Früher war ich mal geduldig. Dann wurde ich Mama

Früher, wisst ihr noch? Früher, als noch alles besser war? Da habe ich mich beim Bäcker in die Schlange gestellt, auch wenn die wirklich lang war. Früher habe ich stundenlang am Boden nach dem verlorenen Modeschmuck-Ohrring gesucht. Früher lag ich gerne entspannt im Park und habe Löcher in die Luft gestarrt, während ich auf meine Freunde wartete. Man kann sagen, ich war ein geduldiger, pünktlicher Mensch.

Und dann…. wurde ich Mutter! Geduld und Pünktlichkeit? Gibt es beides nicht mehr. Spätestens mit dem zweiten Kind ist der Geduldsfaden gerissen und ich bin permanent am Limit. Ein ironisches „Geht’s noch langsamer?“ begleitet mich durch den Tag, die Woche, den Monat.

Zackig und effizient

Ich habe keine Geduld mehr für Tätigkeiten, die nicht effizient sind. Sogar, wenn ich mit meinen Kindern verstecken spiele, räume ich auf dem Weg durch die Wohnung Spielzeug auf oder stelle Geschirr/Wäsche weg. Zum Bäcker gehe ich nur noch, wenn ich schon beim Vorbeigehen sehen kann, dass dort niemand steht und wartet. Dinge, die nicht gerade ein Vermögen gekostet haben, suche ich nicht mehr. Entweder, sie tauchen von alleine wieder auf, oder ich lerne, ohne sie zu leben. Im Park liege ich nur noch mit Laptop, oder eben mit den Kindern. Was beides nicht unbedingt der Inbegriff von Entspannung ist.

Entspannen ist einfach nicht mehr drin, zumindest nicht, bevor die Kinder nicht friedlich schlummern. Und der Weg dahin ist jeden Tag ein sehr mühsamer.

Jeder Abend ist anstrengend und der Tag ebenso. Schließlich muss ich fast immer mit irgendjemandem irgendwo sein oder irgendetwas erledigen. „Es gibt immer was zu tun!“, dieser Baumarkt-Slogan ist ja eigentlich das Lebenscredo von Müttern.

Dabei ist es das größte Paradoxon unserer Existenz: Die Kinder, die der Grund dafür sind, dass wir so viel zu tun haben, sind auch der Grund dafür, dass wir nicht dazu kommen, viel zu tun.

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Aber wir versuchen es trotzdem.

  • „Bitte iss dein Brötchen etwas schneller, wir müssen jetzt dringend los!“
  • „Warum hast du deine Hose ausgezogen? Wir hätten schon vor fünf Minuten an der Bushaltestelle sein müssen!“
  • „Mach hinne, das ist doch nicht so schwer!“
  • „Das ist schon der 50. Stein, den du unbedingt aufheben musst. So kommen wie nie nach Hause!“

Dabei weiß ich eigentlich, dass ich es mir sparen könnte. Geduld ist eine Tugend und weder Ermahnen noch Schimpfen noch Antreiben bewirken irgendetwas bei meinen Kindern. Besonders morgens, wenn wir es besonders eilig haben und ich besonders ungeduldig bin. Und es ist auch völlig irrelevant, ob ich um fünf oder um halb sieben aufstehe bzw. sie wecke. Wir sind ohnehin immer zu spät dran.

Ungeduld = Charakterschwäche?

Inzwischen ist mir die ewige Nörgelei wegen meiner fehlenden Geduld so ins Blut übergegangen, dass mir auch für andere Menschen und deren Trödeleien und Zeitstehlereien ziemlich auf die Nerven gehen. Wenn beispielsweise Menschen in WhatsApp-Gruppen Nachrichten schreiben, die für das Thema der Gruppe völlig irrelevant sind. Wenn meine Mama ewig braucht, um den Kindern einen Apfel zu schneiden. Oder wenn mein Schwager eine Stunde lang an meinem Handy rumfummelt, ohne diese Einstellung zu finden, die falsch ist. Ja, sie wollen nur helfen, aber entweder sie machen es zackig oder gar nicht…. oh weh. Wie fürchterlich es ist, so ungeduldig zu sein und zu was für einem schlechten Menschen es mich macht.

Dabei bin ich davon überzeugt, dass es gar nicht so sehr die Geduld ist, die mir fehlt. Es ist vielmehr die Zeit.

Denn die ist immer knapp. Vor allem mit zwei Kindern, die es zum Weltmeistertitel bringen könnten, wenn es eine Weltmeisterschaft dafür gäbe, wer am langsamsten seine Socken anzieht oder wer am schnellsten im Schrank verschwunden ist, wenn Mama zum Zähneputzen oder Aufräumen ruft.

Scheiternde Vorsätze

Jeden Tag nehme ich mir aufs Neue vor, geduldiger zu sein, weniger gestresst, weniger genervt. Und jeden Tag scheitere ich erneut. Habe ich doch mal eine gute Phase, in der ich es schaffe, die Termine und Aufgaben auf ein Minimum zu reduzieren, um doch mal mehr Zeit zu haben – PENG! Ist einer krank. Oder alle. Oder eine Freundin braucht ganz dringend Hilfe. Oder der Himmel fällt auf uns herab. Irgendwas ist immer.

Also werde ich mich weiterhin bemühen und weiterhin scheitern. Oder… ich probiere es mal mit Yoga oder Meditation. Ommmmm. Ommmm. Ommmm. Darf ich jetzt aufhören? Ich glaube, für Yoga und Meditation fehlt mir die Geduld.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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