6 Grenzen unserer Kinder, die wir zu achten haben

Hat euch schon mal jemand gezwungen, etwas zu tun, das ihr überhaupt nicht wolltet? Einen Brief schreiben zum Beispiel oder eine Hose anziehen, obwohl es euch doch wichtig war, an diesem Tag den Rock anzuziehen? Wohl kaum, oder? Also, ich würde wohl heftigen Widerstand leisten und diese Person würde mich dann nur noch von hinten sehen.

Oder noch schlimmer: Habt ihr schon mal einen Erwachsenen umarmt oder geküsst, obwohl der sich wehrte? Oder umgekehrt: Hat man euch schon mal geküsst, obwohl ihr das nicht wolltet? Sexuelle Belästigung, höre ich da schon den Aufschrei. Richtig. Das ist wirklich schon eine große Grenze, die damit überschritten wird. Sich von jemandem in den Arm nehmen lassen, den man nicht kennt. Oder jemandem, den man kennt, aber der einem nicht vertraut ist. Von jemandem, der vielleicht ein komisches Parfüm benutzt oder merkwürdig riecht.

Schon alleine beim Gedanken daran verbiegt sich in mir alles, ich fühle mich unglaublich unwohl, ziehe meine Schultern hoch und winde mich buchstäblich in meinem Stuhl herum, so als würde ich versuchen, mich aus der (sogar nur vorgestellten) Umarmung zu befreien.

Ihr ahnt schon, worauf ich hinauswill, oder?

Es geht um Grenzen, und zwar um die Grenzen der Kinder. Die werden nämlich sehr häufig von uns und anderen Erwachsenen einfach mal ignoriert. Vielfach einfach, weil Kinder uns körperlich unterlegen sind, was, wenn man darüber nachdenkt, genauso fies ist, wie es sich anhört. Außerdem denken wir, weil wir erwachsen sind, wissen wir alles besser, sind schlauer und weitsichtiger.

Natürlich stimmt das in einigen Fällen, aber in vielen könnten und sollten wir uns zurückhalten und unseren Kindern vertrauen. Und wir als Eltern sollten außerdem dafür sorgen, dass auch andere Menschen die Grenzen unserer Kinder respektieren.

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Dies sind sechs wichtige Grenzen, die Kinder selbst setzen dürfen sollten:

1. Küssen

Diese Grenze wird so oft überschritten, dass es fast schon normal scheint. Natürlich MUSS das Kind der Oma einen Kuss geben oder sich einen geben lassen! Schließlich sehen sie sich so selten und Großmutti freut sich doch so darüber! Dabei ist das tatsächlich etwas, das mir persönlich ganz fürchterlich erscheint. Damit bin ich nicht alleine, denn inzwischen gibt es viele Eltern, die sich das mal für sich selbst vorgestellt haben, wie wir eben gerade.

Klar, Oma und Opa sind keine Fremden, doch wenn man sich selten sieht, dann wirkt es für Kinder manchmal eben doch so. Aber selbst wenn das Verhältnis innig ist, ist es am Ende doch die Entscheidung des Kindes, ob es küssen möchte oder nicht. Schließlich lehren wir es doch: „Mein Körper gehört mir!“ Davon nun eine Ausnahme zu machen ist der Botschaft absolut nicht förderlich.

2. Umarmen

Was beim Küssen gilt, gilt auch beim Umarmen. Für einige ist das der Schritt zurück, wenn ein Kind das Küsschen verweigert. Dann heißt es: Aber wenigstens eine Umarmung für den lieben Freund oder die nette Tante! Doch auch hier muss die Antwort klar NEIN lauten.

Auch eine Umarmung kann die Grenzen eines Menschen, egal, ob klein oder groß, überschreiten. Ein Kind darf immer selbst entscheiden, ob es umarmt werden möchte oder nicht. Schließlich kennen wir das selbst doch: Es gibt Tage und Situationen, in denen wir nicht mal von unserem Mann berührt werden wollen, geschweige denn von jemandem, der uns nicht ganz so nahe steht.

3. Schlagen

Traurig, aber wahr, auch diese Form der Grenzverletzung existiert heute noch. Obwohl es per Grundgesetz verboten ist, Kinder zu schlagen oder ihnen körperlich wehzutun, ist es auch heutzutage vielfach noch ganz normal, Kinder mit Schlägen zu bestrafen oder gefügig zu machen. Das verletzt nicht nur den Körper, sondern auch die Würde des Kindes.

