Geburtstrauma: „Schreien hilft Ihnen jetzt auch nicht mehr“

Am 25. November jährt sich der Rose Revolution Day zum fünften Mal. Dieser Tag setzt international ein Zeichen gegen Gewalt in der Geburtshilfe und Geburtstrauma.

Frauen, die während ihrer Entbindung Respektlosigkeit oder Gewalt erfahren haben, können vor der Tür ihres Kreißsaales eine rosafarbene Rose ablegen. Wer mag, schreibt dem Personal einen Brief dazu. Fotos dieser Rose oder auch Geburtsberichte werden unter dem Hashtag #rosrev gepostet oder auf der Facebook-Seite der Initiative veröffentlicht.

Der Rose Revolution Day macht unzähligen Frauen Mut. Denn viel zu oft wird die Geburt zum traumatischen Erlebnis. So erging es auch unserer echten Mama Micha (23) aus dem Chiemgau. Hier erzählt sie uns ihr Geburtstrauma:

Mit einem Blasensprung mitten in der Nacht begann die Geburt meines ersten Kindes. Ich war natürlich aufgeregt und auch ein bisschen ängstlich, aber dass es so schlimm werden würde – daran habe ich nicht einmal im Traum gedacht.

Um 1 Uhr fuhr ich mit meinen Mann ins Krankenhaus. Im Kreißsaal angekommen, fühlte ich mich sofort unwohl. Die Nachthebamme war sehr kühl und machte keinen Hehl daraus, dass sie überhaupt keine Lust zum Arbeiten hatte.

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Ich hatte inzwischen so heftige Wehen, dass ich mich übergeben musste. Die Hebamme half mir nicht beim Atmen und unterstützte mich auch mental nicht, sie meinte nur: ,Sie wollen ein Kind, da müssen Sie jetzt durch!´ Ich bat sie darum, zur Linderung der Krämpfe in die Badewanne steigen zu dürfen, worauf sie mir augenrollend eiskaltes Wasser einließ. Sie sagte zu meinem Mann: ,Sie bleiben bei Ihrer Frau, ich komme dann in 15 Minuten wieder.´ In der Wanne bekam ich sofort Presswehen, wir riefen die Hebamme wieder. Mein Muttermund war bereits sechs Zentimeter weit geöffnet. Sie verbot mir zu pressen und ging wieder raus. Nach 15 Minuten – einer gefühlten Ewigkeit – kam sie wieder.

Da war ich schon der Verzweiflung nahe, weil ich starke Schmerzen hatte, und bat sie um eine PDA. Ihre Reaktion: ,Ich habe in einer Dreiviertelstunde Feierabend, das tue ich mir jetzt bestimmt nicht mehr an.´ Ich dachte, ich höre nicht richtig. Nach dem Schichtwechsel bekam ich dann endlich meine PDA – allerdings falsch gesetzt. Eine Körperhälfte war danach komplett taub.

Trotz der Presswehen ging die Geburt nicht voran, daher wurde die Oberärztin hinzugezogen. Sie beschloss, die Saugglocke einzusetzen, und wenn das auch nichts nützen sollte, wollte sie einen Kaiserschnitt machen.

So wurde ich für die Sectio-Operation vorbereitet, dazu gehörte es auch, dass meine Arme und Beine fixiert wurden. Ein demütigendes Gefühl, wenn man sich sowieso wie ein Störfaktor vorkommt. Im Operationssaal drückte mir die Ärztin mit aller Kraft auf dem Bauch herum. Zwei Ärzte fuhrwerkten währenddessen regelrecht in meinem Intimbereich herum und versuchten, das Kind mit der Saugglocke zu holen. Mein Sohn war sehr groß und schwer, er blieb mit seiner Schulter stecken. Die Ärztin fasste mir direkt an den Muttermund, um ihn zu lösen, ein Dammschnitt wurde gemacht – die Schmerzen waren unvorstellbar, die Hölle.

Der Kommentar einer der Ärzte: ,Schreien hilft Ihnen jetzt auch nicht mehr!´ Ich bekam vor lauter Panik kaum mit, dass die Ärzte meinen Mann aus dem OP-Saal zitierten.

Irgendwann holten sie dann endlich meinen Sohn mit 4490 Gramm und 56 Zentimetern auf die Welt. Er kam sofort für sieben Tage auf die Intensivstation. Er hatte einen Neulingsinfekt, bekam direkt nach der Geburt starke Schmerzmittel wie Morphin wegen des Einssatzes der Saugglocke – und seine Schulter war verletzt, sie hätten sie ihm fast gebrochen.

Bei mir entzündete sich nach wenigen Tagen der Dammschnitt, es eiterte und ich hatte wahnsinnige Schmerzen. Ich bat darum, dass sich ein Arzt die Wunde anschaut. Als Antwort bekam ich zuerst: ,Das ist ganz normal, die Ärztin hat sie sich doch erst gestern angesehen!´ Erst nach langem Bitten wurden meine Beschwerden behandelt.

Ich kann auch jetzt, Monate später, manchmal kaum sitzen, ein Ostheopath behandelt die verwucherte Narbe, ein Homöopath die Schmerzen.

Natürlich habe ich große Angst, dass es bei einem zweiten Kind wieder so schrecklich laufen könnte. Aber die Ärzte haben mir sowieso gesagt, dass ich künftig nur noch per Kaiserschnitt entbinden darf.

Seelisch verarbeitet habe ich dieses Trauma noch lange nicht. Mein Mann und ein Psychologe helfen mir aber, die grausamen Erinnerungen langsam hinter mir zu lassen.“

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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