mit meinen selbstgezeichneten Kinderprodukten, mein Herzensprojekt – zerplatzt wie eine Seifenblase? Werden mein Mann und ich noch weniger Zeit füreinander haben? Mein Gefühle von Wut, Trauer bis hin zur Hilflosigkeit spürte ich im ganzen Körper und ich hätte schreien können. Der Schock saß tief!

Die Unklarheit, ein gesundes oder ein behindertes Kind unter dem Herzen zu tragen, war für mich unglaublich schwierig. Deshalb entschieden wir uns eine Fruchtwasserpunktion durchzuführen. Ehrlich gesagt, ich hätte mir nie im Traum vorstellen können, dass wir jemals in diese Situation kommen würden.

Doch manchmal kommt es eben anders, als man denkt. Wir brauchten einfach Klarheit, um uns optimal vorbereiten zu können. Der Arzt erklärte uns genau, wie alles abläuft und was ich anschliessend beachten müsse, wenn wir uns für die Fruchtwasserpunktion entscheiden würden.

Natürlich hat er uns auch informiert, wie ein Abbruch stattfindet, falls wir uns gegen das Kind entscheiden würden. Mir kamen echt die Tränen und mein Herz schlug wie verrückt, als ich Worte hörte.

Die Fruchtwasserpunktion verlief trotz meiner Horrorvorstellung schmerzfrei und schnell. Das Ergebnis des Schnelltest für Trisomie 21, 13 oder 18 würde das Labor innerhalb von zwei Tagen haben, jedoch hieß es jetzt erst einmal, mich 48 Stunden auszuruhen und nichts heben.

Ich lag zwei Tage mehr oder weniger im Bett und meine Jungs wurden von meiner Mutter betreut und verwöhnt. Mein Kopf spielte nicht mehr so verrückt und ich fühlte mich entspannter.

Ich spürte, dass ich Dank wunderbaren Gesprächen mit Freunden und Familienmitgliedern wieder in meinem Herzen angekommen war und die Angst vom Sprung ins Ungewisse verschwand. Ich lass Lektüren über Trisomie 21, 13 und 18 und telefonierte mit Familien, welche ein Kind mit Downsyndrom hatten.

Ich dachte mir, egal wie es kommt, wir schaffen es als Paar und als Familie und werden von unseren Familien und Freunden unterstützt. Meine Kommunikation mit dem kleinen Bauchzwerg war wieder da und ich fühlte eine unglaublich tiefe Verbindung mit dem Kleinen und doch nagte die Unklarheit an mir.

Tief in meinem Herzen wünschte ich mir, dass alles nicht so schlimm sei und unser Sonnenschein lebensfähig ist. Das Telefon klingelte, ich erstarrte beinahe und doch wusste ich genau, jetzt ist die Zeit reif für das Ergebnis. Ich war bereit.

Ich lauschte den Worten des Arztes, in meinem Körper kribbelte alles und ich war irgendwie gefasst und froh, als er mich informierte, dass unser Schatz definitiv Trisomie 21 hat und nicht Trisomie 13 oder 18. Dankend beendete ich das Telefonat und heulte so richtig los.

Warum mir die Tränen flossen, wie ein Wasserfall wusste ich in diesem Moment nicht. Fiel mir eine Last der Unklarheit ab? Waren es Tränen der Freude, weil es sich zum Glück „nur“ um Trisomie 21 handelte und somit eine grosse Chance bestand, dass unser kleiner Mann lebensfähig war? Ich wusste es wirklich nicht.

In kürzester Zeit veränderte sich einiges in meinem Leben und viele wunderbare Menschen reichten uns die Hand, was mich zu tiefst berührte.

Plötzlich wurde vieles unwichtig, Kleinigkeiten zählten und mir wurde bewusst, was Gesundsein wirklich bedeutet.

Mein Mann und ich durften durch unseren Schock-Prozess in eine noch intensivere und tiefere Verbindung eintauchen.

Wir sahen unsere Situation auf einmal von einer anderen Seite. Klarheit und Stärke entstand und wir wussten beide, dass wir ein wunderbares Team sind, egal, wie wir uns entscheiden würden.

Zusammen machten wir uns auf den Weg, uns mit dem Thema Downsydrom vertraut zu machen, unserer Situation in Liebe und Vertrauen näher zu kommen, anzunehmen was auf uns zukommt, und entschieden uns klar gegen einen Abbruch, welchen wir bis zur 20. SSW im Spital hätten machen können.

Das kam für uns aber absolut nicht in Frage.

Wir hofften jedoch ganz fest, dass beim Organscreening alle Organe einwandfrei funktionieren würden, was auch glücklicherweise eintraf. Kein Herzfehler, keine sonstigen Schäden an den Organen. Alles sonst in bester Ordnung, nur dieses Extra-Chromosom war vorhanden.

Endlich kam die Zeit, meine Schwangerschaft freudvoll geniessen zu können und nicht mehr einfach funktionieren zu müssen.

Eine intensive Zeit voller Angst und Verzweiflung verflog, und wir waren wieder als Familie präsent und voller Hoffnung.

Es ist uns bewusst, dass wir einen Sprung ins Ungewisse machen, jedoch freuen wir uns sehr auf diese bereichernde und spannende Zeit mit unserem Schatz mit dem Extra-Chromosom und vertrauen darauf, dass wir mit unseren drei Jungs neue Wege kraftvoll beschreiten werden.

Das Glück ist auf unserer Seite, auch wenn es nicht immer nur einfach sein wird.“

© Claudia K.

Mehr über mich, meine Schwangerschaft und Leben erfahrt ihr auf meiner Facebook-Seite „Ich und mein Blog“.

Ich freue mich auf euren Besuch!

Eure Claudia

Echte Mamas

Echte Mamas. Wir sind echt und ehrlich.

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