„Hans bringt viel Freude in den Laden!“ Junge mit Down-Syndrom arbeitet beim Friseur

Down-Syndrom, vielen auch unter Trisomie 21 bekannt, ist eine Genmutation, bei der das 21. Chromosom dreimal vorhanden ist. Dies sorgt für verschiedene geistige und körperliche Behinderungen und macht das Leben aller Beteiligten häufig zu einer Herausforderung.

Hans Jakob ist 18 Jahre alt und von dieser Chromosomenanomalie betroffen, doch das stört ihn nicht. Er möchte ein eigenständiges Leben führen.

Einer der das unterstützt, ist der Friseur Francesco Scavo. Er ist Mitarbeitern mit Behinderung gegenüber aufgeschlossen, was leider meist eine Seltenheit ist. Vor knapp zwei Jahren inserierte er eine Stellenanzeige in einer lokalen Zeitung mit dem Vermerk, dass er und sein Team nicht vor körperlichen Beeinträchtigungen zurückschrecken.

Als eine Bekannte von Hans‘ Mutter davon mitbekommt, dauert es nicht lange, bis die Familie Jakob davon hört und Hans diese Chance nutzt und eine Bewerbung losschickt. Schon bei der ersten Begegnung in Francescos Laden merkt Hans‘ Mutter, „dass er sich an einem Platz befindet, wo er sich wohl fühlen würde“, wie sie es dem Stern verrät. Und auch der Friseur ist überzeugt: Hans ist ein Gewinn! Vier Tage die Woche hilft er nun aus, lacht viel und kommt zu 98% gut bei den Kunden an. Die anderen zwei Prozent sieht Francesco ganz entspannt. „Es gibt immer irgendjemanden, der was zu meckern hat oder seine ungewollte Meinung mitteilen muss“, sagt er uns im Interview.

Außerdem hilft er Hans dabei, eine Struktur in seine Arbeit zu bekommen. Er erstellt ihm täglich eine genaue To-Do-Liste, was für Hans wichtig ist, um seinen Arbeitstag dann möglichst eigenständig zu bewältigen.

Zudem möchte Francesco Hans endlich dauerhaft anstellen und ihm 1000 Euro pro Monat zahlen – doch der Integrationsfachdienst stellt sich quer. Da Hans Arbeit finanziell vom Amt unterstützt wird, muss seine Leistungsfähigkeit eingeordnet werden. Fazit: er könne nur weniger als 30 Prozent seines Gehalts selbst erwirtschaften. Dies bedeutet, dass der Förderbetrag für den Betrieb zwar hoch ist, aber Hans kann dadurch keine Sozial- und Grundabgaben abführen, was im Falle einer Arbeitslosigkeit übel für ihn wäre.

Wenn er über 30% selbst erwirtschaften würde, bekäme Francescos Betrieb zwar einen niedrigeren Förderbetrag, aber Hans hätte alle Rechte und Pflichten eines normalen Angestellten und genau dafür kämpft Francesco nun.

Hans bringt dem Laden so viel Freude und nimmt Francesco viele Aufgaben ab. „Ich verstehe nicht, wo die Problematik ist, zu akzeptieren, dass er genauso gleichwertig ist wie jede andere ungelernte Kraft“, betont er gegenüber dem Stern.

Als ihm dann auch noch mitgeteilt wird, dass Hans in Behindertenwerkstätten alle Rechte hätte, nur eben in Betrieben nicht, platzt Francesco der Kragen. Denn Hans liegt ihm sehr am Herzen und er will nicht akzeptieren, „dass ein so toller Mensch unter seinem Wert verkauft wird“, wie er es uns verrät.

Wir drücken den beiden alle Daumen, dass sie Hans Rechte durchsetzen können und wünschen Hans, dass er weiterhin so viel Spaß dabei hat, sich seinen Platz in der Welt zu erobern. Und unseren Hut ziehen wir vor Francesco, ein herzensguter Mensch, von dessen Art es auf dieser Welt leider viel zu wenige gibt!

Tamara Müller

Als süddeutsche Frohnatur liebe ich die Wärme, die Berge und Hamburg! Letzteres brachte mich vor fünf Jahren dazu, die Sonne im Herzen zu speichern und den Weg in Richtung kühleren Norden einzuschlagen. Ich liebe die kleinen Dinge im Leben und das Reisen. Und auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe, verbringe ich liebend gerne Zeit mit ihnen.

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