4. Zwingen, etwas zu tun, das sie nicht wollen

Auch die „Zwingung“, wie meine Kinder es nennen, ist nicht in Ordnung. Dabei sind die Grenzen allerdings etwas verwischt. Klar, meine Kinder müssen ihre Zähne putzen. Natürlich dürfen sie nicht den ganzen Tag lang nur Süßigkeiten essen.

Das heißt nicht, dass ich sie zwingen würde, zu essen. Sie dürfen Gesundes essen, wenn sie Hunger haben. Haben sie keinen, warten sie eben bis zur nächsten Mahlzeit. Erziehungsexperten wie Jesper Juul raten sogar davon ab, den Klassiker „Dann gibt es keinen Nachtisch!“ zu verwenden. In seinem Buch „Essen kommen“ erklärt er, dass es besser sei, über die Vorbildwirkung Einfluss auf die Essgewohnheiten auszuüben. Macht auch Sinn, denn wer hat schon mal einem seiner (erwachsenen) Dinner-Gäste das Dessert verweigert, weil er das Gemüse nicht ganz aufgegessen hat?

Diese Situation kann auch auf die tägliche Anzieh-Diskussion übertragen werden…. Auch hier hilft es, wenn Eltern das Kind liebevoll unterstützen, anstatt es zu etwas zu zwingen, was es nicht möchte. „Man kann dann in der Situation selbst schlau sein und sagen: ,Okay, ich glaube, das ist jetzt ein bisschen kalt, was du da ausgesucht hast. Meiner Meinung nach ist das heute zu wenig. Ich packe jetzt andere Kleider ein und wenn es dir kalt wird, dann sagst du den Erzieherinnen Bescheid’“, so der Ratschlag von Jesper Juul. Damit stärkt man die Selbstautonomie des Kindes, ist aber trotzdem bereit, ihm Hilfe in Form von wärmeren Klamotten zu reichen, wenn es merkt, dass es sich doch verschätzt hat.

5. Ihre Gefühle verleugnen

Kommt unsere beste Freundin zu uns, um uns ihr Herz auszuschütten, sagen wir dann zu ihr: „Ach, hör doch auf zu weinen. Dazu gibt es gar keinen Grund!“? Eher nicht. Hat unser Mann sich gerade mit dem Hammer auf den Finger geklopft oder ein Vorstellungsgespräch vergeigt, wird unsere Reaktion auch nicht sein: „Jetzt reiß dich aber mal zusammen! So schlimm ist das wohl nicht!“ Stattdessen werden wir sie oder ihn trösten, Tränen trocknen und versuchen, zusammen eine Lösung zu finden.

Weinen aber unsere Kinder, dann rutscht uns so ein Satz ganz schnell mal heraus. Ich gebe zu: Kinder weinen aus vielen Gründen, die wir als Erwachsene tatsächlich als „nicht schlimm“ empfinden. Beispielsweise, wenn das Butterbrot falsch herum geschnitten wurde. Oder wenn der Reißverschluss klemmt, weil die kleinen Fingerchen es noch nicht ganz schaffen, ihn aufzuziehen. Oder wenn sie leicht mit der Stirn den Tisch berühren, obwohl sie das gerade nicht wollten.

Tatsache ist aber, dass auch diese Kleinigkeiten für ein Kind echt und groß und wichtig sind. Indem wir sagen, dass sie keinen Grund haben, zu weinen, verlegnen wir ihre Gefühle, nehmen sie als Menschen nicht ernst. Wir würdigen ihre Emotionen herab und verletzen damit ihre Grenze.

6. Uns alles erzählen zu müssen

Es gibt gute Geheimnisse und schlechte Geheimnisse, das lehren wir unsere Kinder. Doch wir halten uns nicht daran, was wir damit implizieren. Denn wir Eltern neigen dazu, aus unseren Kindern jedes noch so kleine Geheimnis herauszukitzeln, egal, wie gut es sein mag. Auch das ist gemein und nicht unbedingt förderlich für die Eltern-Kind-Beziehung. Vertrauen ist das Stichwort. Kinder dürfen ihre Geheimnisse behalten. So fühlen sich sich wichtig und wertgeschätzt. Am Ende verraten sie ja (bis zu einem gewissen Alter) ohnehin irgendwann von sich aus alles…

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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