Horror in der Sportstunde: Ist Völkerball „legalisiertes Mobbing“?

Erinnert ihr euch noch an eure Sportstunden in der Schule? Es gab ja irgendwie immer zwei Parteien in der Klasse: Die Sportskanonen, die in der kalten Halle mit diesem einzigartigen (und eigenartigen) Geruch der Matten und Kästen erst richtig aufblühten und dann… die anderen.

Es gab ein paar Spiele, die regelmäßig dazugehörten.

Zum Beispiel Völkerball. Da hatte ich immer wenig Lust zu.

Jaaaaa, ich gehört zu den „anderen“, also zu denen, die sich um den Schulsport nicht gerade rissen. Ich war nicht so schnell, nicht so wendig, konnte nicht so gut werfen. Und das alles ist natürlich gerade beim Völkerball eher uncool.

Dazu diese Angst, hart vom Ball getroffen zu werden!

Wir haben nämlich nicht mit so weichen Bällen wie sie oben auf dem Bild zu sehen sind gespielt.

Kurzum: Ich fand Völkerball so richtig k***e – aber hat es mir auch geschadet?

In Kanada ist „Dodgeball“ nämlich grad ein großes Thema und verschiedene Wissenschaftler fordern aufgrund einer Studie seine Abschaffung.


Einmal zur Info, ich musste es eben einmal nachschauen: Dodgeball ist die Variante des Völkerballs, die sich in den USA und in England durchgesetzt hat. Es wird mit mehr Bällen und weniger Spielern als hierzulande gespielt. Ist also eventuell noch ein wenig „härter“ als unser Abwurfspiel.


Aber zurück zum Skandal: Die Forscher der Studie, die demnächst komplett im „European Physical Education Review“ veröffentlicht wird, wollten ursprünglich den kanadischen Sportunterricht im Allgemeinen untersuchen und haben dafür zwölf- bis 15-jährige Kinder zum Thema interviewt. Dabei stellte sich heraus, dass viele von ihnen tatsächlich das Dodgeball kristisierten.

Eine Professorin an der University of British Columbia in Vancouver, Joy Butler, die auch eine der Autorinnen der Studie ist, erläuterte das Grundproblem auf CBC:

Viele Lehrer würden Dodgeball dazu benutzen, Kinder auf spielerische Weise für die Gesellschaft zu formen.

Joy Butler ist völlig anderer Meinung! In der Washington Post erklärte die ehemalige Lehrerin: Gerade die stärkeren Schüler würden das Spiel nutzen, um schwächere Klassenkameraden zu demütigen. „Die Botschaft des Spiels ist, dass es okay ist, andere zu verletzen! Dabei sollte gerade der Sportunterricht ein Ort sein, an dem Lehrer den Schülern dabei helfen, ihre Aggressionen zu kontrollieren, anstatt sie auszuleben.“

Stephen Berg ist Co-Autor der Studie und Professor für Pädagogik an der UBC Okanagan in Kelowna/British Columbia. Er sagt: „In der Schule reden wir viel über Freundlichkeit, Empathie und Mitgefühl. Im Sportunterricht verschwinden alle diese Begriffe.“

Das Fazit der Experten: Dodgeball zeige Kindern, ihren Mitschülern zu schaden.

Deswegen fordern die Forscher, dass sich im Sportunterricht künftig einiges ändert: Lehrer sollen mehr über die Spiele im Sportunterricht nachdenken – und dabei auch die schwächeren und stilleren Schüler im Blick haben. So könnten beispielsweise Lehrer die Schüler selbst Spiele entwickeln lassen. Alle Kinder sollten sich dabei gemeinsam auf die Regeln einigen.

Was sagt ihr denn dazu? Ist etwas an dieser Meinung dran oder ist das völlig übertrieben? Und, was mich persönlich sehr interessiert: Wie fandet ihr denn früher Völkerball 😉 ?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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