Fremdeln beim Kind: Ein wichtiger Entwicklungsschritt

Mama ist die Beste! Das gilt wohl in vielen Fällen ein Leben lang, aber im Baby- und Kleinkindalter gibt es Phasen, in der fast nur Mama und Papa das Vertrauen der Kleinen haben. Es hab Zeiten, in denen meine Tochter Angst vor ihrem Onkel hatte, vor ihrem Opa und vor allen Fremden sowieso. Man weiß ja eigentlich, dass es total normal ist, dass Kinder fremdeln. Aber trotzdem kann es für die Eltern anstrengend und auch unangenehm sein, besonders, wenn man, wie ich, es am liebsten allen recht machen würde. Denn wenn das Kind seine engsten Verwandten, die es so bedingungslos lieben, vermeintlich „ablehnt“, fühlen sich diese natürlich auf den Schlips getreten. Nun ja, ich habe gelernt: Da muss man durch. Denn das Fremdeln beim Kind ist nicht nur total normal – sondern auch richtig wichtig!

Hier lest ihr alles, was man über diese aufreibenden Phasen wissen muss:

1. Warum fremdelt ein Kind?

Jedes Kind ist anders, klaro, schließlich hat jedes Lebewesen von Anfang an seinen ganz eigenen Charakter. Das einzigartige Temperament zeigt sich schon im kleinsten Säuglingsalter. So sind manche Babys ängstlicher und weinen häufiger,  andere sind neugieriger auf die große Welt und eher entspannt. Das alles hat unter anderem mit den Genen zu tun.

Erstaunlicherweise haben diese angeborenen Wesenszüge aber wenig mit dem späteren Fremdeln beim Kind zu  tun. Denn, und das ist die gute Nachricht für alle, die gerade ein ängstliches Kind auf dem Arm haben, das förmlich in sie hineinkriechen möchte: Fremdeln ist immer ein Ausdruck einer starken Beziehung zwischen Kind und Eltern.

„Mama und Papa sind toll, immer für mich da und sie beschützen mich. Ich weiß, was ich von ihnen zu erwarten habe.“ So ähnlich würde es ein Kind wohl ausdrücken, wenn es das schon könnte. Viel mehr Menschen bräuchte es anfangs gar nicht. Und deswegen können fremde Leute oder auch eine neue Umgebung die Kleinen schnell überfordern.

Aber auch das Verhalten anderer kann ein Baby irritieren – und das gilt eben sogar für eigentlich schon bekannte Menschen wie die Großeltern. (Gar nicht so selten schaut in dieser Phase übrigens sogar der Vater in die Röhre.) Wenn diese es anfassen, umarmen oder streicheln wollen, kann das einem kleinen Menschen schnell zu viel sein. Alarmstufe Rot und ab zu Mama oder Papa auf den Arm.

Also: Fremdeln beim Kind ist quasi eine imposante Entwicklungsphase – und ein Riesenkompliment an uns Eltern. Wir haben einen guten Job gemacht!

2. In welchem Alter tritt Fremdeln beim Kind auf?

Bei vielen Kindern tritt das Fremdeln erstmals mit etwa acht Monaten auf. Und zeigt einen wichtigen Entwicklungsschritt an: Das Kind hat eine enge Bindung zu mindestens einer Bezugsperson (in der Regel ein oder beide Elternteile) aufgebaut und unterscheidet diese klar von anderen Menschen. Es bekommt jetzt ein Verständnis für zwischenmenschliche Beziehungen, nimmt seine Umwelt differenzierter wahr und kann sich sogar in ersten Zügen bewusst mitteilen.

3. Und wie lange dauert diese Phase?

In der Regel lässt das Fremdeln beim Kind nach, wenn die sprachliche Kommunikation besser wird. Denn wenn es sich besser ausdrücken kann, kann es auch „Nein!“ sagen, wenn es gerade nicht berührt werden will oder ähnliches. Bei den meisten Kindern tritt dies in einem Alter zwischen einem und anderthalb Jahren auf. Aber wir wissen ja, dass sich jedes Kind auch sprachlich anders entwickelt – deswegen sollte man sich bloß keine Sorgen machen, wenn die Fremdelphase länger andauert. Oder irgendwann noch einmal auftritt. Denn auch, wenn Kinder einen ihrer zahllosen Entwicklungsschübe durchmachen, können sie wieder sehr an Mama hängen und niemanden anderes gelten lassen.

4. Wie gehe ich mit einem fremdelnden Kind um?

Fremdelnde Kinder brauchen viel Geduld und Unterstützung. Und zwar von den Eltern und von jenen, „gegen“ die sich das Fremdeln gerade richtet.

1. Tipps, wenn das eigene Kind fremdelt:

  • Ein fremdelndes Kind braucht Sicherheit. Auch, wenn man es als unangenehm empfindet, dass der kleine Schatz gerade alle anderen vor den Kopf stößt: Ist jetzt eben gerade so. Signalisieren wird unseren Kindern: Du hast recht, ich bin immer für dich da. Und nein, du musst mit keinem reden oder kuscheln, mit dem du es gerade nicht möchtest. Nur so bekommen Kinder ein gesundes Vertrauen in ihr Bauchgefühl und werden immer selbstbewusster werden.
  • Für viele Kinder fällt ausgerechnet die Krippen-Gewöhnung in die Hochzeiten des Fremdelns. Erzieher wissen das und eine sanfte Eingewöhnung, die ruhig ein paar Wochen dauern darf, hilft dem Kind beim Ankommen in der neuen Umgebung. Eltern sollten ihrem Kind signalisieren: Es ist okay! das hier ist ein schöner und ganz sicherer Ort, an dem du dich wohlfühlen und viel Freude haben wirst.

2. So verhält man sich am besten, wenn ein Kind gegenüber einem selbst fremdelt:

  • Am besten nähert man sich dem Kind immer ganz ruhig und vorsichtig. Zieht es sich zurück, lässt man es. Das ist sein gutes Recht und völlig okay.
  • Bitte, bitte, niemals etwas persönlich nehmen!
  • Kinder nicht einfach berühren oder auf den Arm nehmen. Ein Lächeln reicht – und dann abwarten, wie  das Kind reagiert.
  • Geduld haben. Diese Phase geht vorbei. Ehrlich.

5. Gibt es Kinder, die gar nicht fremdeln?

Ja, die gibt es. Neugierige Kinder beispielsweise können manchmal weniger fremdeln, weil sie schneller auf neue Eindrücke und Situationen reagieren. Aber auch das ist, wie eingangs erwähnt, keine Garantie.

Auch das Verhalten der anderen kann die Intensität des Fremdelns beeinflussen… Denn wenn die anderen etwas Distanz wahren und die Grenzen des Kindes instinktiv respektieren, hat dieses weniger Grund, überhaupt zu fremdeln.

Kurzum: Fremdeln beim Kind ist eine total individuelle Sache und geht vorbei.

Wie ist oder war es denn bei euren Kindern? Haben sie stark gefremdelt oder habt ihr da kaum etwas von gemerkt? Und wie hat euer Umfeld reagiert?

Wenn ihr euch darüber mit anderen Mamas austauschen wollt, könnt ihr das super in unserer Facebookgruppe tun. Diese findet ihr hier.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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